UN-Klimachefin: Investitionen in fossile Energie vernichten Geld

UN-Klimachefin: Investitionen in fossile Energie vernichten Geld

von Nora Marie Zaremba

Ölkonzerne verabschieden sich von neuen Projekten, Investitionen in fossile Rohstoffe drohen ein gigantisches Verlustgeschäft zu werden.

"Investoren versenken ihr Geld in fossilen Energieprojekten. Das ist keine bloße Theorie mehr, sondern wird zur Realität." Diesen Satz hat die oberste Klimachefin der Vereinten Nationen, Christiana Figueres, gerade erst auf dem World Future Energy Summit im Emirat Abu Dhabi gesagt. Dass sich dort auch Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft tummeln, die (noch) ein dickes Geschäft mit Kohle, Erdöl und Erdgas machen, ist der resoluten Klimadiplomatin nur recht.

Der Satz hat einige Sprengkraft. Denn er thematisiert, wovor Nichtregierungsorganisationen und Klimaschützer schon länger warnen, und wovor die Finanzwelt die Ohren lieber verschließen möchte: Nämlich, dass Investoren ihr in Erdölunternehmen angelegtes Geld verlieren, wenn die Regierungen der Welt sich einem wirksamen Klimaschutz verschreiben. Das gilt ebenso für Investitionen in die Kohleindustrie. Experten bezeichnen diese gefährdeten Investitionen auch als "Kohlenstoffblase".

Anzeige

In einem jüngst im Magazin Nature veröffentlichten Aufsatz des University College London rechnen die Autoren vor, dass mehr als 80 Prozent der bekannten fossilen Vorkommen in der Erde verbleiben müsste, wolle man die Erderwärmung auf zwei Grad begrenzen (verbrennen wir sie, sieht es eher nach einer Erwärmung von sechs Grad aus).

Probleme für die ErdölindustrieUnd tatsächlich scheint sich so etwas wie eine Kohlenstoffblase derzeit anzukündigen – nur nicht aus Gründen des Klimaschutzes. Die ersten großen Energiekonzerne reagieren auf den niedrigen Ölpreis, der in kürzester Zeit von mehr als 100 Dollar auf unter 50 Dollar pro Fass gefallen ist, mit drastischen Maßnahmen: So hat beispielsweise der norwegische Ölkonzern Statoil drei Explorationslizenzen an der Westküste Grönlands zurückgezogen. Zur Begründung hieß es, dass die Kosten für die Bohrungen schlicht zu hoch seien und sich das Projekt wegen der jüngsten Entwicklungen auf dem Ölmarkt nicht mehr rentiere.

Statoil steht nicht allein da. Im Dezember gab der US-Ölkonzern Chevron bekannt, Ölbohrungen in der kanadischen Arktis ersteinmal zu verschieben. Er begründete das mit der "wirtschaftlichen Unsicherheit”. Letzte Woche erst verzichtete Shell auf ein Milliardendollar schweres Erdöl-Projekt mit dem Konzern Qatar Petroleum. Und auch der britische Ölkonzern Premier Oil hat angekündigt, Energieprojekte vor Norwegen und im Südatlantik bis auf unbekannte Zeit zu verschieben.

Dies ist nur der Anfang der Probleme für die Ölindustrie, glauben die Energieexperten der britischen Nichtregierungsorganisation Carbon Tracker, die den Begriff "Kohlenstoffblase" maßgeblich geprägt haben.

Investoren könnten großen Schaden nehmenKommt ein strenger Klimaschutz, müssen die größten 200 Unternehmen auf der Welt etwa 17 Billionen Euro abschreiben, die sie in internationale Kohle-, Öl-, und Gasunternehmen investiert haben, warnt Carbon Tracker.  "Wenn diese Unternehmen untätig bleiben, werden die Investoren großen Schaden nehmen".

Viele Ölgiganten, darunter der US-Konzern Exxon Mobil, zucken angesichts dieses Szenarios immer noch die Achseln. Alles übertrieben, so ihr Argument.

UN-Klimakämpferin Figueres hat nun jedenfalls ein neues Thema gefunden. Sie will die "Kohlenstoffblase" endlich einer breiteren Öffentlichkeit nahe bringen. Sie wird ihre Warnungen wohl auch auf dem derzeit laufenden Weltwirtschaftsforum in Davos vorbringen und mit den weltweit führenden Finanziers und Staatsoberhäuptern diskutieren. “Ich bin nicht die Einzige, die die Bedrohung wahrgenommen hat”, glaubt Figueres.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%