Vernetzter Verkehr: Sind Autos in Helsinki bald überflüssig?

Vernetzter Verkehr: Sind Autos in Helsinki bald überflüssig?

von Felix Ehrenfried

Eine finnische Studentin will mit einer App den öffentlichen Nahverkehr Helsinkis vernetzen und so Privatwagen aus der Stadt verbannen.

Die finnische Hauptstadt Helsinki gilt unter Architekturfreunden als Hochburg des Jugendstils. Schafft es eine finnische Studentin die Stadtverwaltung von ihren Plänen zu überzeugen, dürfte Helsinki außerdem schon bald Vorbild für Stadtplaner weltweit sein, wenn es um den innerstädtischen Verkehr geht.

Wie der britische Guardian und der Cleantechnica-Blog berichten, hat die finnische Studentin Sonja Heikkilä kürzlich ein Konzept präsentiert, wie Helsinki schon bald zum Vorreiter in Sachen vernetztem Nahverkehr werden könnte.

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Heikkilä glaubt, dass die digitale Vernetzung aller öffentlichen Verkehrsmittel, von Bus und Straßenbahn über Fähre bis hin zu Bikesharingangeboten schon bald den Besitz eines eigenen Autos für viele Stadtbewohner überflüssig macht.

Wer also in Helsinki unterwegs sein will, tippt auf seinem Smartphone einfach Start- und Endpunkt ein. Das System berechnet, wo und wann man in welches Verkehrsmittel steigen muss um möglichst schnell ans Ziel zu kommen. Mit der App seien Nutzer so unabhängig wie mit dem eigenen Auto, kämen aber umweltfreundlicher und günstiger von A nach B, freut sich Entwicklerin.

So individuell wie ein Taxi,so günstig wie ein LinienbusAußerdem soll man über die App auch gleich alle Dienste bezahlen können, sodass umständliches Anmelden auf zahlreiche Plattformen entfällt. Schon jetzt gibt es in Finnlands Hauptstadt ein System, das eine kleine Revolution in Sachen öffentlichem Nachverkehr darstellt. Hinter dem exotischen Namen Kutsuplus versteckt sich ein Minibusservice, der keine festen Haltestellen anfährt, sondern auf den Kunden angepasste Routen nutzt.

Möglich macht das die eigene App, über die Nutzer den Bus buchen. Sie berechnet auf Basis der Präferenzen der Mitfahrer eine optimale Route, die für jeden Fahrgast so nah wie möglich am gewünschten Zu-und Aussteigepunkt liegt. Damit ist Kutsuplus komfortabler als ein normaler Bus aber günstiger als ein Taxi.

Und genau hier liegt der Knackpunkt, mit dem Sonja Heikkilä für eine Revolution im Stadtverkehr von Helsinki sorgen will:  Alle öffentlichen Verkehrsmittel miteinander zu verknüpfen, könnte dafür sorgen, dass jeder Nutzer zeitlich ungebunden direkt an sein gewünschtes Ziel transportiert wird, gleichzeitig entfällt die lästige Parkplatzsuche und die Kosten, die mit einem eigenen Auto verbunden sind.

Bisherige Nahverkehr-Apps, wie in Deutschland die der Deutschen Bahn, verknüpfen zwar auch unterschiedliche Verkehrsmittel wie Zug und Linienbus miteinander und errechnen den optimalen Fahrplan für den Nutzer. Allerdings greifen diese Anwendungen meist nur auf "klassische" Verkehrsmittel zurück.

Neuartige Angebote wie Carsharing, Bikesharing oder eben der genannte "Individualbus" Kutsuplus bleiben außen vor. Außerdem zeigen bisherige Apps nur den Fahrplan, einheitliches Bezahlen ist hingegen nicht möglich.

Auch deutsche Großstädte könnten profitierenDiese Individualisierung des Nahverkehrs dürfte genau den Wünschen einer jungen, vernetzen und umweltbewussten Generation entsprechen, die nicht unbedingt ein eigenes Auto besitzen müssen, glaubt der Guardian.

Auch wenn damit Privatwagen sicherlich nicht vollkommen aus den Städten verschwinden dürften, zeigt es doch, was mit intelligenter Verknüpfung alles möglich ist. Denn in vielen Städten, auch in Deutschland, mangelt es nicht an öffentlichen Verkehrsmitteln. Jedoch machen unterschiedliche Bezahlsysteme und nicht verknüpfte oder synchronisierte Fahrpläne es umständlich, diese Verkehrsmittel zu kombinieren.

Würde ein Unternehmen alle Dienste in einer App bündeln und gleichzeitig ein einheitliches Bezahlsystem und reibungsfreies Umsteigen garantieren, dürften auch hierzulande viele Stadtmenschen und Pendler den eigenen Wagen häufiger stehen lassen. Eine Herausforderung dürfte jedoch die Umsetzung bereiten. Zum einen müssten Transportunternehmen mit so einer Kooperation ihre Preispolitik anderen überlassen, außerdem bleibt die Frage der Sicherheit von Benutzerdaten.

Jetzt können die finnischen Entwickler und die Stadtverwaltung von Helsinki zeigen, ob sich solch ein Konzept realisieren können. Dafür haben sie sich bis 2025 Zeit gegeben. Dann könnten rechnerisch täglich bis zu 1.5 Millionen Finnen aus dem Großraum Helsinki das System nutzen und beweisen, dass Individualverkehr auch ohne eigenes Auto geht.

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