The Ocean Cleanup: Dieser Student will die Weltmeere vom Plastikmüll befreien

The Ocean Cleanup: Dieser Student will die Weltmeere vom Plastikmüll befreien

von Tobias Finger

Der 19-jährige Boyan Slat zeigt in einer Studie, wie er die Ozeane säubern will. Die dafür nötige Technik will er jetzt testen.

Boyan Slat ist erst 19 Jahre alt und trotzdem ist der niederländische Student bereits weltweit bekannt, oder sollte es zumindest sein. Maßgeblich verantwortlich dafür ist sein Projekt „The Ocean Cleanup“. Dessen Ziel ist es, die Weltmeere vom Plastikabfall zu befreien – ein überaus ambitioniertes Vorhaben, wenn man bedenkt, dass nach Schätzungen des Umweltprogramms der Vereinten Nationen jedes Jahr 6,4 Millionen Tonnen Müll in den Ozeanen landen.

Funktionieren soll das durch riesige Filteranlagen, die The Ocean Cleanup an ganz bestimmten Stellen in Atlantik, Pazifik und dem indischen Ozean installieren möchte. Dabei sollen die am Meeresboden fixierten Plattformen mit ihren riesigen Auslegern, die als gewaltige Fangarme fungieren, von den Strömungen in den riesigen Gewässern profitieren.

Anzeige

Erstes Crowdfunding für die MachbarkeitsstudieDiese verlaufen kreisförmig, was den im Wasser treibenden Müll in die ausgebreiteten Arme der Filteranlagen hineintreibt. Als Slat mit seinem Projekt, das seine Anfänge in einer gemeinsamen Idee mit einem Schulfreund hat, an die Öffentlichkeit ging, bekam er vor allem in den sozialen Netzwerken enorme Unterstützung – Experten taten sein Projekt dagegen als Träumerei und wirkungslos ab.

Im April 2013 startete er daraufhin auf der Crowdfunding-Plattform indiegogo eine Spendenaktion, mit dem Ziel, 80.000 US-Dollar für eine Machbarkeitsstudie zu sammeln.

Als die Kampagne eine Minute vor Mitternacht am 5. Mai des letzten Jahres auslief, war das Ziel mit 89.518 US-Dollar sogar übertroffen worden. Innerhalb eines Jahres prüften Slat und seine Mitstreiter ihr System auf nahezu jedes von den Kritikern angesprochene Problem: von der maritimen Gesetzgebung, über Technikfragen und Umweltverträglichkeit bis hin zum Recycling des gesammelten Plastiks. Zu diesem Zweck testeten die Abfallkrieger auch einige Prototypen.

Kritik aus Fachkreisen wird widerlegtVor einigen Wochen wurden die Ergebnisse der Studie veröffentlicht. Sie zeigen, laut Bojan Slat: Keines der Probleme ist unlösbar.

Ein Argument, das Kritikern anführen: Das Plastik treibt zu tief im Meer, um es einfach von der Oberfläche „abschöpfen“ zu können. Nach der Messung der vertikalen Verteilung des Plastiks an den betreffenden Stellen stellte das Team von The Ocean Cleanup fest, dass sich der aller größte Teil des treibenden Plastiks in den oberen drei Metern des Wassers befindet.

Erste Tests mit 40 Meter BarriereEin anderer Kritikpunkt war die Belastbarkeit der Fangarme im Fall eines Sturms. Nach der Analyse von Computersimulationen und weiteren Tests auf dem Meer entwickelte Slat ein System von Barrieren, dass 95 Prozent aller Stürme überstehen soll. Falls die Wellen dann doch zu groß werden, können die Fangarme auf der Oberfläche von der fest installierten Plattform abgekoppelt werden. Dadurch treiben sie als Ganzes weiter auf dem Wasser und lassen sich später „einfangen“.

