Studie zu CO2-Emissionen: Ausgerechnet Klimaforscher fliegen zu viel

Studie zu CO2-Emissionen: Ausgerechnet Klimaforscher fliegen zu viel

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Eine Mitarbeiterin des Potsdamer Instituts für Klimaforschung ein erläutert Daten zur globalen Erwärmung. Konferenzen sind wichtig für den Austausch, aber vergrößern den CO2-Fußabdruck.

von Nora Marie Zaremba

Gerade Klimaforscher sollten sich über ihren CO2-Fußabdruck Gedanken machen - doch eine britische Studie zeigt, dass sie ziemlich viel reisen.

"Ich bin im letzten Jahr sicherlich 50 bis 60 mal geflogen. Dass ich das gerade in meiner Tätigkeit als Klimawissenschaftler tue, gibt mir ab und an sicherlich zu denken", sagt Paul Schumacher, der die Klimaschutzprojekte einer deutschen Organisation in Zentralasien betreut.

Mit ihren Reisen auf Konferenzen, Fortbildungen oder im Rahmen von Forschungsprojekten gehören Klima- und Umweltwissenschaftler zu jenen Berufsgruppen mit höchstem "carbon footprint", also mit einem hohen indirekten CO2-Ausstoß pro Person. Und das, obwohl die Mehrheit von ihnen regelmäßig Politik wie Öffentlichkeit die Gefahren des Klimawandels vor Augen führt.

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Zumindest verwirrend - höflich ausgedrückt - wirkt es da, wenn die Klimawissenschaftler selbst so klimaschädlich handeln. Immerhin ist der Flugverkehr Schätzungen zufolge für etwa zwei Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Beim Verbrennen von Kerosin entstehen außerdem Stickoxide.

Keine Limits für fliegende Wissenschaftler

Eine neue Studie untersucht die Einstellungen britischer Wissenschaftler zu ihrem Vielflieger-Verhalten. Allein die beruflichen Flüge zu Konferenzen, so schreiben es die Autoren, machen etwa fünf Prozent des gesamten britischen Flugverkehrs aus. Wie viele davon allerdings wiederum Klimawissenschaftler sind, wird nicht genannt. Keine einzige von den Autoren befragtes Institut limitiert das berufliche Fliegen seiner Mitarbeiter.

Als Gründe für die Vielfliegerei werden in der Studie die regelmäßigen Besuche auf Konferenzen genannt. Wissenschaftler müssten hier besonders präsent sein, um ihr Profil zu schärfen, heißt es. Auch wird das persönliche Netzwerken als einer der größten Vorteile genannt.

Gerade ein Klimawissenschaftler - so würde man annehmen - macht sich Gedanken über den eigenen CO2-Verbrauch. Ein solchen Zusammenhang haben die Autoren nicht feststellen können. Es kommt noch dicker: Selbst wer von sich aus behauptet, im Alltag viel für den Klimaschutz zu tun, reduziert deshalb nicht zwangsläufig seine Flüge. Somit ist ein Verzicht auf Flüge das am wenigsten beliebte Mittel zum Klimaschutz. Diese Erkenntnis lässt sich sicherlich auf die Allgemeinheit übertragen.

Mehr Gespräche über Skype

Welche Lösungen gibt es aber nun? Die Autoren empfehlen den Instituten, neue Arbeitsformen zu entwickeln und hier insbesondere die Möglichkeiten des Internets zu nutzen. "In Zukunft sollte verstärkt zugelassen sein, Vorträge an Tagungen per Skype zu halten", sagt auch Wissenschaftler Schumacher.

Am renommierten Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) wird immer wieder diskutiert, wie sich - mit Blick auf den Treibhausgasausstoß - die Zahl an Dienstreisen und insbesondere an Flugreisen vermindern lässt. Das PIK hat deshalb eine Anlage für Video-Konferenzen angeschafft, was laut Aussagen des Instituts einiges an Reisen erspart. Wie viel dadurch an Treibhausgasemissionen eingespart wird, lässt sich genau allerdings nicht quantifizieren. Derzeit gibt es deshalb das Projekt, den CO2-Fußabdruck der Flugdienstreisen zu erfassen, um ihn auf dieser Grundlage dann zu reduzieren.

Ein Wissenschaftler der ETH Zürich hat zudem einen Selbstversuch begonnen: Er will nicht mehr auf Konferenzen gehen. Inwiefern das seine Tätigkeit beeinträchtigt, wird er in einem Blog aufschreiben.

Nicht nur forschen, auch handeln

Ganz neu ist die Debatte um vielfliegende Wissenschaftler indes nicht: 2014 errechnete zeo2 - das Umweltmagazin der Tageszeitung - die Flugkilometer der großen Umweltverbände. Spitzenreiter war der WWF. Demnach legt jeder WWF-Mitarbeiter pro Jahr im Schnitt 7.200 Kilometer im Flugzeug zurück. Greenpeace landet mit 2.300 Kilometern auf Platz 4. Auf Platz 3 liegt die Deutsche Umwelthilfe (3.400 km), auf Platz 2 der Nabu (3.650 km).

Für die Erkenntnisse über den Klimawandel und seine Folgen ist die Klimaforschung wohl unerlässlich. Das persönliche Networking auf Konferenzen wird auch in Zukunft bestehen bleiben. Ob man jetzt allerdings für ein bis zwei Tage an das andere Ende der Welt fliegen muss, ist fraglich. Genauso hilft, innerhalb Deutschlands öfter den Zug zu nehmen. Denn sonst kommt die Botschaft mit dem Klimaschutz einfach nicht an.

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