Umwelt: Schwimmendes Recyclingwerk räumt Meere auf

Umwelt: Schwimmendes Recyclingwerk räumt Meere auf

von Felix Ehrenfried

Die Vermüllung der Meere nimmt zu - mit Schäden für Mensch und Umwelt. Damit will ein Kieler Ingenieur jetzt Schluss machen.

Wer kennt sie nicht: Die Geschichte von der zunehmenden Verschmutzung der Weltmeere durch von Menschenhand erzeugte Abfälle. Immer mehr Plastikmüll, Elektroschrott oder ganze Autoteile gelangen in die Ozeane, schaden den Lebewesen und der Pflanzenwelt der Gewässer und gelangen über Umwege, wie dem Verzehr von Fisch, auch in den eigenen Körper.

Dabei lässt sich ein markanter Teil der Meeresverschmutzung auf Inseln zurückführen. Inseln, die touristisch genutzt werden und so klein sind, dass sie keinen Platz für eine ökologisch verträgliche Recyclinganlage haben oder diese sich schlichtweg aus Kostengründen nicht lohnt.

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Um zumindest diesen Teil der Verschmutzung der Ozeane in Zukunft eindämmen zu können, prüft ein Kieler Ingenieursbüro derzeit den möglichen Einsatz von Recyclingschiffen. Das Team des Dirk Lindenau Maritime Engineering & Projecting Ingenieursbüros will mit solchen Schiffen auch kleinen Inseln die Möglichkeit geben, ihren Müll ökologisch und fachgerecht entsorgen zu lassen. Wie eine Art Müllabfuhr auf dem Wasser würde solch ein Schiff dann in regelmäßigen Abständen an den Inseln anlegen, den Müll aufnehmen und gleich an Bord recyceln.

Die Studie des Ingenieurbüros beschäftigt sich dabei besonders mit der Frage, wie der Müll optimal aufgenommen und anschließend verwertet werden kann. Dabei werden die Spezialisten mit 170 000 Euro von der deutschen Bundesstiftung Umwelt (BDU) unterstützt. Mit technischem Know-How helfen die Gesellschaft zur Verwertung organischer Abfälle aus Minden und die Technische Universität Braunschweig.

Das Schiff treibt sich mit dem Müll selbst an

Nützlicher Nebeneffekt, sollte das Projekt sich als realisierbar herausstellen: Das Schiff könnte gleichzeitig auch als Versorger für die angelaufenen Inseln genutzt werden. Da das Boot in der Vision der Entwickler aus geladenen Bioabfällen Methangas als Energieträger für den Antrieb gewinnen soll, würde das Boot sich auch relativ umweltschonend fortbewegen – damit steht keine riesige Schiffsdieselrechnung der Recyclingbilanz gegenüber.

Von solchen Recyclingschiffen würden auch die touristisch geprägten Inseln profitieren. Denn die Beliebtheit des Ökotourismus nimmt zu, wer möchte da auf einer Insel seine freien Tage verbringen, die Müll einfach verbrennt oder ins Meer wirft? So könnten die schwimmenden Müllautos auch für zahlreiche Reiseunternehmer eine Lösung ihrer Abfallprobleme darstellen.

Aktuell verschafft sich das Kieler Ingenieursteam noch einen Überblick über die derzeitige Lage der Müllentsorgung, beispielsweise auf den Kapverden. Wie wird der Müll gelagert beziehungsweise entsorgt? Und wer sind mögliche Abnehmer für die auf dem Schiff recycelten Materialien? Außerdem überlegen die Ingenieure wie ein optimaler Fahrplan für das Recyclingschiff auszusehen hat. Wann und wo wird Müll aufgenommen und wohin weiter transportiert? Bei all den Überlegungen müssen die Spezialisten auch die Kosten stets im Auge behalten.

Sollte sich das Projekt als machbar erweisen, wollen die Experten ein Frachtschiff umbauen und zum Recyclingschiff umrüsten. Dies sei kostengünstiger und nachhaltiger als ein Neubau, so die Projektpartner. Das Ladevolumen soll im Falle einer Realisierung zwischen 1000 und 10 000 Tonnen Müll liegen. Wann es jedoch soweit ist, steht derzeit noch nicht fest.

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hat dennoch weitere ehrgeizige Pläne. Wie in einer Pressemittelung bekannt gegeben, hat die BDU eine weitere Studie in Auftrag gegeben.  Die Frage: Wie lässt sich Müll ökonomisch und ökologisch sinnvoll auf den Meeren selbst sammeln? Damit gäbe es dann vielleicht irgendwann eine flächendeckende Müllabfuhr auf dem Meer und seinen Inseln.

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