Urlaub im Kaukasus: Einsam, einsam, einsam ... und ein bisschen grün

Urlaub im Kaukasus: Einsam, einsam, einsam ... und ein bisschen grün

von Wolfgang Kempkens

In der Abgeschiedenheit des Kaukasus hat ein Öko-Hotel eröffnet. Vertragen sich Wildnis und Öko-Tourismus?

In der Einsamkeit des Kaukasus in Russland lockt jetzt ein Urlaubsangebot der besonderen Art: Und zwar in einem Hotel an der Südflanke von Europas höchstem Berg, dem 5642 Meter hohen Elbrus, in einer Höhe von fast 4000 Metern. Geübte Bergsteiger können es zu Fuß, weniger geschickte Kletterer per Hubschrauber erreichen.

Das ungewöhnliche Hotel entstand auf Betreiben des North Caucasus Mountain Club, der die Region touristisch erschließt, ohne die Natur zu überfordern (obwohl das bei einer Anreise mit dem Helikopter durchaus fraglich ist). Gebaut und designed haben die Öko-Herberge die italienischen Architekten von Leapfactory, die für ihre ungewöhnliche Alpinarchitektur bekannt sind.

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Das Hotel besteht aus drei zylinderförmigen Einheiten mit einer Nutzfläche von jeweils rund 140 Quadratmetern. Sie wurden komplett vorgefertigt und erst per Schiff und dann per Hubschrauber an ihre Standorte gebracht und auf vorgefertigten Fundamenten befestigt.

Die Gebäude sind optimal wärmegedämmt. Solarzellen mit einer Spitzenleistung von 8,4 Kilowatt und Sonnenkollektoren, die für Strom und warmes Wasser sorgen, bedecken die Dächer. Waschräume und die Haustechnik, zu der unter anderem eine biologische Kläranlage gehört, sind in zwei weiteren zusammenhängenden Modulen untergebracht, die ebenfalls komplett vorgefertigt wurden.

Das Hotel bietet 49 Betten an. Ein Restaurant mit Küche ist ebenso vorhanden wie ein gemütlicher Aufenthaltsraum. Um Energie zu sparen besteht die Beleuchtung ausschließlich aus Leuchtdioden. Alle Räume sind klimatisiert. Verbrauchte Luft gibt ihre Wärme an die zugeführte Frischluft ab. Wasser wird vor Ort durch Schmelzen des reichlich vorhandenen Schnees gewonnen. Das gereinigte Abwasser fließt zurück in die Natur.

Die Lebensdauer des weitgehend aus hochwertigem Kunststoff gefertigten Hotels ist mit

50 Jahren angesetzt. Wer die Klientel in dem nachhaltigen Retreat sein soll, ist dagegen nicht geklärt. Vielleicht entdecken demnächst ja reiche Russen ihren Faible für Öko-Urlaub.

Die Frage bleibt am Ende aber: Sollten tatsächlich auch die letzten Wildnisse und abgeschiedensten Winkel der Erde für den Tourismus erschlossen werden - und darf er sich dann noch Öko nennen?

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