Verkehrsplanung: So sieht die sichere Kreuzung für Fahrradfahrer aus

Verkehrsplanung: So sieht die sichere Kreuzung für Fahrradfahrer aus

von Felix Ehrenfried

Schon kleine Umbauten machen Kreuzungen sicher für Fahrradfahrer, glaubt ein US-Stadtplaner.

Wollen Stadtplaner den Anteil der radelnden Bevölkerung erhöhen, heißt die Lösung meist: Neue Fahrradwege müssen her. Denn Städte wie Kopenhagen und Amsterdam zeigen, dass es gerade geschützte, vom Autoverkehr klar abgetrennte Fahrradwege sind, die Leute zum Umstieg aufs Rad motivieren.

Denn nur wenige wollen sich als Fahrradfahrer durch Automassen schlängeln, außerdem ist vielen die Gefahr eines Unfalls zu hoch, wenn der Fahrradweg nur als Spur am Straßenrand aufgemalt ist.

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So setzen Städte zunehmend auf abgetrennte, geschützte Fahrradwege, die sich beispielsweise durch Beete oder Parkplätze klar von der Autospur abheben, also durch ein Hindernis vor Autos geschützt sind.

Jedoch verliert jeder noch so gut abgetrennte Fahrradweg seinen Schutz, wenn es an eine Kreuzung geht. Denn dort, wo sich Fahrspur von Auto und Fahrrad schneiden, ist eine Trennung nicht mehr möglich, hier muss der Radler seinen geschützten Fahrradweg verlassen.

In den Niederlanden begegnet man diesem Problem der sich schneidenden Fahrrad- und Autospuren, mit einer effektiven, aber nicht ganz günstigen Lösung. Dort wurde vor einiger Zeit an einer vielbefahrenen Kreuzung der erste, schwebende Kreisverkehr für Radler eingeweiht. An einer Stahlkonstruktion befestigt, hängt der Kreisverkehr über der Kreuzung. So können Fahrradfahrer die Kreuzung passieren oder abbiegen, ohne auch nur in die Nähe eines Autos zu kommen.

Allerdings ist solch eine architektonische Lösung teuer, außerdem eignet sie sich nicht für enge Innenstädte, in denen Platz Mangelware ist. Der amerikanische Stadtplaner Nick Falbo hat jetzt eine Lösung entwickelt, die wesentlich günstiger ist und  Verkehrskreuzungen erheblich sicherer machen könnte. Das Konzept hat Falbo pragmatisch "Sicherere Kreuzungen für Fahrradfahrer" getauft. Seine Kreuzung zeichnet sich durch vier Komponenten aus:

1. Verkehrsinseln zum Schutz der Radler

Die vermutlich auffälligste und wichtigste Komponente von Falbos Kreuzungskonzept sind Verkehrsinseln, die an den Ecken der Kreuzung installiert werden (auf der Grafik links in rot). Fahrradfahrer bewegen sich an der Innenseite vorwärts, Autos müssen außen herumfahren. Die Verkehrsinseln ragen einige Meter in die Kreuzung hinein, sodass Autofahrer schon vor dem Abbiegen Fahrradfahrer erkennen, die auf der Innenseite die Kreuzung passieren wollen - außerdem gibt es keinen blinden Fleck mehr.

Diese Distanz soll es Radlern wie Autofahrern ermöglichen auszuweichen oder anzuhalten, um einen Zusammenstoß zu vermeiden. Außerdem sorgen die Verkehrsinseln für eine Abtrennung zwischen Autos und Radlern (in der Grafik weiß), die an der Kreuzung auf die Grünphase der Ampeln warten. Fahrradfahrer, die nach rechts abbiegen, müssen außerdem die Kreuzung gar nicht mehr passieren, da sie vor der Verkehrsinsel abbiegen.

"Durch die Inseln fühlen sich Radfahrer nie hilflos, dem Verkehr ausgeliefert oder unsicher, wohin sie fahren müssen", erklärt Falbo die Vorteile.