Nach ersten Computersimulationen der Strömung, die die Funktionsweise der schwimmenden Barrieren in der Theorie bestätigten, musste sich das Gesamtsystem aber erst noch in der Praxis beweisen. Dazu konstruierten die Ingenieuere von The Ocean Cleanup eine 40 Meter lange Testbarriere für den Plastikmüll, die sie anschließend nahe der Azoren im Atlantik aussetzten. Und siehe da: Die theoretischen Ergebnisse wurden auch in der Praxis bestätigt.

Umweltverträglich auch durch SolarenergieDie Ergebnisse bestätigen auch die Umweltverträglichkeit des Systems. Da keine Netze verwendet werden, kommt es von vorneherein zu keinem Beifang. Fische und Säugetiere können unter der schwimmenden Barriere hinwegtauchen, Plankton wird zum allergrößten Teil von der Strömung unter dem Filter durchgetrieben. Auch wenn alles Plankton, dass auf die Barrieren trifft, beschädigt werden würde, bräuchte es laut der Machbarkeitsstudie nur sieben Sekunden pro Jahr, um die Biomasse wieder herzustellen.

Schließlich gilt es noch, wie bei jeder großen, technologischen und energieintensiven Anlage, die CO2-Bilanz zu beachten. Laut der Studie liegt diese nicht höher als die einiger hundert Autos im Alltagsbetrieb. Die Plattformen werden dafür mit jeweils 162 Solarpanels ausgestattet, die als Hauptstromquelle der Anlage dienen.

Verwendung für den gesammelten PlastikmüllDoch was soll mit dem Plastik passieren, das sich an den Anlagen ansammelt? Bei den Tests sammelte das Team um Slat etwa eine halbe Tonne Plastik von den Küsten Hawaiis und testete, was damit gemacht werden kann.

Zum einen kann Plastikabfall in seine Ursprungsform, also Rohöl, zurückgeführt werden. Zum anderen, und das dient als kleines Recycling-Beispiel, lässt sich auch das Cover der physischen Ausgabe der Machbarkeitsstudie aus ebendiesem Plastikabfall herstellen. Vielleicht könnte The Ocean Cleanup auch mit dem kanadischen Startup Plastic Bank kooperieren, das Plastikmüll aus dem Meer als Rohstoff für 3D-Druck nutzen will.

Erneutes Crowdfunding für die erste AnlageDie Ergebnisse der Studie beweisen also: The Ocean Cleanup ist machbar und kann funktionieren. Zur endgültigen Realisierung seiner faszinierenden Idee fehlt es Slat und dem Team, das er mittlerweile versammelt hat, aber vor allem an einem: Geld. Viel Geld.

Als nächstes soll ein voll funktionsfähiger erster Prototyp des The Ocean Cleanup gebaut werden. Zu diesem Zweck wurde auf der Website des Projekts eine neue Crowdfunding-Kampagne gestartet, mit der innerhalb von 100 Tagen ganze zwei Millionen US-Dollar zusammenkommen sollen.

Dass das Grundproblem des Meeresmülls nur dadurch gelöst werden kann, dass die Plastikproduktion und der -verbrauch verringert werden, ist Boyan Slat nach eigener Aussage auch klar. Dadurch wird aber bereits in den Meeren schwimmendes Plastik nicht aus dem Verkehr gezogen.

Für das Problem, das Vielen als unlösbar galt, stellt The Ocean Cleanup einen neuen Lösungsvorschlag dar. Einen, der zurecht kritisiert wurde und bei dem fragen muss, ob Aufwand und Wirtschaftlichkeit im rechten Verhältnis zueinander stehen. Dennoch darf man in The Ocean Cleanup genauso und berechtigter Weise viele Hoffnungen setzen. Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie jedenfalls dürfte viele Kritiker verstummen lassen.

Die gesamten 528 Seiten der Studie gibt es hier, die 16-seitige Zusammenfassung ist hier zu finden. Die Vorstellung der Machbarkeitsstudie von Boyan Slat gibt es für alle Interessierten auf YouTube zu sehen:

http://youtu.be/QpDxE8BhPSM

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%