Studie: Die Welt versinkt im Elektroschrott

Studie: Die Welt versinkt im Elektroschrott

von Birk Grüling

Ein aktueller UNO-Bericht warnt vor einem starken Anstieg des Elektroschrotts. Die Entwicklungsländer produzieren inzwischen am meisten davon.

Wer sich ein Handy kauft, entscheidet sich oft auch für ein Stück Sondermüll: Ein Smartphone wird im Durchschnitt 18 Monate benutzt. Spätestens mit der Vertragsverlängerung gibt es ein neues Modell und das Alte wandert in die Schublade oder gleich auf den Müll. Auch Fernseher oder Laptops werden selten länger als zwei oder drei Jahre genutzt, dann folgen neuere Modelle, schnellere Technik und bessere Features. Die Konsequenz dieser Technikbegeisterung ist ein stetig steigender Elektromüllberg.

Unglaubliche 49 Millionen Tonnen Elektrogeräte wurde 2012 insgesamt weggeworfen. Das geht aus dem aktuellen Bericht der UNO-Initiative „Solving the E-Waste Problem“ (StEP) hervor. Die Tendenz ist steigend und damit beunruhigend: Bis 2017 wird sich der globale E-Müllberg noch um ein Drittel auf 65,4 Millionen Tonnen erhöhen. Das entspricht dem 200-fachen Gewicht des Empire State Buildings.

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Steigender Lebensstandard führt zu mehr MüllEinerseits sind elektronische Geräte in ihrer Herstellung immer günstiger geworden, andererseits hat sich die Entwicklung neuer Produkte und Features rasant beschleunigt. Die Lebensdauer von PCs und Smartphones ist heute entsprechend kurz. Gleichzeitig steigt die Zahl der Menschen, die sich Luxusgüte wie Mobiltelefone, Tablets oder auch Waschmaschinen leisten können und wollen. So stellten die Wissenschaftler in ihrer Studie einen besonders großen Anstieg des Müllberges in den Entwicklungsländern fest. Sie produzierten insgesamt 25,4 Millionen Tonnen. Europa, Japan und die USA kamen zusammen auf „nur“ 23,5 Millionen Tonnen.

Zum Vergleich: In Bericht vom 2007 waren die Industrienationen noch die deutlich größeren Müllproduzenten. Gerade Ländern wie China, Südafrika oder Brasilien geht es wirtschaftlich immer besser und der Wunsch der Bevölkerung nach Luxusartikeln steigt. Die Amerikaner sind mit 30 Kilogramm Elektroschrott pro US-Bürger und einer Menge von 9,4 Millionen Tonnen immer noch auf Platz eins. In China liegt der Pro-Kopf-Verbrauch zwar nur bei 5,5 Kilogramm, allerdings ist die aufstrebende Wirtschaftsnation mit Gesamtmenge 7,3 Millionen Tonnen auf Platz zwei des Müllrankings. Mit 23 Kilogramm pro Bundesbürger liegt Deutschland eher im Mittelfeld der Industrienationen, aber trotzdem weit über dem weltweiten Durchschnitt von sieben Kilogramm.

Zwischen Umweltproblem und RohstofflieferantEin großes Problem des wachsenden Müllbergs sind die lückenhaften Recyclingansätze. Nur 40 Prozent des europäischen Elektroschrotts werden umweltgerecht eingesammelt und wiederverwertet. Dabei sind die Inhaltsstoffe, wie Gold, Silber, Kupfer oder seltene Erden, immens wertvoll und gleichzeitig Rohstoffe mit begrenzter Verfügbarkeit. Bisher lässt sich rund ein Viertel dieser enthaltenen Edelmetalle zurückgewinnen. Vor allem bei Kupfer, Gold und Silber sind die Verfahren gut ausgereift, die Rückgewinnungsquote liegt hier im besten Fall bei fast 80 Prozent.

Schwieriger wird es bei den seltenen Erden, dem wirtschaftlich interessantesten Bestandteil. Der Rohstoffbedarf an dieser Gruppe aus 17 Metallen ist immens. Diese werden für die Produktion von Smartphones, Tablets, Medizintechnik oder in Windrädern gebraucht. So selten, wie ihr Name andeutet, sind die Edelmetalle mit Reserven von rund 100 Millionen Tonnen gar nicht. Sogar in Deutschland gibt es Vorkommen.

Das größte Problem stellt der Abbau dar. Er ist nicht nur sehr kostenintensiv, sondern in der herkömmlichen Technik durch den Einsatz von Säuren sehr umweltschädlich. Abgebaut werden die Edelmetalle deshalb nur in China und Brasilien, also in Ländern, in denen Umwelt- und Arbeitsschutz eine eher untergeordnete Rolle spielt. Eine teilweise Rückgewinnung aus dem Elektroschrott wäre entsprechend sinnvoll. Entsprechende Verfahren stecken allerdings noch in den Kinderschuhen.

Gesellschaftliche Akzeptanz muss steigenAuch die Bereitschaft der Bürger, alte Elektrogeräte richtig zu entsorgen, ist ausbaufähig. Kaum fünf Prozent aller alten Handys kommen in den Recyclingkreislauf, bei anderen Geräten liegt die Quote etwas höher. Dabei ist das Entsorgen von Elektrogeräten nicht einmal kompliziert. Eine EU-Richtlinie verpflichtet Händler zur kostenlosen Rücknahme und fachgemäßen Entsorgung von kleinen Elektrogeräten.

Ein großes Problem bleibt dabei auch der Schmuggel von Elektroschrott: Nach Schätzungen des Europäischen Parlaments gelangen bis zu 40 Prozent unseres Elektroschrotts illegal in Entwicklungsländern, wo sie unter menschen- und umweltgefährdenden Bedingungen zerlegt werden. Eine billige wie ausbeuterische Lösung, denn selbst eine maschinelle Sortierung in Europa oder den USA ist derzeit kostenintensiver als die Müllcamps in Afrika und Asien.

Linktipp: DIe Ergebnisse der StEP-Studie haben die Forscher in einer interaktiven Karte visualisiert. Hier entlang.

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