Umwelt: China will sein stark belastetes Ackerland retten

Umwelt: China will sein stark belastetes Ackerland retten

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Ein Fünftel der Ackerflächen in China soll laut Regierungsangaben stark belastet sein. (Symbolbild: Sven Hoppe/dpa)

von Lea Deuber

Die Regierung will mit einem Aktionsplan verschmutzte Böden wieder aufbereiten. Umweltschützern geht das nicht weit genug. Sie fordern entsprechende Gesetze.

Ackerland ist in China ein wertvolles Gut. 21 Prozent der Weltbevölkerung leben in dem Land, es hat aber nur 7 Prozent des weltweiten Ackerlands zur Verfügung, um die Menschen zu versorgen. Eigentlich sollte Peking es deshalb besonders schützen: Lange Zeit ist das aber versäumt worden.

Lückenhafte Umweltgesetze und fehlende Implementierung haben zu einer dramatischen Verschmutzung und Zerstörung von Anbauflächen in China geführt. Ein Fünftel soll laut eines offiziellen Berichts der Regierung stark belastet sein. Die Zahl könnte sogar noch höher liegen. Dabei geht es vor allem um Verunreinigung durch Cadmium, Nickel und Arsen, die durch die Industrie und Landwirtschaft verursacht wurden.

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Um dies in den Griff zu bekommen, hat der chinesische Staatsrat einen Aktionsplan herausgegeben, der bis 2020 helfen soll, 90 Prozent des verschmutzen Landes wieder aufzubereiten. Vor allem eine bessere Koordination zwischen verschiedenen Ministerien und Abteilungen ist dabei angedacht.

Greenpeace fordert entsprechende Gesetze

Dass der Aktionsplan keine strengere Gesetzeslage vorsieht, wird von Organisationen wie Greenpeace Ostasien scharf kritisiert. „Eine Politik, um das Problem anzugehen, ist seit Jahren überfällig“, sagt Ada Kong, Mitarbeiter bei Greenpeace Asia. „Der Aktionsplan braucht aber auch die Waffen, um nachhaltig Bodenverschmutzung zu bekämpfen.“
Für Greenpeace ist das Thema deshalb so drängend, weil die verschmutzten Gebiete aktuell vor allem im Osten des Landes liegen, wo die Industrie bereits stark entwickelt ist. Mit der Ausweitung in weniger entwickelte Gebiete im Westen des Landes droht sich die Katastrophe dort zu wiederholen, sollte Peking nichts unternehmen, fürchtet die Organisation.

In den vergangenen Jahren sind immer wieder spektakuläre Fälle von Bodenverschmutzung bekannt geworden. Zuletzt sorgte der Fall einer Schule in Changzhou in der Nähe von Shanghai für Aufregung. Fast 500 Schüler einer Fremdsprachenschule waren Anfang des Jahres unter anderem an Krebs erkrankt, nachdem sie sich auf dem schwer verunreinigten Schulgelände aufgehalten hatten. Dort konnte eine extreme Verschmutzung des Grundwassers und der Böden gemessen werden. Das Gebäude war vorher durch ein Chemieunternehmen genutzt worden, anschließend aber für die Schule freigegeben worden. Der Fall war erst bemerkt worden, nachdem Schüler über Kopfschmerzen und Schwindel klagten.

Organisationen warnen, dass das Thema im Gegensatz zur Luftverschmutzung immer noch nicht ernst genug genommen wird. Während es hier durch eindrückliche Smog-Bilder auch international Schlagzeilen gab, ist Bodenverschmutzung schwerer zu belegen (und zu bebildern). Zudem sind die Ergebnisse der bisherigen Studien aus Peking stets als Staatsgeheimnis behandelt und nicht komplett öffentlich gemacht worden. Das heißt, es bleibt unklar, welche Anbauflächen überhaupt betroffen sind.

Einfluss auf europäischen Markt

Die Krise in China hat zunehmend auch Einfluss auf die Lebensmittelmärkte weltweit. Das knappe Land, das sinkende Vertrauen in nationale Produkte, aber auch der steigende Wohlstand lassen die Lebensmittelimporte rasant steigen. Laut dem US-amerikanischen Landwirtschaftsministerium importiert China vor allem Ölsamen, Öle und Baumwolle. Produkte, die besonders will Anbaufläche brauchen.

Dazu kommen vermehrt auch Weizen und Mais, was das Land früher selbst exportieren konnte, sowie Fleisch, Milchprodukte, Kaffee und Tee. Allein zwischen 2012 und 2013 importierte Chinas aus den USA zehn Mal mehr Agrarprodukte als noch in den 1990er Jahren. Das amerikanische Landwirtschaftsministerium geht zudem davon aus, dass bis 2023 die Nachfrage nach Agrarprodukten aus China noch einmal deutlich steigen wird. Vor allem für Sojabohnen, Mais und Fleisch.

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