US-Forscher glaubt: Ameisen bremsen Erderwärmung

US-Forscher glaubt: Ameisen bremsen Erderwärmung

Ameisen können beim Bau ihrer Nester Kohlendioxid abbauen. Könnten die Tiere gegen den Klimawandel helfen?

Sie krabbeln beim Grillen innen das Hosenbein hoch, verursachen unangenehmes Brennen auf der Haut und marschieren in Reih und Glied die Küchentheke entlang, wenn es Leckereien zu holen gibt, die sie abtransportieren können – in den meisten von uns rufen Ameisen keine liebevollen Gefühle hervor.

Forscher glauben nun aber herausgefunden zu haben, dass die Krabbeltiere eine Fähigkeit besitzen, die von großem Nutzen im Kampf gegen den Klimawandel sein könnte. Das zumindest legt der Geologe Ronald Dorn von der Arizona State University in Tempe, USA, in einer im Fachmagazin “Geology” veröffentlichten Studie nahe.

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Biochemischer Abbau von CO2Dorn hat beobachtet, dass die kleinen Insekten einen geochemischen Prozess beschleunigen, der klimaschädliches Kohlendioxid aus der Atmosphäre abbaut und bindet: Dabei handelt es sich um die Verwitterung von Silikaten (vulgo Sand) zu Carbonaten, beispielsweise zu Kalkstein. Diesen nutzen einige Ameisen-Arten als Baumaterial für ihre Nester.

Dorn mutmaßt, dass die Ameisen an dem Sand lecken und das dabei aufgenommen Material dann als Kalk an die Wände ihrer Nester kleben. Oder sie könnten den Sand fressen und ihn dann wieder ausscheiden. Die Tierchen wären damit eine Art wandelnder Betonmischmaschine.

Das Wissenschaftsportal “Life Science” erklärt die Implikationen folgendermaßen: “Diese Ameisen-Kalkstein-Fabrik ist wie eine Miniversion des gigantischen Prozesses, mit dem die Ozeane den Planeten kühlen.” Die Ozeane entziehen CO2 aus der Atmosphäre und speichern es (was allerdings zu deren Versauerung führt und wiederum Meeresbewohner schädigt).

Die Idee also: Könnte man diesen Prozess künstlich nachbilden, ließe sich der Atmosphäre das Kohlendioxid entziehen.

Entscheidende Rolle in der Klima-EntwicklungDorn und sein Team haben von sechs Orten in Arizona und Texas beobachtet, dass Ameisen die Umwandlung von Sand in Klakstein beschleunigen. Dorn begann mit seinen Forschungsarbeiten schon vor 25 Jahren. Erst jetzt trat er mit seinen Ergebnissen an die Öffentlichkeit.

Aber noch immer sind viele Fragen in der Studie offen, wie der Geologe selbst zugibt. Die Erkenntnisse der Forscher geben zum Beispiel keine Auskünfte darüber, wie viel CO2 dank der Ameisen aus der Atmosphäre verschwindet. “Wir stehen ganz, ganz am Anfang mit unserer Forschung”, betont Dorn.

Die Wissenschaftler sind sich aber schon jetzt ziemlich sicher: Ameisen haben in Tausenden von Jahren eine entscheidende Rolle in der Klimaentwicklung der Erde gespielt – mehr als die allermeisten anderen Lebewesen außer der Mensch.

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