Upcycling von Altkleidern: Kreative Startups fordern etablierte Modemarken heraus

Upcycling von Altkleidern: Kreative Startups fordern etablierte Modemarken heraus

von Jonas Gerding

Sie kommen aus Hannover, Osnabrück oder Berlin – junge Mode-Designer nutzen zunehmend ausrangierte Stoffe.

Im Mai hat der Billigheimer Primark seine elfte Filiale in Deutschland geöffnet. Schlangen bildeten sich schon um sechs Uhr morgens in der Kölner Einkaufsmeile, bevor die Verkäufer zum ersten Mal Kunden in den Kleidungs-Discount ließen. Die können sich seitdem mit T-Shirts für drei und Jeans für sieben Euro eindecken.

Wer bei Primark kauft, dem ist meist egal, ob das Oberteil nach ein paar Wochen im Regal verstaubt oder weggeworfen wird. Und dem ist es meist auch egal, unter welchen Bedingungen seine Kleidung genäht wurde.

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Doch das ist nur eine Seite der Entwicklung der Modebranche. Längst haben sich Unternehmen etabliert, die einen anderen Weg gehen - aus eigenem Antrieb oder als Reaktion auf die Exzesse der Wegwerfgesellschaft. Bei der Outdoor-Marke Patagonia zum Beispiel lässt sich die Lieferkette eines Produkts bis zum Urspung der Rohstoffe zurückverfolgen. Und das Streetart-Label Armedangels verpflichtet sich strengen Fair-Trade-Standards.

Jetzt gehen manche Unternehmen noch weiter. Aus ausrangierten Klamotten oder Stoffen, die auf dem Müll landen würden, stellen sie erneut Kleidung her. In einer Aktion hatten wir bei WiWo Green Leser nach Upcycling- und Do-It-Yourself-Ideen gefragt. Sofort erreichten uns neben persönlichen Werken auch Hinweise auf spannende Gründer aus der Modebranche, die sich der Aufwertung verschrieben haben. Diese Anregungen möchten wir Ihnen natürlich nicht vorenthalten - wie auch schon die über inspirierende Möbeldesigner.

Ramsch? Retro-Mode!

Alte Lego-Steine, Emaille-Bildchen und Puzzleteile landen bei Nadine Vieker nicht mit anderem Plunder im Abfall - sondern werden mit viel Kreativität in Schmuck verwandelt. Schon früh hatte sie begonnen zu basteln und ausgefallene Kleidung zu nähen. Erst für sich, dann für Freunde, bis sie vor fünf Jahren in Osnabrück ihr eigenes Geschäft gründete: Kleinkariert. Ihre Produkte sind nach wie vor handgemachte Unikate.

Vieker klappert Flohmärkte und Altkleiderkisten von Bekannten nach Stoffen und gebrauchten Klamotten ab. Manche sind Jahrzehnte alt. Daraus schneidert Nadine Vieker unter anderem Röcke im Retro-Stil der 50er Jahre. Andere sind bunt, in kräftigen Farben zieren sie Muster und Motive: knallrote Kirschen, schwarz-weißes Karo oder Comic-Strips im Stile des Malers Roy Lichtenstein.

Mode-Duo mit MissionLisa Adler und Beatrix Landsbek wollen auch andere mit ihrer Upcycling-Leidenschaft anstecken. Am Fashion Revolution Day, dem internationalen Gedenktag für die Opfer des Einsturzes einer Kleidungsfabrik in Bangladesch, luden die beiden in die Räume ihres Modelabels Super Fashion Rainbow Camp ein. Auch Näh-Einsteiger konnten von ihnen lernen, wie sich aus alten Stoffen fantasievolle T-Shirts kreieren lassen.

Seit 2010 fertigen sie in ihrem Studio in Hannover Upcycling-Fashion. Noch ist es für die beiden nur ein Teilzeitjob, aber das Geschäft wächst. Anfangs kauften sie noch für 20 Euro Kleidung im Secondhandshop auf, mittlerweile wenden sie sich an Einzelhändler oder direkt an Textilhersteller, um an ausrangierte Stoffe zu gelangen. 150 Euro kosten manche der sorgfältig geschneiderten Seidenblusen, die sie kreativ aus alten Stoffen vernähen.

Upcycling im großen Stil

Bei der Berliner Fashion Week Anfang des vergangenen Jahres stellten die beiden Modedesignerinnen aus Hannover ihre Kollektion im Upcycling Fashion Store in der Hauptstadt vor. Auch wenn der Laden Kleidung von kleinen Labels wie dem des Mode-Duos Adler und Landsbek bezieht, zeigt ein Blick in das Sortiment, wohin sich die Modebranche bewegt: Zunehmend wachsen mit dem Geschäftsmodell Upcycling auch größere Unternehmen heran.

Eins von ihnen ist Globe Hope aus Finnland. In vielen Ländern haben sie ein Netzwerk aufgebaut, um über unterschiedliche Kanäle an ausgemusterte Stoffe für ihre Kleidung zu kommen: Sie werten ausrangierte Militäruniformen und verschlissene Bauarbeiter-Overalls auf, nutzen Sitzgurte, Werbebanner und Schiffssegel.

Alt sieht da nichts aus - außer den Kunden, die nach wie vor tütenweise im Klamotten-Discount einkaufen geht.

Anregungen für diesen Beitrag kamen im Rahmen unserer Leser-Aktion "Upcycling und DIY: WiWo Green sammelt kreative Ideen" zusammen. Haben Sie noch etwas Selbstgemachtes aus ausrangiertem Material in petto? Schicken Sie gerne bis Ende Juni Bilder, Links und Infos an jonasgerding@gmail.com. Wir stellen die besten Ideen vor.

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