Tourismus: Warum die schönsten Strände der Welt verschwinden

Tourismus: Warum die schönsten Strände der Welt verschwinden

von Benjamin Reuter

Sich sonnen im Sand mit Blick auf das Meer? Nicht mehr lange. Der Mensch zerstört Strände von Cannes bis Cancun.

Eigentlich verwundert die Diagnose nicht: Der Meeresspiegel steigt wegen der Erderwärmung langsam aber sicher an – um ganze drei Millimeter pro Jahr – und deshalb verschwinden die schönsten Strände der Welt. Aber ganz so einfach ist die Sache nicht.

Erstens deshalb, weil die Kategorie „schöner Strand“ für den einen ein einsamer Küstenstreifen fernab der Zivilisation ist – diejenigen müssen sich in ihren Hängematten keine Sorgen um ihre Badestätte machen.

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Diejenigen aber, die für ein „schöner Strand“ auch an Orten wie Cannes, Palma de Mallorca oder Miami liegt, sehr wohl. Das gilt auch für jene Urlauber, die häufiger Ferien in einem Hotel an einem Traumstrand buchen und abends von der Barterrasse romantisch aufs Meer blicken. Denn nicht so sehr der Meeresspiegelanstieg ist das Problem, sondern – um einen Anarcho-Spruch aus den 60ern und 70ern wiederzubeleben – das Pflaster, das hinter dem Strand liegt.

Was also ist los? Andrew Cooper, renommierter Strandforscher an der Universität von Ulster in Irland und Autor eines Standardwerkes zur Beachwissenschaft, schlägt Alarm. Er hat in mehreren Studien untersucht, wie es um die Strände der Welt steht. Das Ergebnis: Von Cannes bis Cancun sind sie bedroht.

Zwar kämpfen die lokalen Tourismusbehörden überall gegen den Anstieg der Meeresspiegel, indem sie mit Lastbooten unzählige Kubikmeter Sand vor den Küsten ins Meer kippen. Der Sand schützt erstens vor Stürmen und starken Fluten, schwemmt aber auch mit der Zeit in Richtung Strand und erhöht so die Liegefläche für die Sonnenanbeter. Warum das keine dauerhafte Lösung ist, dazu gleich.

Der Mensch quetscht die Strände einDas Verklappen des Sandes wäre aber eigentlich gar nicht nötig, sagt Cooper. Denn natürlicherweise würden sich die Strände bei einem steigenden Meeresspiegel einfach ins Landesinnere zurückziehen. Dieser taktische Rückzug vor der vom Menschen gemachten Bedrohung klappt aber nicht mehr. Weil der Mensch die Flucht verhindert, indem er Hotels, Strandpromenaden und ganze Städte an die Küsten setzt. Man könnte also sagen: Die Strände sind nicht nur vom Menschen bevölkert, sondern auch von ihm gefangen.

Warum ist nun das Aufschütten des Sandes keine Lösung? Einfach weil das Problem zu groß ist, hat Cooper exemplarisch für die Goldküste in Australien berechnet. Um einen Meeresspiegelanstieg von einem Meter zu kontern, wären viel zu große Mengen Sand nötig. Hinzu kommen gigantische Kosten.

„Strandressorts weltweit sind künstliche Kreationen, die für ihren Erfolg einen schönen und sauberen Strand brauchen. Den trotz des steigenden Meeresspiegels zu erhalten, wird nahezu unmöglich sein“, folgert Cooper. Als Lösung schlägt er vor, Küstenbebauung künftig so zu planen, dass die Strände sich bewegen können.

Vielleicht erlebt so die mobile Strandhütte auch in den reichen Industriestaaten noch einmal eine Renaissance? Sie könnte leicht ab- und auf einem höheren Strandstück wieder aufgebaut werden.

Was sicher ist: Für die Hotels und Ressorts an den Küsten ist Coopers Befund vor allem ein wirtschaftliches Problem. Denn die Urlauber kommen nur, weil es einen Strand vor der Tür gibt. Ist der nicht mehr da, bleiben auch sie weg.

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