Transparenz bei Lebensmitteln: 40 Prozent der Verbaucher ist Kennzeichnung egal

Transparenz bei Lebensmitteln: 40 Prozent der Verbaucher ist Kennzeichnung egal

von Benjamin Reuter

Verbraucherschützer fordern eine bessere Kennzeichnung von Lebensmitteln. Doch vielen Kunden sagen die Angaben wenig.

Seit Jahren streiten Experten, Politiker, Lobbyisten und Verbraucherschützer darum, welche Informationen auf Lebensmittelverpackungen zu finden sein sollen. Da geht es einerseits um künstliche Zusätze, die Nutzung von gentechnisch veränderten Grundzutaten, den Salz- und Zuckergehalt, die Anbauweise der Lebensmittel und vieles mehr. Ganz besonders entzündet sich der Streit an der sogenannten Lebensmittelampel, die viele Verbraucherschützer fordern. Sie soll auf einfache Weise anzeigen, wie gesund ein Nahrungsmittel ist.

Ob diese Vereinfachung etwas bringen würde, ist aber nicht ausgemacht, wenn man einer aktuellen Studie glaubt. Sie zeigt, dass ein beträchtlicher Teil der Verbraucher ohnehin nicht auf die Inhaltsstoffe schaut. In Auftrag gegeben hat die Studie der Verein Die Lebensmittelwirtschaft, der Verbraucher über die Ernährungsindustrie informieren will. Erstellt hat die Studie (hier eine Auswertung als PDF) der Göttinger Professor Achim Spiller vom Lehrstuhl Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte. 1009 Verbraucher nahmen an der Studie teil. Die Ergebnisse sind durchaus interessant:

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- Konsumenten fordern zwar Transparenz (Informationen) bei Lebensmitteln, aber bereits vorhandene Informationen werden selten genutzt, schreibt Spiller in seiner Auswertung.

- Vor allem bei tierischen Produkten ist für die Verbraucher die Transparenz besonders wichtig. An erster Stelle steht Fleisch, dann folgen Fisch, Eier und Milchprodukte. Süßigkeiten, Reis, Limonade und Alkohol liegen am Ende der Skala, Verbraucher haben hier also kein hohes Informationsbedürfnis, was zum Beispiel die Inhaltsstoffe angeht.

- Immerhin 55 Prozent der Befragten wollen mehr Informationen zu ihren Lebensmitteln. Aber mehr als 30 Prozent der Befragten empfindet die aktuellen Informationen auch als "zu schwierig" oder gar "verwirrend".

- vor allem wenn Verbraucher ein Produkt zum ersten Mal kaufen, lesen sie die Verpackungshinweise durch. Immerhin zwei Drittel der Kunden lesen die Hinweise in diesem Fall "immer" oder "oft". Zuhause lesen dagegen nur noch 40 Prozent die Hinweise.

- Wenn es um die Qualität von Produkten geht, vertrauen die Kunden vor allem den Verbraucherzentralen (70 Prozent) und Freunden und Verwandten (60 Prozent). Den Herstellern selbst und den Medien vertrauen dagegen nur 15 bis 20 Prozent der Verbraucher.

- Der Großteil der Verbraucher ist nicht bereit, für mehr Transparenzinformationen auch mehr zu bezahlen. Kaufentscheidend sind am Ende Geschmack, Qualität und Preis.

- „Frische“ besitzt die höchste Relevanz beim Lebensmitteleinkauf (84 Prozent). In Bezug auf die Landwirtschaft ist vor allem der Einsatz von Medikamenten in der Tierhaltung (73 Prozent) relevant für den Produktkauf. Der Einsatz gentechnisch veränderter Zutaten bei der Herstellung (70 Prozent) interessiert ebenfalls viele Verbraucher.

Das Fazit von Achim Spiller fällt angesichts der Zahlen gemischt aus. Einerseits stellt er fest, dass Verbraucher sich bei Lebensmitteln gut verständliche Angaben zur Herkunft von Produkt und Zutaten wünschen. Dasselbe gilt für Angaben, welche Zutaten genutzt wurden, wie sie hergestellt wurden und was ihnen zugesetzt wurde.

Allerdings gilt dieser Befund bei weitem nicht für alle Verbraucher. Vor allem Kunden mit höherem Bildungsgrad und einem höheren Einkommen verlangen mehr Transparenz. Aber eine große Gruppe – immerhin fast 40 Prozent der Befragten – ignoriert die Angaben auf den Verpackungen dagegen weitgehend. Ob man sie mit einer Ampel besser erreichen würde, ist zumindest fraglich. Einen Versuch wäre es aber wert.

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