Videospiele: Die grünste Stadt der Welt entsteht im Computer

Videospiele: Die grünste Stadt der Welt entsteht im Computer

von Malte Laub

Umweltfragen kommen in der Popkultur an: In der grobpixeligen Climate Hope City können Gamer nun durch die nachhaltigste Stadt der (virtuellen) Welt streifen.

Karbonfilter saugen CO2 aus der Luft, kinetische Bürgersteige wandeln Schritte in Energie um und Bürogebäude erzeugen ihren eignen Strom mit Fenstern aus Solarglas und Windrädern auf ihren begrünten Dächern.

All diese Technologien sind bereits irgendwo auf der Welt im Einsatz oder existieren zumindest als Prototypen. Zusammengeführt wurden sie nun erstmals in Climate Hope City, also Klimahoffnungsstadt, einer Metropole, in der auch fahrerlose Autos unterwegs sind, LED-Laternen die Straßen beleuchten und Fahrradautobahnen den Verkehr entlasten.

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Auf einer irdischen Landkarte befindet sich diese wahrscheinlich grünste Stadt der Welt bislang allerdings nicht. Sie existiert nur digital im global erfolgreichen Computerspiel Minecraft – vielleicht am besten beschrieben als hochgezüchteter digitaler Kasten Bauklötzchen für Erwachsene.

Grüne BlöckeAus abertausenden einzelnen bunten Steinchen haben Adam Clarke, der sein Geld mit Minecraft-Modellen für Museen sowie Videos zu seinen Projekten verdient, und das ebenfalls auf das Spiel spezialisierte Architektur,- Künstler- und Design-Kollektiv BlockworksMC die Stadt mit ihrer High-Tech-Ausstattung errichtet.

Bauherr war der britische Guardian, der die Stadt als Teil seiner Kampagne „Keep it in the ground“ in Auftrag gegeben hat.  Das Projekt richtet sich an die zwei größten Charity-Fonds der Welt, die Stiftung von Bill und Melinda Gates und den Londoner Wellcome Trust, und fordert sie auf, ihre Investments in fossile Brennstoffe aufzugeben, die Ressourcen also im Boden zu  belassen.

Um das Anliegen voranzutreiben, hatte der für seinen Internet-Pioniergeist bekannte und mittlerweile nach 20 Jahren an der Spitze abgetretene Chefredakteur Alan Rusbridger angekündigt, journalistisch neue Wege zu gehen.

Umweltfragen halten Einzug in die PopkulturDie Climate Hope City ist so einerseits Spielwiese für klimainteressierte Gamer, anderseits bestätigt sie den Trend, dass grüne Themen und Fragen des Klimawandels immer stärker in der Popkultur ankommen.

Bereits 2004 drehte sich der Hollywoodfilm „The Day After Tomorrow“ von Regisseur Roland Emmerich um die katastrophalen Auswirkungen eines rapiden Klimawandels, nachdem die eindringlichen Warnungen von Wissenschaftlern auf einer Klimakonferenz kein Gehör fanden. Die Hitserie Game of Thrones, deren fünfte Staffel unlängst endete, wurde von der Politikwissenschaftlerin Charli Carpenter schon 2012 auf ihre Tauglichkeit als Parabel für reale Probleme untersucht. Auch den Klimawandel sieht sie im Lied von Eis und Feuer abgebildet, unheilvoll angekündigt im Leitspruch des Hauses Stark („Winter is coming“) und verkörpert durch die bedrohlichen und kaum besiegbaren White Walkers, wie das amerikanische Portal Vox.com unlängst sekundierte.

Nun schafft es das Thema Nachhaltigkeit also in eines der aktuell bekanntesten Computerspiele. Minecraft-Gamer können Climate Hope City übrigens selbstständig erkunden, die Datei kann man hier kostenlos herunterladen. Alle anderen müssen sich mit dem oben eingebetteten geführten Video-Rundgang begnügen oder können sich auf den Seiten der BBC in einem kleinen Flash-Spiel in der Rolle des Präsidenten der Vereinten Nationen spielerisch mit der energetischen Zukunft befassen. Die Qualität der Grafik zumindest dürfte die Entscheidung nicht erschweren.

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