UN-Weltklimarat: Eine globale Energiewende muss her - und zwar schnell

UN-Weltklimarat: Eine globale Energiewende muss her - und zwar schnell

von Benjamin Reuter

Die wichtigste Aussage im 3. Teil des Weltklimareports: Die Klimakatastrophe abzuwenden, ist nicht teuer.

Nun ist der fünfte UN-Weltklimabericht seit 1990 fast komplett. Denn am Sonntag präsentierte der Weltklimarat - vertreten durch seinen Chef Rajendra Pachauri (den seine Mitarbeiter nur "Pachi" nennen) und den deutschen Ökonomen Ottmar Edenhofer - den dritten Teil der aktuellen Bestandsaufnahme zum Thema Erderwärmung.

Der Report beschreibt, wie die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen ist. Den Bericht erarbeiteten mehr als 250 Wissenschaftler unter der Leitung von Ottmar Edenhofer, Professor am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)

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Für Politiker mit wenig Zeit für Lektüre haben Edenhofer und seine Mitarbeiter die 2000 Seiten des Reports mit seinen rund 10.000 Fußnoten auf eine Handlungsempfehlung von 30 DIN-A-4-Blättern eingedampft (hier als PDF).

Ende des Jahres soll nun noch ein großer Synthesereport folgen. Der erste Teil des fünften Weltklimaberichtes erschien Ende 2013 und beschäftigte sich mit den wissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels. Der zweite Teil wurde Mitte März publiziert und beschrieb den Stand der Forschung zu den Folgen der Erderwärmung.

Und das sind die drei wichtigsten Aussagen des aktuellen Reports:1. 2010 spuckten vor allem Kraftwerke, Autos und Fabriken 49 Gigatonnen Treibhausgase wie CO2 in die Atmosphäre aus - zwanzig Prozent mehr als im Jahr 2000. Die Welt ist also weit davon entfernt, irgendetwas in Sachen Klimaschutz zu unternehmen. Geht das so weiter, sei mit einer Erderwärmung zwischen 3,7 und 4,8 Grad zu rechnen, sagte Edenhofer bei der Präsentation des Berichtes.

Schon in zehn Jahren ist demnach die CO2-Konzentration in der Atmosphäre so hoch, das eine Erwärmung von mehr als zwei Grad wahrscheinlich ist.

2. Um zumindest mit großer Wahrscheinlichkeit die Zwei-Grad-Grenze einzuhalten, muss der Ausstoß von Treibhausgasen in den kommenden 40 Jahren um 40 bis 70 Prozent sinken. In den folgenden Jahrzehnten muss er dann auf Null fallen.

Der Anteil klimafreundlicher Energieerzeugung  - neben dem Stromsektor schließt das auch die Wärmeproduktion und Verkehr mit ein - müsste sich dafür mindestens verdreifachen; von heute weltweit rund 15 Prozent auf mindestens 45 Prozent. Da aber auch das alles nicht reicht, muss die Menschheit ab 2050 sogar CO2 aus der Atmosphäre entziehen.

3. Die weltweiten Kosten für einen wirksamen Klimaschutz liegen bis 2030 zwischen zwei und vier Prozent des weltweiten Bruttosozialproduktes. "Klimapolitik bedeutet also nicht, dass die Welt auf Wirtschaftswachstum verzichten muss", erklärt Edenhofer. Statt zwei Prozent im Jahr werde die Weltwirtschaft nur noch um 1,96 Prozent wachsen.

Das seien ungefähr die Auswirkungen die Sozialpolitik habe - oder Steuererhöhungen. Zusammengefasst hat Edenhofer den Report in einer griffigen Formel: "Es kostet nicht die Welt, den Planeten zu retten."

Eine ausführliche Analyse des Reports können Sie hier lesen.

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