Upcycling: Ein ägyptisches Startup kämpft gegen den Müll

Upcycling: Ein ägyptisches Startup kämpft gegen den Müll

von Caspar Schlenk

Das Jungunternehmen Refuse aus Kairo macht aus alten Plastiktüten neue Produkte. Ihre Geschäftsidee kam der 23-jährigen Gründerin in Berlin.

Der Tahrirplatz ist von ihrem Büro nur einige hundert Meter entfernt. Doch die 23-jährige Rania Kamel Mohamed braucht den Platz des Arabischen Frühlings nicht für ihre Revolution. Die kann sie auch in ihrem Büro zwischen Laptops und 3D-Druckern planen – eine grüne Revolution: „Nach den Umbrüchen kamen viele neue Ideen hoch“, sagt sie.

Mit ihrem Startup Refuse hat Rania genau eine dieser Ideen verwirklicht: Gemeinsam mit einer Freundin fertigt die junge Unternehmerin aus alten Plastiktüten neue Produkte. Etwa Handtaschen, Handyhüllen – so bunt und unterschiedlich wie die Plastiktüten im Alltag sind, schwarz, blau, lila, weiß.

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250 Einkaufstüten pro JahrIhr Schreibtisch steht im Coworking-Space Ice Cairo, einer Altbauwohnung in der Kairoer Innenstadt. Die Produktdesignerin gibt dort Workshops, wie sich die Plastiktüten in Taschen, Kleider und Portmonees verwandeln. Die meiste Zeit betreut sie jedoch junge Unternehmer und zeigt ihnen die 3D-Drucker und andere Maschinen. Und nebenbei sammelt sie von den Leuten alte Plastiktüten für ihre neuen Produkte.

Sie wusste schon immer, irgendwas ist nicht gut an der Sache. Zweimal pro Woche ging Rania in ihrer Heimatstadt Kairo einkaufen, jedes Mal brauchte sie zwei Einkaufstüten. „Das macht vier pro Woche und ungefähr 20 im ganzen Monat“, erzählt sie. Ungefähr 250 Tüten kommen so pro Jahr zusammen.

Mode aus AbfallBei einem Auslandssemester in Berlin fiel ihr auf, dass die Menschen in Deutschland weniger Tüten verbrauchen. „Es war schon neu für mich, an der Supermarktkasse für eine Tüte zu bezahlen“, sagt sie.

Im Berliner Betahaus kam sie dann mit ihrer ägyptischen Kommilitonin Yara Mohsen auf die Idee aus den vielen Plastiktüten, die in Ägypten rumfliegen, Mode zu machen. Die beiden nahmen die Idee mit nach Hause und begannen vor gut einem Jahr, in Kairo ihr Startup Refuse aufzubauen.

„Jede Tüte hat ihre eigene Geschichte“Von Freunden und aus dem Coworking-Space sammelten sie die Tüten, legten sie übereinander, um sie dann auf dem Stoff zu legen und fest zu bügeln. Sechs Schichten liegen übereinander. So entstehen teilweise kunstvolle Blumenmuster oder es sind noch Fragmente der Tütenbeschriftung zu sehen. „Jede Tüte hat ihre eigene Geschichte“, sagt Rania, deswegen sehe auch jedes Produkt anders aus.

Doch sie will nicht nur Mode machen – sondern mit ihrem Startup mehr bewegen: Sie hängt Poster auf, um die Leute darauf aufmerksam zu machen, weniger Plastiktüten zu verwenden oder den Kaffee nicht immer aus Pappbechern zu trinken. „Start with yourself“, lautet das Motto ihrer Kampagne.

Umweltschutz – auch ohne RegierungEs ist ihre Hoffnung, dass sie langfristig etwas ändert in Ägypten. Erst kürzlich hat die französische Supermarktkette Carrefour in Ägypten wiederbenutzbare Taschen eingeführt (hier geht es zum Werbevideo).

Doch Rania weiß auch, dass sich das Verhalten von 82 Millionen Ägyptern nicht einfach verändern lässt. Auf die neue Regierung will sie sich dabei nicht verlassen: „Um die Umwelt zu schützen, brauchen wir keine Regierung.“

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