Todesursache Smog: Warum schlechte Luft so gefährlich ist

Todesursache Smog: Warum schlechte Luft so gefährlich ist

von Wolfgang Kempkens

An den Folgen von Smog sterben jährlich 3,3 Millionen Menschen. Überraschend: Dafür sind weder Verkehrsemissionen noch die Industrie hauptverantwortlich.

Weltweit sterben jährlich 3,3 Millionen Menschen an den Folgen von hohen Ozon- und Feinstaubkonzentrationen in der Atemluft. Allein in China sind es 1,4 Millionen, in Indien 650.000. Mit 35.000 sind es in Deutschland vergleichsweise wenige. Das sind Ergebnisse von Modellrechnungen eines internationalen Teams um Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie (MPIC) in Mainz.

Die Prognosen für die Zukunft sehen noch düsterer aus. Bis 2050 könnte sich die Zahl der Todesfälle durch Smog verdoppeln, wenn der Anstieg der Luftverschmutzung vor allem in Südostasien und Indien nicht gestoppt wird.

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„Häusliche Kleinfeuer“ hauptverantwortlich für TodesfälleMPIC-Direktor Johannes Lelieveld und seine Mitarbeiter waren überrascht, als sie den Ursachen auf die Spur kamen. Nicht der Straßenverkehr ist Hauptverursacher, auch nicht die Industrie einschließlich Kraftwerksbetreiber, sondern „häusliche Kleinfeuer“.

Darunter verstehen die Forscher Dieselgeneratoren zur Stromversorgung kleiner Ansiedlungen, die keinen Rußfilter haben, vor allem aber offene Feuer, an denen sich die Menschen wärmen und auf denen sie kochen. Das ist vor allem in Asien weit verbreitet, ebenso in Afrika. Dort fällt es offenbar weniger ins Gewicht.

Knapp drei Viertel der Todesfälle aufgrund von Luftverunreinigung sind auf Schlaganfälle und Herzinfarkte zurückzuführen, 27 Prozent auf Atemwegserkrankungen und Lungenkrebs, so das Ergebnis der Modellrechnungen. Das ätzende Ozon ist verantwortlich vor allem für Atemwegserkrankungen wie chronischen Husten und Atemnot.

Feinstaub dringt in die Lunge einFeinstaub mit einer Partikelgröße von 2,5 Tausendstel Millimetern verursacht Lungenkrebs und Kreislauferkrankungen. Die winzigen Teilchen dringen tief in die Lunge ein. Es gibt laut MPIC Hinweise darauf, dass sie dort zur Bildung von Ablagerungen beitragen und dadurch das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen. Bislang ist unklar, ob verschiedene Sorten von Feinstaubpartikeln – etwa Ruß, Sulfate, organische Stoffe oder mineralische Staubteilchen – unterschiedlich giftig sind.

In Europa, Russland, der Türkei, Japan und im Osten der USA ist überraschenderweise die Landwirtschaft eine wesentliche Ursache für Smog. Ammoniak, das durch die übermäßige Verwendung von Düngemitteln und Massentierhaltung in großen Mengen die Atmosphäre gelangt, wandelt sich letztlich in Ammoniumsulfat und Nitrat um. Diese begünstigen die Bildung von Feinstaub.

In den genannten Ländern und Regionen sind die Landwirte für ein Fünftel der durch Luftverschmutzung hervorgerufenen Todesfälle verantwortlich, in der Ukraine, Russland und Deutschland sogar für mehr als 40 Prozent, so die Erkenntnisse der Forscher. Luftbelastungen durch fossile Kraftwerke, Industrie, die Verbrennung von Biomasse und den Straßenverkehr verursachen ein weiteres Drittel der Todesfälle. Natürliche Quellen, vor allem Wüstenstaub, den der Wind oft über tausende Kilometer transportiert, führen zu einem Fünftel der Todesfälle.

Smog fordert mehr Tote als VerkehrsunfälleDer Straßenverkehr, dem die Forscher weltweit nur fünf Prozent der Todesfälle zuschreiben, schlägt in Deutschland mit 20 Prozent zu Buche, das sind knapp 7000 Menschen pro Jahr. Demnach sterben hierzulande doppelt so viele an den Folgen der Verkehrs-Emissionen wie an Verkehrs-Unfällen.

Ein Anstieg an Smog-Toten wird vor allem in Südostasien und Indien erwartet. In Europa und den USA werde die Mortalität voraussichtlich insgesamt moderat ansteigen, vor allem in größeren Städten, glauben die Forscher, die ihre Prognose in einer Weltkarte präsentieren. Die Studie ist in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht worden.

 

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