Verkehrswende: Lateinamerikas Bürgermeister sagen Autos den Kampf an

Verkehrswende: Lateinamerikas Bürgermeister sagen Autos den Kampf an

von Nora Marie Zaremba

Die Bürgermeister von Buenos Aires, Mexiko Stadt und Rio wollen mehr Klimaschutz.

In Südamerika leben derzeit mehr als 80 Prozent der Menschen in Städten – mehr als irgendwo sonst auf der Welt. Bis zum Jahr 2050 könnten es sogar bis zu 90 Prozent der Bevölkerung sein.

Entsprechend chaotisch geht oft es auf den Straßen der Metropolen zu. Die beliebten Fortbewegungsmittel Motorrad und Auto sorgen nicht nur für lange Staus. Sie schaden vor allem dem Klima und verpesten die Luft.

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Eine Verkehrswende für SüdamerikaAngesichts dieser Probleme haben sich die Bürgermeister von 21 großen lateinamerikanischen Städten nun gemeinsam dazu entschlossen, die Verkehrswende einzuleiten. 150.000 neue Elektrobusse sollen bereits bis zu zwei Millionen Tonnen CO2 einsparen. Mehr sollen folgen.

Ein Vorbild für den Umbau der Verkehrsnetzes ist die brasilianische Stadt Curitiba. Dort entstand seit den 70er Jahren ein großes Busnetz; den Trend zum eigenen Auto konnte das zumindest abbremsen.

Die in Buenos Aires unterzeichnete "Bürgermeistererklärung" spricht sich außerdem für mehr Transparenz im Klimaschutz aus.

Wie viel Treibhausgase genau verursacht der Verkehr, die Müllentsorgung oder die zunehmende Versiegelung von Flächen? Bisher blieben solche Zahlen weitesgehend im Dunkeln. Orientieren sollen sich die Messungen an internationalen Standards wie dem "Globalen Protokoll", das den klimaschädlichen Einfluss solcher Sektoren ermittelt.

Die Bürgermeister wollen auch mehr Gesundheitsaufklärung. Welche Gefahren gehen beispielsweise von einer städtischen Hitzeinsel aus? Die Bewohner von Buenos Aires, Mexiko Stadt oder Rio sollen auch lernen, warum ein begrüntes Dach diesen Gefahren entgegenwirken kann.

Klimaschutz scheitert ohne die StädteUrbane Nachhaltigkeits-Maßnahmen könnten bis 2030 insgesamt mehr als 2500 Millionen Tonnen CO2 reduzieren, glauben Experten. Dazu gehören verbesserte Maßnahmen im Nahverkehr, die Unterstützung lokaler grüner Industrien oder der Ausbau von erneuerbaren Energien.

Das Abkommen ist Teil der sogenannten „C40 Gruppe“, einem Bündnis von mehr als 75 Großstädten auf der ganzen Welt. Ziel der Initiative ist es, Städte klimafreundlicher zu machen.

In Europa gehören dem Bündnis unter anderem Kopenhagen, Oslo, London oder auch Warschau an. Berlin ist nicht dabei. Vor zwei Wochen erst sind die jordanische Hauptstadt Amman oder das indische Jaipur beigetreten.

Der Präsident der Gruppe ist kein anderer als der ehemalige Bürgermeister New Yorks, Michael Bloomberg. In seinen Augen gelingt Klimaschutz nur, wenn sich die Städte auf der ganzen Welt beteiligen.

Das Signal der lateinamerikanischen Bürgermeister kommt zum richtigen Zeitpunkt. Im Dezember findet in Paris die 21. internationale Klimakonferenz statt. Was dabei herauskommt, wird den Staaten südlich von Mexiko nicht egal sein.

Mehr Unterstützung gefordertAuf der Klimakonferenz im peruanischen Lima im Dezember 2014 haben Vertreter der lateinamerikanischen Staaten massiv nach mehr Unterstützung im Kampf gegen den Klimawandel verlangt. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) prognostiziert für Lateinamerika als Folge des Klimawandels stärkere Regenfälle mit Überschwemmungen und auch Trockenheit mit Ernteeinbußen und Waldbränden. Der ansteigende Meeresspiegel stellt zudem eine Gefahr für Menschen dar, die in Küstennähe wohnen.

Auf dem Kontinent selbst aber beruht der Großteil der Emissionen nicht wie in den Industrieländern auf der Energiegewinnung oder dem Straßenverkehr.

Fast 50 Prozent der insgesamt jährlich mehr als fünf Gigatonnen CO2 entstehen durch Landnutzung und Waldverlust. Ein erster Schritt, der klima- und umweltschädlichen Abholzung entgegenzuwirken, ist getan: Minister aus Chile, Kolumbien, Ecuador und weiteren Staaten haben letztes Jahr zugesagt, in den kommenden sechs Jahren 20 Millionen Hektar Wald wieder aufzuforsten. Das ist eine Fläche fast so groß wie Großbritannien.

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