2. Vorgelagerte Haltelinien für Fahrradfahrer und Fußgänger

Dank der Verkehrsinseln warten Radler und Fußgänger einige Meter vor Autos auf grünes Licht an der Ampel. Neben der schon erwähnten, besseren Sichtbarkeit der Biker bringt dieser Versatz zwei weitere Vorteile mit sich. Zum einen haben Radler einen Vorsprung gegenüber Autos, wenn die Ampeln auf grün schalten. Im Optimalfall haben alle Radler die Kreuzung also schon überquert, bevor die Autos überhaupt abbiegen.

Außerdem müssen dank der vorgelagerten Haltelinie Fahrradfahrer wie Fußgänger eine kürzere Strecke zurücklegen, um die Kreuzung zu überqueren.

3. Versetzte Fahrrad-und FußgängerspurWährend die Haltelinien für Radler und Fußgänger leicht in die Kreuzung ragen, ist die Spur, auf der beide die Kreuzung überqueren, seitlich versetzt zur Autospur. Dadurch entsteht ein Abstand zwischen Radlern und Autos, sie passieren nicht direkt nebeneinander die Straße.

Im Optimalfall soll dieser Abstand sechs Meter betragen. "Das entspricht ungefähr einer Autolänge, der kritischen Distanz die es noch ermöglicht, Kollisionen zu vermeiden", erklärt Falbo.

4. Auf Fahrradfahrer abgestimmte Ampelschaltungen

Damit Fußgänger, Radler und Autos Kreuzungen möglichst schnell und voneinander getrennt passieren können, schlägt Falbo eine speziell abgestimmte Ampelschaltung vor. Die könnte beispielsweise so aussehen, dass die Abbiegespuren von Autos rot haben wenn gerade Fahrradfahrer die Kreuzung geradeaus passieren.

Eine andere Lösung wäre, die Ampelphasen für Radler und Autofahrer komplett voneinander zu trennen.

So könnten Fahrradampeln auf der gesamten Kreuzung auf grün stehen, während alle Autoampeln rot zeigen. Dann könnten Radler in alle Richtungen abbiegen oder auf der Kreuzung umdrehen, ohne Sorgen vor einem Autocrash zu haben. Dass es dabei zu Zusammenstößen zwischen Radlern kommen könnte, hält Falbo für unwahrscheinlich: "Selbst bei hohem Fahrradaufkommen können sich Radler gut mit dem vorhanden Platz arrangieren."

Da sich solche Grünphasen für Radler manchmal nur schwer realisieren lassen, schlägt der amerikanische Planer einen zeitlichen Vorsprung für Radler als Alternative vor: Die Ampeln von Bikern und Fußgängern schalten "zwischen zwei und fünf Sekunden" früher auf grün als die von Autos, so sein Vorschlag.

 Inspiriert durch niederländische VerkehrsplanungDie Ideen für sein Kreuzungskonzept kamen Falbo als er die Verkehrsführung in den Niederlanden untersuchte, schreibt der Treehugger-Blog. Jetzt will Falbo mit weiteren Untersuchungen die Umsetzbarkeit seines Konzepts demonstrieren.  Außerdem will er auf der Projekt-Website bald erste Designentwürfe vorstellen.

Das Konzept von Falbo hat Potenzial, Verkehrskreuzungen auf der ganzen Welt sicherer für Fahrradfahrer zu machen. Denn anstatt auf große bauliche Veränderungen, setzt er auf eine intelligente Vernetzung von bestehender Infrastruktur, verbunden mit kleinen, günstigen Umbauten.

Damit könnten Stadtplaner auf der ganzen Welt mit wenig Kosten viel bewirken: nämlich mehr Menschen die Angst vorm Fahrradfahren zu nehmen. Dass radelnde Städter gut für die Wirtschaft sind, hat jüngst eine amerikanische Untersuchung ergeben.

Hier ein Erklärvideo zur sicheren Kreuzung:



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