Urban Gardening: Auch Chinesen begeistern sich jetzt für den Trend

Urban Gardening: Auch Chinesen begeistern sich jetzt für den Trend

von Nora Marie Zaremba

Auf einem ehemaligen Fabrikgelände ist in der Millionenstadt Shenzhen ein riesiger Gemeinschaftsgarten entstanden.

Zwischen Fabrikschornsteinen hält ein Mädchen im rosa Jogginganzug einen Salatkopf in die Luft. Ein Hochzeitspärchen posiert auf einer Backsteinmauer. Drum herum Beete, in denen Kohl wächst. Junge Menschen schnibbeln zusammen Möhren, die in einem großen Topf landen.

Diese Bilder könnten den Prinzessinnengarten in Berlin oder einen Gemeinschaftsgarten aus New York oder Stockholm zeigen. Aber sie kommen aus dem chinesischen Shenzhen – einer der am schnellsten wachsenden Städte der Welt, einem Industrie- und High-Tech-Zentrum. In der Metropole ist ein Urban-Gardening-Projekt entstanden, das es vorher so nirgendwo gegeben hat: die „Value Farm".

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Erster Gemeinschaftsgarten mit Event-FaktorAuf dem brachliegenden Gelände einer ehemaligen Glasfabrik fügt sich der Garten in das ein, was vorhanden ist: In die Überreste alter Steinmauern und Steinbecken, Schornsteine und Silos. Die Bewohner von Shenzhen haben Mauern begrünt und Dächer bepflanzt. Von Anfang an sollten sich die Städter mit ihren Ideen einbringen.

So steht bei dem Projekt der Obst- und Gemüseanbau nicht an erster Stelle. Mindestens genauso wichtig ist der Gemeinschaftsaspekt. Auf der Fläche wird zusammen gegärtnert, musiziert, geheiratet, getanzt und gegessen.

Das ist neu in China. Städtische Gärten waren bisher ausschließlich dazu da, neue Wege für den Anbau von Nahrungsmitteln zu erschließen.

Mehr als 50 Prozent aller Chinesen leben bereits in Städten. Shenzhen liegt im Süden der Volksrepublik und ist nur durch einen Fluss von Hongkong getrennt. Laut Schätzungen beherbergt die Stadt mehr als 10 Millionen Menschen.

Brachflächen wieder aufleben lassenDie Value Farm wurde im Rahmen der Shenzhen-Hongkong City Biennale im vergangenen Jahr angestoßen. Viele der dort vorgestellten Projekte befassen sich mit der Entwicklung ehemaliger Industriestandorte und der Wiederbelebung städtischer Brachflächen.

Der Niederländer Ole Boumann, Direktor der Biennale, möchte für ganz Shenzhen ein Konzept erarbeiten, mit dem brachliegende Gelände künstlerisch und trendig aufgewertet werden und gleichzeitig zur Lösung drängender Probleme wie Umweltverschmutzung, Wohnungsnot oder Nahrungsmittelversorgung beitragen.

Die Value Farm ist das erste konkrete Projekt in diesem urbanen Gestaltungsplan. Noch steht es ganz am Anfang. Ein großer Teil der Fläche muss erst noch gestaltet werden. Auf der eigenen Facebook-Seite des Gemeinschaftsgartens werden bereits die nächsten Aktionen angekündigt: wann die Samen ausgestreut werden, welches Gemüse es auf dem Markt gibt oder welche Band am Abend auftritt.

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