Washington: US-Startup baut größtes urbanes Gewächshaus der Welt

Washington: US-Startup baut größtes urbanes Gewächshaus der Welt

von Tobias Finger

Mitten in der US-Hauptstadt Washington wachsen künftig 450 Tonnen Obst und Gemüse pro Jahr.

Eine ungenutzte Fläche von etwa 9300 Quadratmetern ist in modernen Städten nur schwer zu finden. Als unmöglich könnte man das Projekt in den meisten US-amerikanischen Großstädten erachten – und erst recht in der Hauptstadt, in Washington D.C.

Doch genau dort, im Stadtteil Southeast der Millionenstadt, wird das größte innerstädtische Gewächshaus der Welt entstehen – nur einen Katzensprung entfernt vom Abnehmer der frischen Produkte, einem "Giant Food Store".

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Jährlich sollen mehr als 450 Tonnen frisches Obst und Gemüse aller Art geerntet werden können – das würde für die ganzjährige Versorgung von 30 Supermärkten in der Metropole reichen. Ermöglicht wird das Megaprojekt durch einen kürzlich abgeschlossenen Deal der Supermarktkette Giant Food mit dem US-Startup BrightFarms.

Das Unternehmen hat sich auf den Bau und Betrieb von Gewächshäusern in Städten spezialisiert und legte erst 2011 mit einem Startkapital von 4,3 Millionen US-Dollar los. Schon in der Zeit davor hatte Brightfarms-CEO Paul Lightfoot an Urban-Farming-Konzepten gearbeitet. Er gilt als einer der Pioniere der Landwirtschaft in der Stadt.

Bildungsstätte für NachhaltigkeitDas Geschäftsmodell von BrightFarms sieht so aus: Die Geschäftspartner wie Giant Food „leasen“ die Gewächshäuser, sie unterzeichnen also einen langfristigen Abnahmevertrag für die angebauten Produkte. Während BrightFarms die Finanzierung, den Bau und den weiteren Betrieb der Stadtfarm managt, profitieren die Märkte von festen, verlässlichen Preisen für die Produkte.

In Washington funktioniert das Modell auch deshalb, weil Baugrund in Southeast vergleichsweise günstig ist - der Stadtteil gilt als Problemgegend mit hoher Kriminalitätsrate.

Dieses Konzept hat vor den Giant-Supermärkten der Metropolregion Washington D.C. bereits eine Vielzahl anderer Interessenten angelockt, zum Beispiel in Kansas City, Oklahoma City, St. Louis, St. Paul und weiteren Städten in den USA. In Indianapolis soll demnächst ein weiteres Gewächshaus entstehen, das ganze 97 Supermärkte bedienen könnte.

Wenn das Washingtoner Gewächshaus wie geplant im Herbst dieses Jahres eröffnet, soll es nicht nur nachhaltig und lokal angebautes, frisches Obst und Gemüse produzieren, sondern auch als Beispiel und Bildungsstätte für nachhaltige und innerstädtische Agrarwirtschaft für Schulklassen dienen.

Auch die Stadtverwaltung macht mitMit der Stadtfarm will die Giant Food-Kette nach eigener Aussage auch Gesundheit und Nachhaltigkeit im lokalen Bereich fördern. Denn durch den Bau des Gewächshauses entstehen bis zu 20 Vollzeitjobs in der „grünen“ Wirtschaft, weitere 100 Arbeitsplätze werden während des eigentlichen Baus geschaffen. Zusätzlich wird schlecht oder gar nicht genutzter Baugrund für die nachhaltige Landwirtschaft verwendet.

Der dritte Partner in der neuen Verbindung kommt aus der Verwaltung der US-Haupstadt. Die Abteilung für „General Services“ im Rathaus wird BrightFarms beim Betrieb der Anlage unterstützen und somit den Plan von Bürgermeister Vincent C. Gray vorantreiben, D.C. zur "grünsten, gesündesten und lebenswertesten Stadt" der Staaten zu machen.

Auch auf Dächern wächst GemüseBrightFarms hat neben den urbanen Gewächshäusern noch andere Projekte, die in den Bereich des Stadtgärtnerns fallen – wenn auch, wie erwartet, in größeren Dimensionen, als viele individuelle Kleinprojekte, wie man sie auch aus deutschen Großstädten kennt.

Auf dem Dach eines Mietshauses im Stadtteil Bronx des Unternehmenssitzes New York steht eine fast 1000 Quadratmeter große Farm, die durch die Nutzung der Abstrahlungswärme des Hauses und des Regenwassers bis zu 4500 Bewohner der Gegend mit frischem Obst und Gemüse versorgt, die sich vergleichbare Produkte sonst nicht leisten könnten.

In diesem Video erklärt Paul Lightfoot die Idee von Brightfarms:

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