Tierschmuggel: Das miese Geschäft mit bedrohten Arten

Tierschmuggel: Das miese Geschäft mit bedrohten Arten

von Lisa Hegemann

Tierschmuggel mit geschützten Arten wie dem Schuppentier ist immer noch an der Tagesordnung. Aktivisten fordern nun ein klares Verbot der Politik.

Das Schuppentier fällt mit seinem ungewöhnlichen Aussehen schnell auf: Mit seinem langen Schwanz, seinem gebeugten Gang und den riesigen Schuppen erinnert es ein wenig an einen gepanzerten Stegosaurus. Leider ist die Art genau wegen des Körperteils, nach dem sie benannt wurde, bedroht: In der chinesischen Medizin gelten die Schuppen der Tiere beispielsweise als heilsame Kräfte, das Fleisch der Exoten wird als Delikatesse verkauft. Seit 2014 stehen deshalb alle acht Arten auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere.

Tierschmuggler stören sich an solchen Details allerdings nicht. Der illegale Handel mit den Schuppen brummt: Allein im vergangenen Jahrzehnt sollen eine Million Tiere illegal gejagt und verkauft worden sein. Im April 2015 beschlagnahmten Behörden 96 lebende Schuppentiere, fünf Tonnen gefrorenes Fleisch und 100 Kilogramm Schuppen in Indonesien, wie die „Environmental Investigation Agency“ berichtet. Im November fand man 2500 Schuppentier-Kadaver im chinesischen Jiangmen. Die Agentur zeichnet solche Fälle in einer Karte auf, um auf den Missstand aufmerksam zu machen.

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Hamm, der Hotspot des illegalen ReptilienhandelsDie Beispiele zeigen nur einen kleinen Teil des Problems. Denn Tierschmuggel begrenzt sich nicht auf asiatische Gebiete – und auch nicht auf Schuppentiere. Auch hierzulande versuchen Händler, illegal Geld mit bedrohten Arten zu machen. Mitte Dezember rettete der Zoll 130 vom Aussterben bedrohte Reptilien und Amphibien in Hamm. Eine ukrainische Firma hatte den Fahndern zufolge Chamäleons, Geckos, Unken, Salamander und Schildkröten nach Deutschland geschmuggelt, um sie hier zu verkaufen. Der Wert: gut 30.000 Euro. Die Tiere seien alle im Bundesnaturschutzgesetz gelistet und gälten als „besonders bedrohte Spezies“, schrieb der Zoll später in einer Pressemitteilung.

Als kurz darauf im Rahmen der Reptilienbörse „Terraristika“ zwei Frachtkisten mit toten Schlangen und Echsen im Kanal schwammen, schlug die Tierschutzorganisation „Pro Wildlife“ Alarm. „Hamm hat sich zu einer internationalen Drehscheibe des kommerziellen Reptilienhandels entwickelt: legal und illegal – und die Politik schaut seit Jahren zu“, kritisiert die Biologin Sandra Altherr, die für die Organisation arbeitet.

Die Politik hat das Problem des Tierschmuggels erkannt, reagiert hat sie bisher aber vor allem in der Theroie. Im Koalitionsvertrag hat sich die Bundesregierung darauf geeinigt, „gewerbliche Tierbörsen für exotische Tiere zu untersagen“. Passiert ist aber bislang wenig.

„Immer noch nichts passiert“Die Grünen haben im August 2015 eine Kleine Anfrage gestellt, wann das Vorhaben umgesetzt werden soll, doch auch die Antworten darauf bleiben vage. Die Regierenden selbst sehen das naturgemäß anders. „Die Bundesregierung hat im Rahmen der letzten umfassenden Änderung des Tierschutzgesetzes bereits die tierschutzrechtlichen Anforderungen an die Durchführung von Tierbörsen verschärft“, heißt es darin. So müssen Teilnehmer inzwischen ihre „Sachkunde“ vorweisen.

Auch beim Thema Tierschmuggel sehen sich CDU, CSU und SPD auf einem guten Weg. So habe man viele Initiativen unterstützt, um die Wilderei beim afrikanischen Elefanten und Nashorn einzudämmen, heißt es in der Antwort. Bei der UN-Versammlung im Juli habe man zudem auf Initiatve Deutschlands und Gabuns hin eine „Resolution gegen Wilderei und Wildtierschmuggel“ verabschiedet. Aktivistin Altherr ist das nicht genug: „Nach zwei Jahren ist noch immer nichts passiert“, kritisiert die Pro-Wildlife-Aktivistin.

Ähnlich sieht es auch in der Europäischen Union aus. Zwar hat sie einen Aktionsplan gegen illegalen Wildtierhandel versprochen, aber die Ergebnisse sind mau. Im Dezember schlossen sich schließlich 156 Wissenschaftler und Naturschutzexperten zusammen und wandten sich mit einem Brief an Umweltkommissar Karmenu Vella. Darin fordern sie unter anderem, auch Arten in den geplanten Aktionsplan der EU aufzunehmen, die nur in ihrem Herkunftsland geschützt sind. Zudem solle Vella den illegalen Handel stärker bekämpfen.

Deutschland allein auf weiter Flur„Die unterzeichnenden Wissenschaftler fordern Sie höflich auf, ein Gesetz zu verabschieden, das den Import, Verkauf, Kauf und Re-Export von Exemplaren, die unter Verstoß gegen nationales Recht im Herkunftsland gefangen und exportiert wurden, auch in der EU unter Strafe stellt“, heißt es in dem Schreiben. Ein Zuwiderhandeln solle unter Strafe gestellt werden. Als Vorbild gelten hier die USA: Dort gilt bereits seit 1900 der „Lacey Act“, der es untersagt, Tiere in den Vereinigten Staaten zu verkaufen, die in anderen Ländern als geschützt gelten.

Genau auf diesen Beschluss stützt sich auch die Bundesregierung. Man setzte sich nach dem Vorbild des „Lacey Acts“ für „Einfuhrbeschränkungen in die Union auch bei solchen Arten ein, die nicht in die Anhänge I oder II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) aufgenommen worden sind, aber im Ursprungsstaat Ausfuhrverboten aus Gründen des Artenschutzes unterliegen“. Man werde aber bisher von keinem anderen Mitgliedsstaat in der EU unterstützt.

Studien zufolge hat sich die Zahl der Schuppentiere in China übrigens um 94 Prozent reduziert.

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