Tschernobyl: Größtes Solarkraftwerk der Welt geplant

Tschernobyl: Größtes Solarkraftwerk der Welt geplant

Bild vergrößern

30 Jahre nach dem Gau im Atomkraftwerk könnte in Tschernobyl ein Solarpark entstehen. (dpa/Archiv)

von Wolfgang Kempkens

Neben dem einstigen Atomkraftwerk will die Ukraine eine riesige Solaranlage bauen. Die Voraussetzungen dafür sind gut.

Tschernobyl - dieser Name steht für eine der größten Katastrophen der Menschheit. Bald könnte Tschernobyl aber auch für Fortschritt und saubere Energie stehen. Mit einer Spitzenleistung von 1000 Megawatt soll nahe dem havarierten Kernkraftwerk das weltweit größte Solarkraftwerk gebaut werden. Bereits in diesem Jahr sollen die ersten vier Megawatt in Betrieb gehen.

Das Gelände bietet sich aus mehreren Gründen für den Bau einer solchen Anlage an. Die ukrainische Hauptstadt Kiew, größter Stromverbraucher des Landes, befindet sich in der Nähe. Das Land ist günstig, weil es wegen der Reststrahlung nicht anderweitig genutzt werden kann, etwa als Ackerland. Und die Sonne scheint mehr als 1800 Stunden im Jahr. In Freiburg, das sich als Solarhauptstadt Deutschlands ansieht, sind es fast 200 Stunden weniger. Allerdings hat die Ukraine im Süden noch deutlich sonnigere Regionen.

Anzeige

Die ukrainische Regierung verhandelt derzeit mit Investoren in den USA und Kanada. Das Kraftwerk wird etwa 1,1 Milliarden Dollar kosten. „In der Ukraine gibt es einen kleinen Solarboom“, sagt Dmytro Lukomsky, CEO von Retechno, einem Solarparkentwickler in Kiew. „Natürlich ist er nicht so groß wie in Deutschland oder in anderen Ländern. Aber es ist eine gute Entwicklung für unser Land.“

Mehr Sonneneinstrahlung als in Deutschland

Die Aussichten sind tatsächlich gut. Die Sonneneinstrahlung im ganzen Land ist größer als die in Deutschland, das bereits mehr als 40 Gigawatt installiert hat. Die Ukraine kommt auf vergleichsweise magere ein Gigawatt. Als die Krim, mittlerweile von Russland annektiert, noch zum Land gehörte war es mehr. Allein der Perovo Solar Park hatte eine Spitzenleistung von 100 Megawatt. Das Stromnetz der Krim wurde nach der Anexion von dem der Ukraine getrennt.

Die ukrainische Regierung plant einen massiven Ausbau der Solarenergie, 34 neue Parks sind geplant. Insgesamt könnte das Land Solarkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 16 Gigawatt aufbauen, schätzt das Düsseldorfer Beratungsunternehmen O.L.T. Consult. Die ukrainische Renewable Energy Agency geht von 91 Gigawatt aus.

Camping Multifunktionszelt erzeugt eigenen Strom

Ein Brite hat ein Zelt erfunden, das mit Solarmodulen und einem System zur Wärmeregulierung ausgestattet ist. Via Crowdfunding kam die Finanzierungssumme in Rekordzeit zusammen.

Das Pop-up-Zelt "Cinch!" soll ab Oktober produziert werden. (Foto: CINCH! POP UP TENTS/Facebook)

Tatsächlich plant die Ukraine, bereits 2020 elf Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Quellen zu beziehen. Ob es in dem vom Bürgerkrieg gestressten Land gelingt, ist allerdings fraglich. Derzeit ist es zu mehr als 50 Prozent von seinen Kernkraftwerken abhängig.

Am 26. April 1986 hatte es einen schweren Störfall im Block vier der 4000-Megawatt-Anlage gegeben. Es kam zu einer Wasserstoffexplosion. Gigantische Mengen an radioaktivem Material wurden freigesetzt und von Höhenwinden bis nach Deutschland und Skandinavien transportiert. Eine riesige Hülle aus Beton umschließt den havarierten Reaktor, damit kein radioaktives Material mehr in die Atmosphäre gelangt.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%