Tokio 2020: Wasserstoff-Energie für 17.000 Menschen

Tokio 2020: Wasserstoff-Energie für 17.000 Menschen

von Martin Fritz

Während Olympia 2020 sollen die Unterkünfte der Athleten Strom aus Wasserstoff erhalten. Auch Busse sollen mit dem Gas fahren.

Wasserstoff soll die Athleten bei Olympia 2020 in Tokio mit Strom und Heißwasser versorgen. An dem Vorhaben wird bereits seit dem Sommer gearbeitet. Nun veröffentlichte die größte japanische Tageszeitung Yomiuri unter Berufung auf die Stadtregierung erste Details: Demnach wollen die Veranstalter mehrere Abfüllstationen für Wasserstoff im Bezirk Harumi im Stadtviertel Chuo bauen.

Über Rohre wird der Wasserstoff an die Wohngebäude, die Übungsstätten, die Restaurants und die Versorgungseinheiten im Olympischen Dorf verteilt und dort jeweils mit Brennstoffzellen in Strom umgewandelt. Auch die Busse für den Transport der Athleten zu den Sportstätten sollen mit Wasserstoff angetrieben werden. Nach den Spielen will die Stadt die Infrastruktur weiter nutzen.

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Regierung fördert Aufbau einer WasserstoffwirtschaftIn dem Olympischen Dorf auf einer natürlichen Insel in der Bucht von Tokio sollen 17.000 Sportler und andere Gäste in 22 Wohngebäuden mit jeweils 14 bis 17 Stockwerken leben. Nach den Spielen wird das Dorf mit einem Einkaufszentrum und einer Schule in eine Stadt mit 10.000 Einwohnern umgewandelt.

Ab Januar dürfen private Firmen Entwicklungspläne für das Dorf bei der Stadtregierung einreichen. Dabei müssen sie auch die Nutzung von Wasserstoff-Energie integrieren. Allerdings müssten für die Versorgung einer so großen Stadt noch einige technische Hürden bei der Nutzung von Wasserstoff überwunden werden.

Doch Energie-Experte Takeo Kikkawa von der Tokioter Universität Hitotsubashi gibt sich optimistisch. "Das Olympische Dorf wird komplett neu gebaut und eignet sich daher für ein großformatiges Experiment mit der Wasserstoff-Wirtschaft", sagte Kikkawa der Zeitung Yomiuri. Die japanische Regierung steht hinter dem Projekt. In ihrem ersten "Wasserstoff-Weißbuch" hatte sie kürzlich den Aufbau einer Wasserstoff-Wirtschaft für Japan gefordert.

Das Gas soll neuer Energieträger werden. Die staatliche New Energy and Industrial Technology Development Organization (NEDO) will dazu Gespräche mit den Stromversorgern aufnehmen. Derzeit ist der Einsatz von Wasserstoff für Kraftwerke ab 2030 geplant.

Wasserstoff aus Kohle?Nach der Einschätzung von NEDO könnte Wasserstoff zehn Prozent des japanischen Energiebedarfs decken. Allerdings sind einige Hürden zu überwinden. Es fehlt an Tankern und Speichern und die Produktionskosten sind hoch. Derzeit wird Wasserstoff vor allem aus Erdgas für den Gebrauch in der chemischen Industrie hergestellt. Alternativ lässt es sich auch unter Einsatz von Strom per Elektrolyse aus Wasser gewinnen.

Doch NEDO hat einige weitere Ideen entwickelt: Man könnte Brennstoffzellen rückwärts laufen lassen und dabei Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff aufspalten. Dafür könnte man Strom benutzen, der in der Zeit mit niedrigem Verbrauch anfällt. Zu Spitzenzeiten würde dann Wasserstoff für die Stromerzeugung benutzt.

NEDO schlägt auch vor, bisher nicht genutzte, wenig energiehaltige Kohle für die Wasserstoffproduktion zu verwenden. Der Wasserstoff könnte in Ländern mit solcher Kohle wie Australien, Kanada oder Russland hergestellt und von dort nach Japan gebracht werden. Wie effizient und umweltfreundlich das ist, sei dahingestellt.

Seltsamerweise kommen erneuerbare Energien in dem Weißbuch nicht vor. So könnte man den Strom aus Wind- und Sonnenergie in Form von Wasserstoff zwischenspeichern. Solche Projekte gibt es längst außerhalb von Japan, zum Beispiel bei einem Windpark in Brandenburg. Aber unter der Regierung von Shinzo Abe scheint die Rückkehr zur Atomkraft derzeit höhere Prioritäten zu genießen als die erneuerbaren Energien.

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