Umweltfreundliche Rechenzentren: Revival der Wasserkühlung

Umweltfreundliche Rechenzentren: Revival der Wasserkühlung

von Angela Schmid

Schluss mit stromfressenden Ventilatoren, künftig soll Wasser Rechenzentren kühlen. Das spart Platz und Emissionen.

Ein Computer heizt sich ziemlich schnell auf. Das kennt jeder vom heimischen PC. Bei Servern ist das ein noch viel größeres Problem. Rechenzentren benötigen geschätzt etwa 1,5 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs – so viel wie 25 Atomkraftwerke produzieren.

Große Konzerne überlegen sich daher sehr genau, wo sie ihre Rechenzentren bauen. Der Suchmaschinenkonzern Google hat sein europäisches Rechenzentrum beispielsweise in Finnland eröffnet. Der Grund: das kalte Klima. Gekühlt werden die Server dort mit Seewasser. Durch das kalte Meerwasser und die niedrigen Lufttemperaturen soll es eines der energieeffizientesten Google-Rechenzentren sein. Facebook zieht es noch weiter in den Norden: Das soziale Netzwerk baut im schwedischen Lappland ein mit Wasserkraft betriebenes Rechenzentrum.

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Energiebedarf soll um 90 Prozent geringer seinNicht jedes Unternehmen kann seine Rechenzentren allerdings einfach in den kühlen Norden verlagern. Für diese Firmen könnte das Konzept von eCube interessant sein. Das Unternehmen hat eine Kühltechnologie entwickelt, die auf Wasser statt wie bisher auf Luft basiert.

„Wasser ist 4000-fach kühlfähiger als Luft“, erklärt Alexander Hauser. Er hat mit seinem Unternehmen die Rechte an dem Kühlverfahren erworben, das ursprünglich an der Goethe-Universität in Frankfurt für wissenschaftliche Zwecke entwickelt wurde.

Statt die gesamte Raumluft zu kühlen, entzieht das eCube Concept die Wärme gleich am Rechner. Dafür wird die von den Servern produzierte Wärme durch eine von Kühlwasser durchströmte sogenannte Wärmetauschertür direkt an der Rückseite der Serverschränke (Racks) abgeführt. Der Energiebedarf sinke im Vergleich zur luftbasierten Lösung um 90 Prozent, sagt Hauser.

Weniger Fläche, weniger CO2Dadurch, dass die Wärmeabführung direkt am Rack erfolgt, sollen die Rechenzentren auch nicht mehr so viel Fläche benötigen. Denn die Server-Racks können anders als bei einer Luftkühlung sogar gestapelt werden. Nach Angaben von Hauser reduziert sich der Flächenbedarf dadurch um bis zu 30 Prozent.

Außerdem soll das ganze Konzept umweltfreundlicher sein, da es auch weniger CO2 produziert. Hauser: „Bei einem mittelgroßen Rechenzentrum mit einer effektiven IT-Leistung von einem Megawatt wird durch den Einsatz des eCube-Concepts die CO2-Belastung der Umwelt um circa 1000 Tonnen in nur einem Jahr reduziert.“ Wie belastbar diese Zahlen sind, muss sich allerdings erst noch zeigen.

Am Anfang sei das Konzept von den Unternehmen neugierig beäugt worden, weil es so einfach sei. Inzwischen sei das Interesse an der Technologie aber groß, so Hauser, im In- und im Ausland. Er sagt aber auch: „Wir befinden uns noch in der Startphase.“

Das Bundesumweltministerium scheint von der Idee schon jetzt überzeugt. Es zeichnete das Konzept kürzlich mit dem StartGreen Award aus.

Wärmetauschertüren sind nicht neu. Bisher gab es sie in Kombination mit Ventilatoren und als Ergänzung zu den luftgekühlten Systemen.

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