Umweltskandal: Chemisch belastetes Grundwasser im Rheinland

Umweltskandal: Chemisch belastetes Grundwasser im Rheinland

von Leonard Goebel

Nach Medienberichten ist die Chemikalie PFT in den Rhein gelangt. Ein Skandal, den die Stadt Düsseldorf nun dementiert.

Ob in atmungsaktiven Jacken, Feuerlöschern oder fett- und wasserabweisenden Papieren - perfluorierte Tenside (kurz PFT) helfen dabei, Dinge trocken zu halten. Die chemischen Verbindungen sind aber nicht ganz ungefährlich: Sie reichern sich im menschlichen Gewebe an und gelten als möglicherweise krebserregend.

Bereits vor zwei Jahren war bekannt geworden, dass in Düsseldorf größere Mengen perflourierter Tenside ins Grundwasser gelangt sind, die ihren Ursprung wohl am Flughafen haben. Am Samstag hatte die “WAZ” nun berichtet, dass inzwischen auch der Rhein belastet sei.

Anzeige

Im Düsseldorfer Stadtteil Kaiserswerth habe der Giftteppich den Fluss erreicht. Entsprechende Informationen seien von der Stadt Düsseldorf bestätigt worden, so die Zeitung. Die Lage sei bereits "unbeherrschbar und unumkehrbar, ein GAU ersten Ranges", zitiert die Zeitung Claudia Baitinger vom BUND. Der Eintrag der Chemikalie in den Fluss müsse "sofort gestoppt werden", so die Umweltexpertin.

Am Sonntag dementierte die Stadt dann jedoch die Berichte. Es lägen keine Informationen über erhöhte PFT-Werte im Rhein vor. "Die im Rhein vom Landesumweltamt gemessenen PFT-Gehalte sind unbedenklich", meldete die Stadt. Die Ausdehnung der PFT-Grundwasserverunreinigung habe sich seit 2012 nicht verändert. Diese Aussage überrascht wiederum ein wenig, da das städtische Umweltamt bei einer Bürgerinformationsveranstaltung Ende 2014 noch eine Präsentation zeigte, in der von einer – gegenüber 2013 – "weiteren Ausbreitung höherer [PFT-]Konzentrationen in Richtung Rhein" die Rede ist.

Löschwasser der Flughafen-FeuerwehrUnabhängig davon, wer hinsichtlich der etwaigen Belastung des Flusses Recht hat, wirft die bisherige Entwicklung des Vorfalls kein gutes Licht auf die Landeshauptstadt. Bereits seit 2007 untersucht sie das Grundwasser im Düsseldorfer Norden auf PFT. Doch erst 2013 wurde bekannt, wie groß das Ausmaß der Kontaminierung wirklich ist – und wer sie verursacht hat.

Demnach geht die Verunreinigung vom Gelände des Düsseldorfer Flughafens aus, auf dem früher die Flughafenfeuerwehr mit PFT-haltigem Löschschaum übte. Zwar wird dort schon seit längerem kein Schaum mit PFT mehr eingesetzt. Doch der Abfluss der belasteten Flüssigkeit ins Grundwasser konnte immer noch nicht gestoppt werden.

Der grüne NRW-Umweltminister Johannes Remmel sieht das Versagen beim Flughafen und der Stadt Düsseldorf, die Gesellschafterin des Airports ist. Vor einem Jahr habe er beide Seiten unmissverständlich aufgefordert, ein Sanierungskonzept zu entwickeln und unmittelbar umzusetzen, so Remmel laut der "WAZ". Bis heute gebe es erst einen Entwurf. Demnach soll erst Anfang nächsten Jahres kein PFT mehr vom Flughafen ins Grundwasser sickern.

Die kommenden Messungen werden zeigen, ob das vielleicht schon zu spät sein wird. PFT sind auch deshalb ein Problem, da normale Kläranlagen sie nicht filtern können. Dazu braucht es Aktivkohlefilteranlagen, die manche Stadtwerke auch schon nutzen. Der Grundwasserqualität hilft das in den kommenden Jahren erstmal nicht. Und so berichtet das Boulevardblatt Express bereits von ersten Anwohnern, die den Flughafen verklagen wollen.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%