Südafrika: Forscher erfinden die Wellblechhütte neu

Südafrika: Forscher erfinden die Wellblechhütte neu

von Jan Willmroth

Forscher aus Kapstadt werten Wellblechsiedlungen auf - mit kleinen Solarmodulen auf dem Dach der Hütten und allerlei nachhaltigen Ideen.

Südafrika ist ein Traumziel: Umgeben von zwei Ozeanen, Heimat von mehr als 20.000 Pflanzenarten und Nationalparks, die zu den schönsten der Erde gehören. Das erste, was Reisenden am Kap der guten Hoffnung auffällt, sind aber riesige Siedlungen aus notdürftig errichteten Wellblechhütten. Denn Südafrika hat eine der größten Verstädterungsraten der Erde - und ein enormes Wohnraumproblem.

Mehrere Tausend dieser Siedlungen sind als Überbleibsel der Apartheid rings um die großen Städte entstanden - mit Millionen von Hütten, die häufig illegal sind und einen offiziellen Stromanschluss vermissen. Weil der Staat die Nachfrage nach günstigem Wohnraum nicht mehr auffangen kann (oder will) , ist inzwischen klar: Die Siedlungen werden bleiben. Und vielen gelten die provisorischen Buden inzwischen als zu Hause.

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Eine Gruppe südafrikanischer Forscher des TsamaHub-Zemtrums an der Stellenbosch-Universität in Kapstadt hat deshalb ein Konzept entwickelt, um das Wohnen in den Wellblechdörfern erträglicher zu machen: Das so genannte "iShack" (engl. Shack = Hütte) ist mit Materialien wie Erde, Pappkartons und leeren Tetrapacks gedämmt, hat ein schräges Dach mit Regenrinne und einen Fußboden aus alten Ziegelsteinen. Ein kleines Photovoltaik-Modul auf dem Dach liefert genügend Strom für drei Lampen, ein Handy-Ladegerät und einen Alarm mit Bewegungsmelder. Geplant ist auch eine Terrasse aus recycelten Reifen und ein kleines Gemüsebeet.

"Der Wohnungsnotstand wächst. Und die Regierung kann nicht für jeden Häuser bereitstellen", sagte Projektkoordinator Berry Wessels der New York Times. Startpunkt für die ersten "iShacks" war in diesem Jahr die Siedlung Enkanini bei Kapstadt. Dort gibt es weniger als 40 Wasserhähne und 60 Toiletten - für rund 8000 Siedler. Derzeit wohnt dort eine Mutter mit ihren drei Kindern in einem Prototyp des "iShacks". Die Siedlungsgemeinschaft hatte sie bestimmt, weil ihr Haus bei Regen immer unter Wasser stand.

"Das iShack-Projekt zeigt, was organisierte Gemeinschaften in kurzer Zeit erreichen können", sagt Mark Swilling, Projektleiter des TsamaHubs, als Reaktion auf staatliche Pläne, die Siedlungen aufzuwerten. Es dauere Jahre, bis die Siedlungen an Strom- und Wasserversorgung angeschlossen würde. "Was sollen die Siedler in der Zwischenzeit machen? Einfach warten?", fragt er.

Die Finanzierung des Projekts ist vorerst gesichert: Kürzlich hat die Bill & Melinda Gates-Stiftung eine Anschubfinanzierung zugesagt. In den kommenden zwei Jahren sollen in Enkanini zwischen 40 und 100 Hütten gebaut oder aufgewertet werden.

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