Vordenker: Wie stellen Sie sich die Stadt der Zukunft vor, Zhang Yue?

Vordenker: Wie stellen Sie sich die Stadt der Zukunft vor, Zhang Yue?

von Matthias Streit

Auf WiWo-Green erklären renommierte Forscher und Entwickler, wie sie sich die Stadt der Zukunft vorstellen.

WiWo Green ist in diesem Jahr Medienpartner der TEDx-Konferenz in Berlin. Am 6. und 7. September werden in der Hauptstadt mehr als ein Dutzend Expertinnen und Experten unter anderem aus den Bereichen Design, Medizin und Städteplanung ihre Ideen für die Metropolen der Zukunft präsentieren. Wer in Berlin live dabei sein möchte, kann an unserem Gewinnspiel für 5x2 Tickets teilnehmen. Alle Informationen gibt es unter diesem Link. Außerdem werden wir die Konferenz an beiden Tagen live im Videostream übertragen. 

Zur Einstimmung auf die Konferenz haben wir ausgewählten Rednern von TEDx in Berlin einen Fragebogen geschickt. Den Auftakt macht Zhang Yue, CEO und Gründer der chinesischen BROAD-Group. Das Unternehmen ist Hersteller für nachhaltige Gebäudetechnik, insbesondere im Feld der Klimatisierung. Für seine Innovationen hat Zhang mehr als 200 Patente angemeldet. 2011 wurde dem Chinesen der Champions of the World-Preis des Umweltprogramms der Vereinten Nationen verliehen.

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1.Was ist die größte Herausforderung der Städte in den nächsten Jahrzehnten?Meiner Meinung nach gibt es zwei große Herausforderungen. Die erste ist die des sogenannten Functional Zonings (Anm. d. Red.: wenn sich Gebäude mit gleicher Funktion an einem Ort konzentrieren), weil diese Art des Städtebaus eine immer größere Belastung durch Verkehr und Transport nach sich zieht. Die zweite ist mit dem Wirtschaftswachstum verbunden. Durch höheren Lebensstandard sehnen sich Menschen nach immer mehr Komfort, so dass sie mehr Energie für Klimatisierung, Heizung und ähnliches verbrauchen.

2.Wie lassen sich diese Aufgaben lösen?Im ersten Fall, indem wir sogenannte „Kompakte Gemeinden“ oder „Inklusive Gemeinschaften“ schaffen. Bei inklusiven Gemeinschaften können die Menschen an ein und demselben Ort wohnen, studieren und arbeiten, finden gleichzeitig dort aber auch Krankenhäuser oder Unterhaltung. Das Konzept der kompakten Gemeinden setzt darüber hinaus auf eine hohe Wohndichte mit unterschiedlichen Nutzungen auf einer kleinen Fläche. Wir sprechen hier konkret von Hochhäusern mit mehr als 30 Stockwerken.

Um die zweite Herausforderung zu lösen, brauchen wir unbedingt bessere Wärmedämmung. Das geht beispielsweise mit drei- oder vierfach verglasten Fensterscheiben, äußerlich angebrachten Schattenspender oder 20-30 Zentimeter dicke Wärmeisolierung. Das kommt natürlich immer auf das Klima an.

3.Welche drei Eigenschaften machen eine Stadt lebenswert?Erstens: kurze Distanzen. In der Stadt sollte man zu Fuß eigentlich alles erreichen können. Für längere Strecken sollte ein Fahrrad ausreichen. Dafür muss allerdings das Fahrradwege-Netz weiter ausgebaut werden. Zweitens: geringer Energieverbrauch von Gebäuden. Das spart rein wirtschaftlich Geld und schont die Umwelt. Und schließlich macht drittens eine sehr gute Luftqualität eine Stadt erst lebenswert.

4.Welches urbane Projekt hat Sie in den letzten Monaten am meisten fasziniert und warum?Ganz klar der Wolkenkratzer Broad 202 Sky City. Er spiegelt all unsere oben beschriebenen Ideale für eine Stadt wieder. (Anm. d. Red.: Der 838-Meter hohe Wolkenkratzer soll bis März 2014 in nur sieben Monaten Bauzeit in Changsha, China entstehen)

5.Was ist Ihre Lieblingsstadt? Aus welchen Gründen?Berlin. Zum ersten hat es eine sehr gute Luftqualität, zum zweiten sprudelt die Stadt geradezu vor Leben und kann doch sehr ruhig sein. Es gibt keine erhöhten Straßen und kaum Staus. Zum dritten gibt es quasi an jeder Ecke einen Laden für Bio-Lebensmittel. Und zum vierten muss in sämtlichen neuen Gebäuden eine 30 Zentimeter-Wärmeisolation verbaut werden. Viele Häuser werden außerdem saniert und Subventionen der Regierungen machen es sogar möglich, dass die Leute aus freien Stücken ihre Wärmeisolation aufbessern.

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