UN-Klimakonferenz: Wie der Klimawandel unsere Gesundheit gefährdet

UN-Klimakonferenz: Wie der Klimawandel unsere Gesundheit gefährdet

von Tobias Finger

Ob Naturkatastrophen, Luftverschmutzung oder extreme Hitze: Der Klimawandel gefährdet die globale Gesundheit.

Neben dem Schwund von Lebensraum, Umweltkatastrophen und anderen Konsequenzen haben Klimawandel und Umweltverschmutzung auch ganz direkte Folgen für unsere Gesundheit. Deshalb warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechtzeitig zum Beginn des Klimagipfels in Paris (COP21) vor den Gefahren für Leib und Leben und mahnt die Staaten, mehr für die öffentliche Gesundheit zu unternehmen – durch ein starkes Klimaabkommen.

Die WHO schätzt, dass 2012 weltweit rund sieben Millionen Menschen durch Folgekrankheiten von Luftverschmutzung starben, was Feinstaubbelastung und Smog zum mit Abstand größten umweltbezogenen Gesundheitsrisiko macht. Zusätzlich, so die Experten, fordert der Klimawandel 250.000 Tote mehr pro Jahr durch die stärke Ausbreitung von Krankheiten wie Malaria, durch extreme Hitze, Diarrhoe durch verschmutztes Wasser und Unterernährung zwischen 2030 und 2050.

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Insbesondere Frauen und Kinder und ganz speziell die Armen in Ländern mit einem sowieso schon geringen Durchschnittseinkommen sind von den Folgen betroffen. Deshalb fordern die Experten der WHO, Investitionen mit dem Ziel die Treibhausgas-Emissionen zu verringern, massiv zu verstärken. So könnten durch höhere Emissionsstandards für Fahrzeuge 2,4 Millionen Menschenleben pro Jahr gerettet werden, kalkuliert die Organisation. Gleichzeitig würde die globale Erwärmung um etwa ein halbes Grad bis 2050 reduziert werden.

Naturkatastrophen bringen Krankheiten und SeuchenDes Weiteren fordert die WHO höhere Preise für Treibstoffe, um deren negative Folgen für die Gesundheit zu kompensieren. Die Forscher sehen hier Einnahmemöglichkeiten von geschätzten drei Billionen US-Dollar – das entspricht der Hälfte der weltweiten Gesundheitsausgaben – bei einer gleichzeitigen Reduzierung der CO2-Emissionen um 20 Prozent.

Zusätzliche Vorschläge und Forderungen beinhalten das Etablieren von Frühwarnsystemen für extreme Hitzewellen, bessere Aufbereitung von und Versorgung mit Trinkwasser und eine umfassendere hygienische Versorgung von Gebieten, die durch Überschwemmungen und Dürren stark belastet sind. Gerade solche Naturkatastrophen begünstigten die Verbreitung von lebensbedrohlichen Krankheiten und Seuchen.

Britische Gesundheitsexperten bilden Allianz für den KlimaschutzGanz ähnliche Forderungen an die Staats- und Regierungschefs bei der COP21 kommen aus Großbritannien. Dort haben sich Ärzte, Krankenpfleger und andere Gesundheitsexperten zusammengeschlossen, um gemeinsam stärkere Zeichen zu setzen und ihren Forderungen mehr Gewicht zu verleihen.

Die Allianz, der neben Ärztevereinigungen auch medizinische Fachmagazine und der Rat für Klima und Gesundheit angehören, hat dabei vier Bereiche festgestellt, in denen akuter Handlungsbedarf besteht: die Verbesserung der Luftqualität, die Sicherung von gesunder und nachhaltiger Ernährung, den ökologischen Fußabdruck der Gesundheitspflege zu reduzieren und schließlich die Verbesserung des sogenannten aktiven Transports, also mehr Laufen und Radfahren statt Autofahren.

