Technik: Umweltpreis für Schwaben, die Regen in Trinkwasser umwandeln

Technik: Umweltpreis für Schwaben, die Regen in Trinkwasser umwandeln

von Felix Ehrenfried

Das schwäbische Unternehmen 3P reinigt Regenwasser auf Parkplätzen - nun soll ihre Technik Trinkwasser liefern.

WiWo Green ist in diesem Jahr Medienpartner der GreenTec Awards, Europas größtem Preis für grüne Technologien, Initiativen und Unternehmen. Jetzt steht der Gewinner des Awards 2013 in der Kategorie Recycling fest: Die 3P GmbH aus dem schwäbischen Donzdorf. Was die Recyclingexperten so besonders macht und was ihre Innovation bewirkt, lesen sie hier:

Das Geheimnis von 3P versteckt sich in einer dunkelblauen Tonne mit der Aufschrift "Grob". Darin liegen tausende, beigefarbene Kugeln von der Größe einer Erbse. "Diese Kugel", sagt Carsten Dierkes und holt eines der runden Dinger hervor, "hat eine Oberfläche von mehr als 400 Quadratmetern." Dierkes leitet die Abteilung Forschung und Entwicklung bei 3P und hat das sogenannte Hydrosystem entwickelt, in dem die Kugeln stecken.

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Zunächst einmal klingt die Aufgabe des Hydrosystems wenig spaktakulär: Es reinigt Regenwasser, sodass es ins Grundwasser geleitet werden darf. In Deutschland muss Regenwasser, das auf verunreinigte Flächen fällt, zunächst gesäubert werden. Das gilt für Kupferdächer, aber auch für Straßen und Parkplätze. Wird es nicht direkt an Ort und Stelle gereinigt, fließt das Wasser in zentrale Kläranlagen, die es säubern.

Der Grund für die peniblen Vorgaben verwundert nicht: Denn die Erdoberfläche ist häufig stark verschmutzt. So befinden sich auf Straßen Ölspuren, Ablagerungen von Feinstaub aus den Auspuffen oder aber feinste Partikel, die durch den Abrieb der Reifen entstehen. Im Trinkwasser hat so etwas niemand gern.

Erbsengroße Kugel mit 400qm Oberfläche

"Alle machen sich über den Feinstaub in der Luft sorgen. Wohin der aber geht, wenn er sich auf dem Boden absetzt, darüber denken nur wenige nach", erklärt Dierkes. Die Anlagen von 3P sorgen dafür, dass Schadstoffe wie Feinstaub und Schwermetalle nicht ins Grundwasser gelangen und später eventuell auch unser Trinkwasser belasteten.

Möglich machen das die Kugeln, auf die die Experten von 3P so stolz sind. Wie der Stoff heißt und woher er kommt, aus dem die runden Reiniger bestehen, will Dierkes nicht verraten.

Nur so viel: "Die Kugeln besitzen aufgrund ihrer extrem porösen Struktur eine riesige Oberfläche und können so enorm viele Schadstoffe aufnehmen."

Und so funktioniert die Reinigung: Das Regenwasser fließt von Dachflächen, Parkplätzen oder Straßen in das Hydrosystem, das sich häufig direkt unter Kanaldeckeln versteckt. Ist das Wasser im System angekommen, sorgen neben dem Kugelfilter weitere Reinigungsverfahren dafür, dass am Ende sauberes, unbelastetes Regenwasser heraus kommt.

Das lässt sich dann in Biotope einleiten oder versickert einfach auf Freiflächen. Was zurück bleibt, ist hochkonzentrierter Klärschlamm und die mit Schadstoffen vollgesaugten Kugeln.

Der Klärschlamm muss entsorgt werden, die Kugeln werden ausgetauscht. "Das funktioniert ähnlich wie bei Gaskartuschen für Sprudelmaschinen", vergleicht Dierkes.

Durch ein Kartuschenprinzip fällt nur wenig Abfall anDie belastete Kartusche schicken die Kunden ins schwäbische Donzdorf zurück, wo 3P die Kugeln und Behälter reinigt und für den nächsten Einsatz aufbereitet. "Es entsteht also wenig Abfall", sagt Dierkes. Die Kugeln können so viele Schadstoffe aufnehmen, dass sie nur einmal im Jahr getauscht werden müssen.

Das Hydrosystem funktioniert dezentral, kann also je nach Bedarf an unterschiedlichen Orten eingesetzt werden. Ein weiterer Vorteil: Mit einem Startpreis von 900 Euro für eine Anlage ist es verhältnismäßig günstig.

Das System ist seit 2007 in Betrieb und sorgt unter anderem am Deutschen Theater in München oder am Zürichsee für sauberes Regenwasser.

Die prominenten Einsatzorte zeigen: Das System von 3P funktioniert und ist effektiv. Das ist auch der Hauptgrund, warum die Jury der GreenTec Awards unter dem Vorsitz des Bundesverbandes der deutschen Entsorgungs-,Wasser-und Rohtstoffwirtschaft (BDE) 3P zum Sieger in der Kategorie Recycling kürte. "Das System ist innovativ, macht wirtschaftlich Sinn und hat positive ökologische Effekte", lobte BDE-Präsident Peter Kurth bei der Preisübergabe.

Am Zürichsee wird auf schwäbische Technik gesetztDerzeit dürften es in ganz Deutschland schon mehrere Millionen Liter Regenwasser sein, die durch die Kugelreinigung der Schwaben gehen. "Man kann davon ausgehen, dass bei einer Fläche von 500 Quadratmetern jährlich im Durchschnitt rund 370 000 Liter Regenwasser anfallen", schätzt Dierkes. Alleine das Deutsche Theater kommt auf eine Dachfläche von rund 2500 Quadratmetern.

Gefertigt werden die einzelnen Komponenten bei Partnerunternehmen in ganz Deutschland. Am Firmensitz in Donzdorf bauen sie rund 20 Mitarbeiter zusammen. Drei Mitarbeiter beschäftigt 3P außerdem in Portugal, Brasilien und Australien. Bisher macht die Regenwasserreinigung gut 20 Prozent des Unternehmensumsatzes von jährlich rund sechs Millionen Euro aus. Den Rest erwirtschaften die Donzdorfer mit Regentonnen und mechanischen Regenwasserfiltern, die beispielsweise Hauszisternen von Blättern und Geröll frei halten.

Künftig will 3P mit seiner Technik noch stärker im Ausland expandieren. "Gerade in Regionen mit Wasserarmut ist unser System eine Möglichkeit dieser zu begegnen", sagt Dierkes. Für die Zukunft hat er also noch Großes vor.

Denn während aktuell das Wasser gereinigt wir dund versickert, soll das Hydrosystem in Zukunft aus Regenwasser gleich Trinkwasser machen. Ein erstes Projekt gibt es auch schon: Derzeit nutzen die Betreiber einer abgelegenen Berghütte das System. "Dort", sagt Dierkes, "können Sie jetzt Regenwasserkaffee trinken."

Hier noch ein Video des Unternehmens, das einfach erklärt, wie die Technik funktioniert:



Verbesserung: Der Umsatz von 3P liegt nicht bei vier Millionen Euro, wie in einer früheren Version des Artikels stand, sondern bei sechs Millionen.

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