Verseuchung: Neuartige Flüssigkeit reinigt Böden

Verseuchung: Neuartige Flüssigkeit reinigt Böden

von Wolfgang Kempkens

Das erste Mal ist es Forschern aus Deutschland in der Nähe von Celle gelungen, chemisch verseuchte Böden mit einer neuartigen Flüssigkeit zu säubern.

Viele Munitionsfabriken, Chemikalienhersteller, Kokereien und militärische Einrichtungen haben den Boden und das Grundwasser mit hochgiftigen Mixturen verseucht. Die Sanierung ist aufwendig. Man kann Chemikalien und Bakterien in den Untergrund pumpen, die jahrelang brauchen, um die Schadstoffe zu knacken. Oder die verseuchte Erde abbaggern und sehr hohen Temperaturen aussetzen, die das Gift zerstören.

Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig und des Hamburger Umweltspezialisten Golder Associates haben jetzt eine neue Möglichkeit erfolgreich erprobt. In der Nähe von Celle in Niedersachsen pumpten sie 20 Kilogramm einer Flüssigkeit in den verseuchten Untergrund, die einen Verbundwerkstoff enthielt. Er besteht aus winzigen Aktivkohlekörnchen, an denen nanometergroße Eisenpartikel kleben (ein Nanometer ist ein Millionstel Millimeter).

Anzeige

Die Aktivkohle zieht die Schadstoffe aus dem Wasser und bindet sie an sich. Dann treten die Eisenpartikel in Aktion. Sie reagieren mit dem Gift, sodass es seine umweltzerstörende Wirkung verliert.

In Celle galt es, auf einem ehemaligen Militärgelände das giftige und Krebs erzeugende Perchlorethen zu zerstören, das früher zum chemischen Reinigen und als Lösungsmittel verwendet wurde. Die Ergebnisse mit dem Carbo-Iron genannten Material, das in Wasser schwebt und sich daher gut verteilt, waren ermutigend.

Zum einen wurden die Schadstoffe effektiv abgebaut. Zum anderen war das, was von Carbo-Iron nach der Reaktion übrig blieb, nicht giftig. Die UFZ-Forscher stellen das Abbausystem auf der AquaConSoil 2013, der größten europäischen Konferenz zum Management von Boden-Wasser-Systemen in Barcelona vor, die am 16. April beginnt.

Carbo-Iron ist Teil des Projekts „Eisenbasierte Nanopartikel und Nanokompositstrukturen zur Schadstoffentfernung aus Grund- und Abwässern (Fe-NANOSIT)“, an dem mehrere Unternehmen und Forschungseinrichtungen beteiligt sind. Das von Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Vorhaben, das in diesem Jahr abgeschlossen wird, soll die oft überraschenden Eigenschaften von Materialien im Nanomaßstab für den effektiven und kostengünstigen Abbau von Schadstoffen in der Umwelt nutzen.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%