Umwelt: Fünf Fakten zum Oster-Winter

von Benjamin Reuter

Der Osterhase trägt in diesem Jahr Handschuhe. Er soll sich nicht so anstellen: Früher war es schon kälter und Zugvögeln ergeht es schlechter.

Wie kann das eigentlich sein? Wir schreiben fast April, offiziell ist es schon Frühling, und in Berlin ist es derzeit frostiger als in Sibirien. Und es hört nicht auf. Ostern wird kälter als Weihnachten - so sagen es zumindest die Experten vorher. Der zu den Feiertagen gehörende Hase mutiert also in diesem Jahr zu einem Schneehasen. Die Wetterkapriole wirft Fragen auf. Hier sind die wichtigsten Antworten:

Frieren wir wirklich oder tun wir nur so?

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Ersteinmal: Für Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin ermittelte der Deutsche Wetterdienst (DWD) Durchschnittstemperaturen im März von knapp unter zwei Grad minus, die ganz dicht am bisherigen Kälterekord aus dem Jahr 1883 liegen.

Aber der DWD schränkt auch ein: Deutschlandweit wird die Mittel-Temperatur im März wahrscheinlich bei etwas über Null Grad liegen. Damit gibt es seit Beginn der Messreihe 1881 mindestens 5 oder 6 Jahre, in denen der März noch kälter war. Vor allem das Jahr 1987 war ziemlich frostig. (siehe Grafik am Ende des Artikels)

Woher kommt die Kälte?

Kalte Luft aus Sibirien drückt das normale mitteleuropäische Frühlingswetter immer weiter nach Süden. So etwas kommt laut DWD nur alle 10 bis 20 Jahre vor. Schon fies: In Moskau ist es derzeit wärmer als in vielen Teilen Deutschlands.

Bekommen die Zugvögel Probleme?

Wer derzeit über die schneefreien Rheinwiesen spaziert, sieht tausende unentschlossene Vögel. Sie wollen eigentlich ihren Zug Richtung Osten fortsetzen, die Eiswand aber hält sie ab. Unter den Wartenden: Kraniche, Kiebitze, Gänse, Bachstelzen und der Zilpzalp. Weil es in den vergangenen Jahren früher wärmer wurde, hätten sich die Vögel darauf eingestellt, sagt Matthias Freude, Präsident des Landesumweltamtes in Potsdam. Er klagt gegenüber der Süddeutschen Zeitung: “Tiere sind erschöpft gefunden worden oder erfroren. Es hat größere Ausfälle gegeben."

Erleben andere Länder gerade ähnliche Wetterkapriolen?

Ja. Auch in Teilen der USA lässt Sibirien grüßen, oder eher Alaska: Vom Mittleren Westen bis zur Atlantikküste gab es Anfang der Woche einen späten Wintereinbruch. Es fielen bis zu 30 Zentimeter Neuschnee. In der Hauptstadt Washington brach der Verkehr zusammen. Auf Grönland dagegen erleben die Menschen einen überraschend frühen Frfühling.

Wo bleibt die Erderwärmung?

So paradox es klingen mag: Die derzeitige Kältewelle sehen Klimaforscher als eine Folge der Erderwärmung. Durch die Erderwärmung nämlich schmilzt das Eis in der Arktis und das Wasser wie auch die Luft erwärmt sich. Das führt insgesamt zu veränderten Luftströmungen, so dass auch kalte Luft bis nach Europa dringen kann. Die These, dass die Erderwärmung auf diese Weise zu kälteren Wintern in Europa führt, wird unter Forschern seit Jahren diskutiert.

Hier die historische Temperatur für den März in Deutschland als Grafik:

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