Studie: Wer seinen Stromverbrauch kennt, wird zum Sparfuchs

Studie: Wer seinen Stromverbrauch kennt, wird zum Sparfuchs

von Patrick Schultz

Wie viel Strom verbrauchen Sie? Wem die Antwort schwer fällt, dem hilft eine neue Technik - die hunderte Euro spart.

Strom ist unsichtbar, lautlos - und macht uns so das Energie sparen schwer: Wo ein tropfender Wasserhahn sofort zugedreht wird, dürfen Elektrogeräte im Standby stundenlang Energie fressen.

Um Strom zu sparen, muss man ihn also erst einmal wahrnehmbar machen, so der Ansatz eines Teams vom Fraunhofer-Institut für angewandte Informationstechnik (FIT). Die Forscher übertrugen den Stromverbrauch live über den Fernseher ins Wohnzimmer - der Verbrauch sank bis zu 15 Prozent.

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Für ihre Studie "Cultivating Energy Literacy" schalteten die FIT-Forscher in sieben Häusern Stromzähler vor alle elektrischen Geräte. Die Zähler-Daten wurden an einen Rechner gefunkt, der den Verbrauch für jedes Gerät in Echtzeit als Kurve oder Diagramm darstellte. Über W-LAN  konnten die Bewohner dann auf dem Handy oder Fernseher den aktuellen Stromverbrauch jedes Gerätes verfolgen.

Am Ende der einjährigen Studie war der Stromverbrauch in den Familien um durchschnittlich 7,8 Prozent gesunken. Die Fraunhofer-Forscher beobachteten, dass die meisten Studienteilnehmer ihre Verbrauchsstatistik alle paar Tage gemeinsam vor dem Fernseher diskutierten.

Die Probanden sahen zum ersten Mal, wo und wann der Stromverbrauch im Haus in die Höhe ging. So entwickelten sie, was die Autoren der Studie "Energiekompetenz" nennen: Selbst jene, die vor der Studie nicht einmal die richtige Einheit für den Stromverbrauch nennen konnten, wussten wenige Monate später den Verbrauch ihrer Elektrogeräte in Watt und konnten die Spitzenkonsumzeiten der Familie nennen.

Energie-Wissen spart jährlich 150 EuroAnhand des neuen Wissens veränderten die Studienteilnehmer ihr Verhalten: Sie identifizierten Stromfresser, schalteten öfter ab und machten Standby-Geräte mit abschaltbaren Mehrfachsteckern unschädlich. Den Erfolg der Maßnahme konnten sie live über ihren Strom-Ticker verfolgen. Spitzenreiter beim Sparen war eine Familie, die ihren Verbrauch innerhalb des Jahres um 15 Prozent verringerte.

In Euro umgerechnet: Ein 3-Personen-Haushalt gibt im Durchschnitt jedes Jahr 997 Euro für Strom aus; eine Einsparung von 15 Prozent entspräche also etwa 150 Euro weniger auf der Stromrechnung. In Vorher-Nachher Interviews beteuerten viele Studienteilnehmer außerdem, von nun an etwa beim Staubsaugerkauf auf Energie-Effizienz zu achten.

Die technische Ausrüstung für die Testteilnehmer habe weniger als 1000 Euro pro Haushalt gekostet, so Studien-Autor Tobias Schwartz vom Fraunhofer-Institut. Eine Massenmarkt-taugliche Version des Testaufbaus sei aber deutlich billiger zu machen. Das Forschungsprojekt ist Teil des Programms SocialMedia NRW, das unter anderem vom Land Nordrhein-Westfalen und der EU gefördert wird.

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