Wasserversorgung: Schon ein bisschen Klimawandel wäre eine Katastrophe

Wasserversorgung: Schon ein bisschen Klimawandel wäre eine Katastrophe

von Birk Grüling

Eine Erderwärmung um zwei Grad gilt als verkraftbar. Doch das ist falsch, wie eine neue Studie zeigt.

Schon eine Erhöhung der Erdtemperatur um zwei Grad Celsius reicht aus, um das Leben von Milliarden von Menschen zu verändern. Darüber sind sich die Forscher einig. Bisher galt dieser Wert aber eher als der „moderate“ Klimawandel, kaum noch abzuwenden und irgendwie zu verkraften. Schon bis 2100 könnten die zwei Grad erreicht sein.

Doch gerade in Sachen Wasserversorgung wären die Folgen einer solch leichten Erhöhung wohl dramatischer als bisher angenommen. Es drohen Wasserknappheit, schlechte Ernten und Wetterextreme wie Dürren, Stürme oder Fluten. Eng verknüpft mit der nassen Ressource sind außerdem (lebens-)wichtige Dinge wie Hygiene, öffentliche Gesundheit oder die Produktion von Nahrung.

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Diese nicht gerade erbauliche Prognose ist das Ergebnis eines groß angelegten Forschungsprojekts. Mehr als 30 Wissenschaftler-Teams aus 12 Ländern haben dabei verschiedene Computersimulationen zu Klimaänderungen miteinander verglichen. Die Daten stammen von früheren Studien aus den einzelnen Bereichen Landwirtschaft, Hydrologie und Ökosystemforschung. Außerdem wurden regionale Besonderheiten wie Bevölkerungsdichten und Niederschläge berücksichtigt.

So war es den Forschern möglich, auch Auswirkungen wie die Änderungen im internationalen Handel oder regionale Entwicklung zu simulieren. Erste Ergebnisse erschienen im Dezember im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences.

Jedes Grad tut weh„Die Ergebnisse lassen klar erkennen, dass sich die Risiken für Natur und Gesellschaft mit jedem Grad Erderwärmung deutlich erhöhen“, sagt Katja Frieler vom Koordinationsteam am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Die größten Verlierer der Erderwärmung sind die Regionen, die schon jetzt mit Wassermangel zu kämpfen haben. In vielen Teilen des Mittleren Ostens, Asiens und Afrikas leben die Menschen schon heute von weniger als 500 Kubikmetern Wasser im Jahr. Zum Vergleich: Industrienationen verbrauchen pro Kopf rund 1200 Kubikmeter pro Jahr.

Die Wasserknappheit könnte in einigen Regionen beispielsweise zu Konflikten beitragen und Migration im großen Maßstab verursachen“, sagt Pavel Kabat, Mitautor der Studie und Direktor des International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA). Neben den Entwicklungsländern wären auch Südeuropa und Teile der USA von der Wasserknappheit betroffen. Von einer Erhöhung der Niederschläge gehen die Forscher dagegen in den afrikanischen Tropen, Indien und Bergregionen aus.

„Wir haben bereits heute genug sicheres Wissen über die Auswirkungen des Klimawandels, um zu erkennen, dass es höchste Zeit zum Handeln ist“, fordert Kabat weiter.

Technik könnte die Probleme lindernAls wichtigste Lösungsstrategie gilt dabei die systematische Verbesserung der globalen Trinkwassersituation. Einen entscheidenden Beitrag dazu könnten neue technologische Entwicklungen leisten. Ein wichtiger Bereich ist die Filterung des Wassers. Jährlich sterben 1,6 Millionen Menschen in den Entwicklungsländern an Durchfall, weil sie keinen Zugang zu frischem und sauberem Trinkwasser haben.

Ein großes Problem bei der Reinigung des Wassers sind aber immer noch die Kosten. Indische Wissenschaftler haben nun einen billigen und wirksamen Filter entwickelt. Mittels Nanotechnologie filtern sie Mikroben und Bakterien aus dem Wasser. Silberionen zerstören dabei die Verschmutzungen.

Laut Hersteller soll dieser Filter für eine Familie kaum mehr als 2,50 Dollar pro Jahr kosten. Auch im Bereich der Filtermembran haben sich die Kosten in den letzten Jahren fast halbiert. Knapp 0,50 Dollar pro Kubikmeter Wasser kostet eine Filterung. Die modernen Membranen sind mit bis zu 20 Nanometer kleinen Abständen 3.000 Mal feiner als ein menschliches Haar. Ein großer Vorteil dieser Methode liegt in ihrer problemlosen Integrierbarkeit in bestehende Abwassersysteme.

Eine weitere Möglichkeit der Wassergewinnung: Meerwasser entsalzen. Bisher ist das Verfahren noch zu teuer und energieaufwendig. Für die Entsalzung von einem Kubikmeter Wasser sind vier Kilowattstunden Strom nötig. Eine mögliche Alternative ist die Nutzung von biologischen Prozessen.

 Wasserverschwendung stoppenIn Singapur haben Biologen eine Möglichkeit gefunden, mit Hilfe von Mangroven und Fischen Meerwasser zu entsalzen. Dieser Prozess ist zwar umweltschonend, aber auch sehr zeitintensiv.

Wichtig ist aber neben der Aufbereitung des Wassers auch, dass die Menschen weniger davon verschwenden. So gehen täglich in den Entwicklungsländern allein 45 Millionen Kubikmeter Wasser durch Lecks in Leitungen verloren oder werden durch mangelnde Filter verschmutzt. Das Investment in bessere Infrastruktur und Säuberungsanlagen wäre eine einfache Lösung.

Auch in der Landwirtschaft gibt es noch Luft nach Oben. Derzeit werden knapp 70 Prozent des Frischwasservolumens hier genutzt. Ein besseres Management sowie präzisere Düngung und Bewässerung könnten den Verbrauch hier senken.

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