Testanbau: Genmanipulierte Kartoffeln zurück in Europa

Testanbau: Genmanipulierte Kartoffeln zurück in Europa

von Wolfgang Kempkens

Bisher gelangen genveränderte Nahrungsmittel nur durch Importe in die EU. Jetzt werden sie auch wieder in Europa angebaut.

Amflora ist Geschichte. Die Genkartoffel mit dem lyrischen Namen darf seit 2014 in Europa nicht mehr angebaut werden. Das entschied der Europäische Gerichtshof. Die Europäische Kommission, die den versuchsweisen Anbau genehmigt hatte, habe gegen die Verfahrenspflichten verstoßen, lautete das Urteil damals.

Der Ludwigshafener Chemiegigant BASF, der die Kartoffel entwickelt hatte, verlegte seine Kartoffelaktivitäten in die USA. Seitdem ist Europa genkartoffelfrei.

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Schutz vor KrankheitserregernDas hat sich jetzt geändert. Das Schweizer Bundesamt für Umweltschutz (Bafu) hat jetzt die Genehmigung erteilt, genmanipulierte Kartoffeln auf einem Versuchsacker in der Nähe von Zürich anzubauen. Amflora bleibt allerdings außen vor.

Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Agrarökologie und Landbau in Zürich-Reckenholz, abgekürzt Agroscope, hat sich für eine Kartoffel-Entwicklung der niederländischen Universität Wageningen entschieden. Derzeit werden die Kartoffeln auf dem Gelände der Versuchsanstalt gesetzt.

Sowohl Amflora als auch die insgesamt acht niederländischen Varianten sind mit Genen ausgestattet, die die Forscher Wildkartoffeln entnahmen und die Kreuzung aus einer Chips- und einer Speisesorte einsetzten. Die Gene sollen die Pflanze vor einem Krankheitserreger namens Phytophthora infestans schützen, der die auch in der Schweiz grassierende Kraut- und Knollenfäule auslöst.

Es existiert eine ganze Familie dieses Schädlings, der sich immer neu erfindet, wenn die Menschen ein Gegenmittel gefunden haben. Weltweit gehen, so schreibt das Online-Portal „Naturwissenschaften Schweiz“, rund 20 Prozent der Ernten wegen des Schädlings verloren.

Kommerzieller Anbau ab 2017 möglichIn der Schweiz liegt die Zahl allerdings deutlich darunter, weil die Kartoffelbauern große Mengen an Pflanzenschutzmitteln einsetzen, darunter Kupfer. Der genmanipulierten Kartoffel, so die Erwartung, können die Erreger nichts mehr anhaben.

Auch wenn der Versuch erfolgreich verläuft: Erst 2017 läuft in der Schweiz ein Moratorium aus, das den kommerziellen Anbau von genmanipulierten Pflanzen verbietet. Erst dann könnte die Kartoffel großflächig wachsen.

Das Bafu genehmigte den Versuchsanbau nur mit strengen Auflagen. Zäune und Vogelnetze verhindern, dass Tiere mit den manipulierten Pflanzen in Berührung kommen. Rund um das Versuchsfeld müssen Pflanzen ausgesät werden, die naturbelassen sind. Außerdem muss Agroscope einen Notfallplan ausarbeiten.

Die Kartoffel aus Wageningen ist per Cisgenese manipuliert worden. Darunter verstehen Biologen die Übernahme von Genen aus verwandten Pflanzen, die auch durch herkömmliche Kreuzung "transportiert" werden können (allerdings werden dadurch auch unerwünschte Eigenschaften übertragen). Bei einer Transgenese werden artfremde Gene eingeschleust, etwa eines des Bakteriums Bacillus thuringiensis. Damit ausgestatteter Mais bekämpft zum Beispiel äußerst effektiv seinen Hauptfeind, den Maiszünsler

Importe von 26 Gensorten in die EUSobald dieser anfängt, von der Pflanze zu naschen, produziert das fremde Gen einen Giftstoff, der den Maiszünsler tötet oder zumindest dazu veranlasst, von der Pflanze abzulassen. Derart manipulierter Mais wird in großen Mengen außerhalb Europas angebaut.

Anhänger der genetischen Manipulation von Pflanzen begründen ihre Meinung mit der Einsparung von potenziell umweltgefährdenden Pflanzenschutzmitteln, die beispielsweise Honigbienen schwer zu schaffen machen.

Gegner wiederum weisen unter anderem darauf hin, dass die Schädlinge gegen die Pflanzenabwehr imun werden und dann nur noch mehr Pestizide eingesetzt werden müssten.

Generell scheint sich der Wind in Europa in Bezug auf genmanipulierte Pflanzen zu drehen. Erst kürzlich genehmigte die EU die Einfuhr von 19 Genpflanzen, die jetzt als Futtermittel und in Lebensmitteln eingesetzt werden dürfen. Dabei handelt es sich unter anderem um verschiedene Sorten Mais, Sojabohnen, Raps und Baumwolle. Sieben Pflanzen waren von der EU schon für Importe zugelassen.

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