Umwelt: CO2, der Klimakiller aus dem Moor

Umwelt: CO2, der Klimakiller aus dem Moor

von Nora Marie Zaremba

Deutschlands austrocknende Moore sind ein unterschätzter Klimakiller. Aber lokale Unternehmen ändern das gerade - durch ein cleveres Zertifikatesystem.

Trockene Moore sind wahre Klimasünder. Denn weicht das Wasser aus ihnen, zersetzt sich ihre Torfschicht. Der dort gespeicherte Kohlenstoff reagiert mit Sauerstoff zu dem Treibhausgas Kohlenstoffdioxid, das dann freigesetzt wird. Immerhin vier Prozent aller deutschen CO2-Emissionen entstehen so. Mit dem Umfang der Emissionen aus trockenen Moorböden belegt die Bundesrepublik so einen fragwürdigen Spitzenplatz im europäischen Vergleich. Zum Vergleich: der Verkehr ist in Deutschland für 20 bis 25 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich.

Das Moor Polder Kieve in Mecklenburg-Vorpommern war so ein Klimasünder. Vor mehr als einem Jahr aber wurde es wiedervernässt: Umweltschützer haben Wasserpumpen abgestellt und Gräben zugeschüttet, die das Moor trocken legten. Wer nun mit Gummistiefeln über die Fläche läuft, versinkt im Boden. Ein gutes Zeichen, denn nasse Moore können wieder Kohlenstoff speichern. Und schützen so wieder das Klima.

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Das Besondere daran: An der Wiedervernässung können sich Unternehmen und Privatpersonen beteiligen. Das geht mit sogenannten MoorFutures, die die Länder Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg seit 2012 ausgeben. Ein Zertifikat entspricht einer Tonne eingespartem CO2 oder der gleichwertigen Einsparung anderer Treibhausgase wie Methan (CO2-Äquivalent). Zum Vergleich: Jeder Bundesbürger setzt im Schnitt pro Jahr zehn Tonnen CO2 frei.

Was ziemlich sperrig klingt, scheint zu einer kleinen Erfolgsgeschichte zu werden. 14.325 Zertifikate gibt es für den Polder Kieve, 60 Prozent sind bereits an Unternehmen und Bürger verkauft.  Zurzeit gibt es zwei Moorprojekte in den beiden Bundesländern, die auf 50 Jahre laufen. In dieser Zeit sollen insgesamt 21.000 Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden. Auch Bayern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein denken darüber nach, Moor-Papiere anzubieten.

Freiwilliger Klimaschutz - geht das?Das Erstaunliche daran: Das System ist freiwillig. Ein Zertifikatenmarkt, der global noch nicht klappen will, scheint damit im Kleinen gut zu funktionieren. Besonders attraktiv sind die Papiere für regionale Unternehmen. Sie können so ihre Emissionen direkt vor Ort kompensieren. Das Hotel Speicher am Ziegelsee zum Beispiel hat 100 Zertifikate für den Polder Kieve gekauft. Die WEMAG AG, ein kommunaler Energiekonzern, kompensiert mit den Zertifikaten die  CO2-Emissionen des Ladestroms für Elektrofahrräder.

Die Preise für ein Zertifikat variieren je nach Standort des Moores, beim Polder Kieve sind es 35 Euro pro Tonne CO2. Dadurch werden vor allem die Kosten für die Wiedervernässung gedeckt. „Die MoorFutures beinhalten aber auch wichtige Leistungen der Moore für die Region“, sagt Thorsten Permien vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern.

Moore sind Wasser- und Nährstoffspeicher sowie Wasserfilter. Da sie eine kühlende Wirkung auf ihre Umgebung haben, tragen sie auch zu einem besseren lokalen Klima bei.

Seit Ende der 90er Jahre werden Moore deswegen bereits wiedervernässt. Dass sich jeder über Zertifikate daran beteiligen kann, ist allerdings neu - und erst möglich, seit dem der Umfang der Emissionen im Moor erfasst werden kann, zum Beispiel über die Messung der Kohlenstoffdioxidflüsse in der Luft.

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