Supersturm Xaver: Die fünf wichtigsten Fragen zum Orkan

Supersturm Xaver: Die fünf wichtigsten Fragen zum Orkan

von Birk Grüling

Mit Orkan Xaver drohen Verwüstungen in Deutschland. Wegen des Klimawandels könnten solche Stürme künftig noch heftiger ausfallen.

Der Norden bereitet sich auf den Orkan Xaver vor. In großen Teilen von Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein entfällt die Schule. Die Deutsche Bahn warnt für den Nachmittag vor Zugausfällen und die Feuerwehren verstärken ihre Einsatzzentralen und Bereitschaften. Selbst Weihnachtsmärkte und Abendveranstaltungen wurden schon abgesagt. Den Glühwein sollte man heute Abend wohl lieber zuhause trinken.

„Wir rechnen damit, dass ab Donnerstag Mittag der Wind zunächst über der südlichen Nordsee kräftig zunehmen wird“, sagt Meteorologe Bernhard Mühr vom Karlsruher Institut für Technologie. „Im Laufe des Nachmittags und in der Nacht zu Freitag werden dann auch die Ostsee und das Norddeutsche Tiefland von dem Orkan betroffen sein.“ Orkan, das bedeutet, der Sturm hat mindestens Windstärke 12 auf der Beaufort-Skala. Das entspricht Windgeschwindigkeiten von 120 Stundenkilometer und mehr. An den Küsten warnt der Deutsche Wetterdienst bereits vor Spitzengeschwindigkeiten von 160 Kilometer pro Stunde, vereinzelt könnten sogar 200 km/h erreicht werden.

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Wir klären die fünf wichtigsten Fragen zum Supersturm:

Woher kommt Xaver?Xaver hat sich bereits am Mittwochnachmittag in der Nähe von Grönland gebildet. Warme Luftmassen aus dem Süden trafen dort auf kalte Polarluft. Durch den örtlichen Westwind wurden diese Luftmassen in Schwung gebracht. So verstärkte sich das Tiefdruckgebiet und nimmt seither Kurs auf das europäische Festland. In den nächsten Stunden wird der Sturm erst Norwegen und dann die Ausläufer der deutschen Nordseeküste erreichen. In der Nacht zum Freitag zieht Xaver in Richtung Ostsee weiter. Auch im restlichen Teil von Deutschland kommt es in dieser Zeit zu starken Böen.

Droht eine Sturmflut?„Wind und Gezeiten werden ab Donnerstagabend für Hochstände bei den Wasserpegeln und eventuell eine Sturmflut sorgen“, erklärt Michael Kunz, stellvertretender Sprecher von CEDIM, einer Gemeinschaftseinrichtung des Karlsruher Instituts für Technologie KIT und dem Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ in Potsdam. Besonders der Wind von Nordwesten sorgt für Sturmflutgefahr. Der Orkan drückt zusätzliches Wasser in Richtung Land und verhindert so das vollständige Abfließen der Ebbe. Das lässt die Wasserstände stark ansteigen, sowohl an der Küste als auch in Hamburg und Bremen. Derzeit geht man in Hamburg von mindestens 2,6 Metern über dem mittleren Hochwasser aus. Die Deiche der Stadt sind allerdings erst ab 3,5 Metern wirklich in Gefahr.

Ist Xaver eine Folge des Klimawandels?Diese Frage ist nur schwer zu beantworten. Laut dem Helmholtz-Zentrum für Material- und Küstenforschung in Geesthacht gibt es heute in Norddeutschland zwar im Vergleich zu den 50er Jahren etwa drei bis vier zusätzliche Sturmtage. Jedoch seien diese nicht auf die Folgen menschengemachter Treibhausgasemissionen zurückzuführen, sondern natürlichen Schwankungen zu zuordnen. In Norddeutschland gibt es pro Jahr rund 23 Sturmtage mit mehr als 8 Windstärken.

Wie stürmisch wird die Zukunft?Hier fallen die Prognosen aus Geesthacht schon deutlicher aus. Bis Ende des Jahrhunderts wird die jährliche Sturmhäufigkeit im Norden um bis 20 Prozent steigen, vor allem bedingt durch den Ausstoß von Treibhausgasen und damit den Klimawandel. Das veränderte Weltklima sorgt nicht nur für mehr, sondern auch stärkere Stürme. Die Windgeschwindigkeiten könnten sich bis zum Ende des Jahrhunderts um bis zu 13 Prozent steigern.

Was bedeutet das für die Sturmfluten?Die Stürme werden stärker und der Meeresspiegel steigt bis Ende des 21.Jahrhunderts. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Sturmfluten an der Nordsee. Experten rechnen mit einem Anstieg der Pegelstände zwischen 30 bis 110 Zentimeter. Damit wäre der heutige Küstenschutz bei einem vergleichbaren Sturm wie Xaver nicht mehr wirksam genug.

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