Studie: Hälfte aller Städter atmet verpestete Luft

Studie: Hälfte aller Städter atmet verpestete Luft

von Jan Willmroth

In vielen Städten der Erde bedroht verschmutzte Luft die Gesundheit der Einwohner. 3,7 Millionen Tote pro Jahr sind die Folge.

Straßenverkehr, Industrieanlagen und Kraftwerke machen die Atemluft für einen Großteil der weltweiten Stadtbevölkerung zu einem immer größeren Gesundheitsrisiko. Das ist die alarmierende Botschaft einer neuen Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Luftqualität in 1600 Städten und 91 Ländern.

Rund die Hälfte aller Städter lebt demnach in Gebieten, in denen mindestens zweieinhalb Mal so viel Feinstaub in der Luft schwebt, wie von der Organisation empfohlen.

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Schlusslicht RuhrgebietIn der neuen Datenbank zur städtischen Luftqualität (hier als XLS) tauchen 500 Städte mehr auf als bei der vorigen Erhebung 2011 – für die WHO ein klares Zeichen, dass die Luftverschmutzung als Thema vielerorts wichtiger geworden ist. Doch in den meisten Städten ist die Luft heute noch schlimmer verpestet als damals – und vorerst ist keine Besserung in Sicht. Nur etwas mehr als ein Zehntel der betrachteten Stadtbewohner lebt in Gebieten, deren Umgebungsluft sie bedenkenlos einatmen können.

Auch deutsche Städte kommen nicht gut weg. Von 71 betrachteten Städten überschritten 50 die von der WHO empfohlenen Grenzwerte für Mikropartikel mit bis zu 10 Mikrometern Durchmesser (PM10). Bei den kleineren – und gefährlicheren –, nur bis zu 2,5 Mikrometern (PM2,5) großen Partikeln verfehlte sogar jede betrachtete deutsche Stadt im Jahresmittel die WHO-Empfehlungen von maximal 10 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft.

Schlusslichter sind der Erhebung zufolge Essen, Gelsenkirchen und Krefeld. Größte Stadt in den Top Zehn ist Berlin. Besonders gut ist die Luft in Göttingen, Freiburg und der Lüneburger Heide. Mitte April hatte auch das Umweltbundesamt (UBA) vor hoher Feinstaubbelastung in deutschen Städten gewarnt.

Schon vor einem Monat hatte sich angedeutet, dass die Grenzwerte an zahlreichen Messstellen in diesem Jahr nicht eingehalten werden können. Das UBA bescheinigte Berlin und Frankfurt (Oder) die schlechteste Luftqualität.

Die EU-Grenzwerte sind allerdings weniger streng als die der WHO – geht man nach ersteren, sind die deutschen Städte relativ sauber. Im weltweiten Vergleich sind sie es ohnehin: Am schlimmsten verpestet ist die Luft den Daten zufolge in Städten im östlichen Mittelmeerraum, Südostasien, Lateinamerika und Afrika.

Am unteren Ende der Skala steht Peschawar, Pakistan, mit dem 27-fachen des PM10-Grenzwerts, gefolgt von einer Reihe von Städten im Iran, Bahrain, Indien, Bangladesch und China.

„Zu viele Stadtzentren sind heute so voller dreckiger Luft, dass ihre Skylines unsichtbar sind“, sagte Flavia Bustreo, WHO-Direktorin für Familie, Kinder und Gesundheit von Frauen. Erst vor rund einem Monat hatte die UN-Organisation Zahlen veröffentlicht, wonach weltweit sieben Millionen Todesfälle vor dem 60. Lebensjahr pro Jahr auf Luftverschmutzung zurückzuführen sind – 4,3 Millionen davon durch verpestete Luft in Haushalten, 3,7 Millionen infolge verschmutzter Umgebungsluft.

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