Schon jetzt, so die Gesundheitsexperten, beeinflusst der Klimawandel die Gesundheit aller Menschen, nicht nur in ärmeren Ländern, sondern genauso in der sogenannten westlichen Welt. Und die Folgen würden sich nur verschlimmern. Gleichzeitig aber hätten „politische Entscheidungen und Handlungen versagt, die Herausforderungen anzugehen, die die Wissenschaft aufzeigt“.

Während die verschiedenen Pflege- und Gesundheitsprofis auch Gründe für Optimismus sehen, gerade in Ländern wie China und den USA, die kürzlich reduzierte Treibhausgas-Emissionen gelobten, werfen sie der Regierung in London vor, die internationalen Bemühungen zu sabotieren. Gerade das Verbrennen von Kohle müsse im Vereinigten Königreich beendet werden.

Feinstaubbelastung führt zu Schlaganfällen und LungenkrebsDass besonderes diese Forderung der Allianz für die Gesundheit von großer Bedeutung ist, zeigen weitere Studien zur Feinstaubbelastung und ihren gesundheitsschädigenden Folgen.

Demzufolge sind China und Indien die unrühmlichen Spitzenreiter in Sachen Luftverschmutzung, die Zahl der sieben Millionen Toten durch Folgekrankheiten weltweit könnte sich bis 2050 verdoppeln. In großen Teilen Asiens und Afrikas sind es nicht vorrangig Verkehr und Industrie, sondern Dieselgeneratoren zur Energieversorgung und offene, schmutzige Feuer zum Heizen und Kochen, die die Partikel in die Umgebungsluft bringen.

An den anschließenden Todesursachen ändert das jedoch nichts. Schlaganfälle und Herzinfarkte sind laut dem Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz demnach für knapp drei Viertel der Todesfälle verantwortlich, 27 Prozent werden durch Atemwegserkrankungen oder Lungenkrebs verursacht. Die Feinstaubpartikel mit Durchmessern von nur 2,5 Tausendstel Millimeter dringen in die Lunge ein und lagern sich dort ab, wo sie krebsartigen Mutationen auslösen können.

Europa: Landwirtschaft verschmutzt unsere LuftStatt offenem Kochfeuer ist es in Europa, dem Osten der USA, Japan oder Russland der übertriebene Einsatz von Düngemitteln in der Landwirtschaft, der die Luft verseucht. Ammoniak aus dem Dünger gelangt in die Atmosphäre, dessen Derivate Ammoniumsulfat und Nitrat begünstigen die Feinstaubbildung.

So sind in Deutschland die Landwirte für 40 Prozent der Toten in Folge von Luftverschmutzung verantwortlich, wie die MPIC-Forscher herausgefunden haben. Selbstverständlich tragen auch Straßenverkehr und die Nutzung fossiler Brennstoffe ihren Teil zur Belastung bei.

Auch Wüstenstaub und andere natürliche Quellen führen zu Todesfällen. Auch hier begünstigt der Klimawandel eine Zunahme, durch die globale Erwärmung breiten sich Wüsten rasant aus. Trotzdem: Die Verkehrsbelastung sollte als mahnendes Beispiel gelten. Hierzulande sterben doppelt so viele Menschen durch Vekehrsemissionen als Verkehrsunfälle.

Unmittelbare Gefahren für die globale GesundheitInsbesondere Indien und Südostasien werden einen rasanten Anstieg der Todesfälle erleben, so die Experten vom Max-Planck-Institut. Ganz aktuell zeigen die Ereignisse in Indonesien, Vietnam und anderen Staaten der Region, wie massiv die Luft dort belastet ist.

Neben der Feinstaubbelastung gilt es aber auch andere Probleme anzugehen. Krankheiten und Seuchen, Dürren, Überschwemmungen und andere Naturkatastrophen, verschmutztes Trinkwasser und Hungersnöte durch Ernteausfälle und andere Gründe oder extreme Hitzewellen und schwindender Lebensraum durch den steigenden Meeresspiegel – all diese Faktoren stellen unmittelbare Gefahren für unsere Gesundheit dar.

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