Trotz immer mehr Menschen: Unser Einfluss auf die Umwelt wächst weniger schnell

Trotz immer mehr Menschen: Unser Einfluss auf die Umwelt wächst weniger schnell

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Ein Holzfäller im Regenwald des Amazonas - jedes Jahr gehen 15 Milliarden Bäume verloren.

von Ruth Herberg

Der menschliche Fußabdruck auf der Erde wächst – jedoch weniger schnell als die Weltbevölkerung und die Wirtschaft. Ein Grund zum Ausruhen ist das trotzdem nicht.

Auto-, Flug- und Schiffsverkehr, hohe Müllaufkommen und monokulturelle Landwirtschaften – die Menschen muten der Umwelt einiges zu. Eine Tatsache lässt jedoch aufhorchen: Der Fußabdruck, den die Menschheit hinterlässt, wächst weniger schnell als die weltweite Bevölkerung und die Wirtschaftsleistung – das haben Forscher mehrerer Universitäten nun herausgefunden.

Zwischen 1993 und 2009 ist die Weltbevölkerung um knapp ein Viertel gewachsen, die globale Wirtschaftsleistung gar um 153 Prozent. Der Fußabdruck, den die Menschen auf der Erde hinterlassen, ist im selben Zeitraum jedoch nur um neun Prozent gewachsen.

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Im Durchschnitt ist der menschliche Fußabdruck seit 1993 gesunken: In den roten Regionen ist die Umwelt mehr belastet worden, in den blauen dagegen weniger. (Foto: Wildlife Conservation Society)

„Zu sehen, dass unsere Auswirkungen auf die Erde weniger schnell steigen als die Weltbevölkerung und die Wirtschaftsleistung, ist ermutigend“, sagt der leitende Autor der Studie, Oscar Venter von der University of Northern British Columbia. „Das zeigt, dass wir die natürlichen Ressourcen effizienter nutzen.“

Für ihre Studie haben die Wissenschaftler verschiedene Satelliten- und Bodendaten und acht Arten von menschlichen Umweltbelastungen benutzt: den Anteil an bebauten Flächen, Ernte- und Weideflächen; die Bevölkerungsdichte; das Ausmaß nächtlicher Beleuchtung; Bahntrassen, schiffbare Wasserstraßen und normale Straßen. Mit diesen Daten haben sie spezielle Weltkarten erstellt, die zeigen, wie sich die menschlichen Einflüsse auf die Umwelt im Zeitraum zwischen 1993 und 2009 entwickelt haben.

Forscher sind trotz der Ergebnisse beunruhigt

„Staaten mit modernen Strukturen und hohen Urbanitätsraten konnten ihre Wirtschaftsleistung steigern und gleichzeitig ihre Belastungen für die Umwelt leicht reduzieren – das ist wirklich motivierend“, sagt Eric W. Sanderson aus dem Forscherteam. Dieses Ergebnis ließe sich sogar halten, wenn man andere Faktoren wie den internationalen Handel miteinbeziehe.

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Während in Deutschland Bevölkerung und Wirtschaftsleistung gewachsen sind, ist der menschliche Fußabdruck (rote Bereiche) seit 1993 um rund zehn Prozent gesunken. (Foto: wcshumanfootprint.org)

Auch wenn die menschlichen Einflüsse für die Umwelt verglichen mit der Bevölkerungsrate und dem Wirtschaftswachstum weniger schnell steigen, gibt es noch genug zu tun. Glaubt man den Zahlen der Forscher, ist es in Gegenden mit besonders hoher Biodiversität besonders schlimm.

„Unsere Karten zeigen, dass sich drei Viertel der Erdoberfläche entscheidend verändert haben“, sagt James Watson von der Universität Queensland, der ebenfalls an der Studie mitgewirkt hat. 97 Prozent der Gebiete mit hoher Artenvielfalt hätten sich ebenfalls verändert. „Es ist kein Wunder, dass wir ein Problem mit Biodiversität haben.“

Menschheit beherrscht große Teile der Erde

Die Studie hat auch gezeigt, dass die Menschheit ihre Spuren in immer mehr Regionen hinterlässt. 1993 war für 27 Prozent der weltweiten Landflächen kein menschlicher Einfluss messbar. 2009 allerdings hatten die Menschen weitere 23 Quadratkilometer dieser Flächen in Beschlag genommen. Kein beziehungsweise wenig messbarer menschlicher Einfluss lässt sich aktuell nur noch in Gebieten wie Wüsten und weit abgelegenen feuchten Regenwäldern feststellen.

Von Anzeichen, dass in weit entwickelten Ländern der menschliche Einfluss auf die Umwelt kleiner wird, dürfe man sich jedoch nicht täuschen lassen, sagen die Forscher. Wohlhabende Regionen wie Europa beispielsweise produzierten vor der eigenen Haustür weniger Fleisch, was die Umweltbelastungen dort mindere. Tatsächlich würde sich damit das Problem nur verschieben – denn als Ausgleich wird fast die Hälfte des im Amazonas produzierten Fleischs nach Europa exportiert.

Ressourcenverbrauch Online-Rechner zeigen, wie sehr wir der Umwelt schaden

Online finden sich viele Tests, die den Einfluss des eigenen Lebensstils auf die Umwelt analysieren. Doch nicht alle berechnen das Gleiche. Wir haben sie uns angesehen.

Wie viel muten wir der Erde zu? Verschiedene Onlinetools rechnen das aus. Quelle: dpa

„Eine nachhaltige Entwicklung ist ein Ziel, das weithin unterstützt wird“, sagt Oscar Venter. Die Daten der Forscher zeigen seiner Einschätzung nach deutlich, was dafür zu tun ist: „Wenn die Menschen in Städten und Ballungsräumen wohnen, sind Infrastruktur- und Wohnraumbedarf nicht über das ganze Land verteilt.“ Zudem sollten Regierungen, die ernsthaft in der Lage und interessiert daran sind, ihre Umwelteinflüsse zu verringern, unterstützt werden.

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