Weg vom Auto: Wie Wien per Masterplan zur smarten Stadt wird

Weg vom Auto: Wie Wien per Masterplan zur smarten Stadt wird

von Dieter Dürand

Mit einem klugen Ausbau von Vierteln und Verkehrssystemen zeigt Wien, wie smarte, moderne Verkehrsplanung aussieht.

Die österreichische Hauptstadt Wien brummt und wächst. Allein vergangenes Jahr zog die 1,8 Millionen-Einwohner-Metropole 43.000 neue Bewohner und Hunderte Betriebe an. Geht es so weiter, knackt sie schon 2030 die Zwei-Millionen-Marke.

Doch trotz des Booms schaffen die Wiener ein kleines Wunder: Es fahren immer weniger Autos auf ihren Straßen und der Energieverbrauch pro Kopf sinkt, zugleich steigt der Wohlstand.

Anzeige

Wie kann das gehen? Hat Wien die Zauberformel für eine sozial und ökologisch verträgliche Urbanisierung gefunden, die weltweit gesucht wird?

Gerade erst hat der indisch-amerikanische Politikwissenschaftler Parag Khanna in einer Studie aufgezeigt, dass vor allem die Megacities und weniger die Staaten selbst die globale Entwicklung dieses Jahrhunderts dominieren: als Wirtschaftsmotoren und Technologielabors. In den USA etwa erwirtschaften die Großräume um Boston, New York, Washington und Los Angeles allein schon ein Drittel des Bruttoinlandprodukts. Zugleich bedrohen die Städte extrem das Weltklima. Sie erwärmen die Erde mit Abstand am krassesten, weil sie laut Vereinter Nationen (UN) mehr als 80 Prozent aller Treibhausgase emittieren.

Wien also zeigt, dass die Metropolen, einst Wiegen der Zivilisation, erneut Geburtsstätte sein können - dieses Mal für ein grünes Jahrhundert. Der Erfolg ist kein Zufall, sondern Ergebnis einer Smart-City-Strategie, die der Stadtrat vor zwei Jahren abgesegnet hat. Sie könnte zur Blaupause für viele andere europäische Städte werden, denen ein Gesamtkonzept noch fehlt.

Drei Säulen haben Wiens Politiker definiert: Radikale Ressourcenschonung, hohe, sozial ausgewogene Lebensqualität sowie die Entwicklung und den produktiven Einsatz von neuen Technologien. Erst in diesem Dreiklang, ist Bürgermeister Michael Häupl überzeugt, bekommt die nachhaltige Stadtplanung Ziel und Richtung. Die Protagonisten der Kapitale denken dabei in langen Linien und übergeordneten Zusammenhänge, wie ein Blick auf zukunftsweisende Projekte zeigt.

Verkehr: Raus mit den AutosWiens Planer verdrängen den motorisierten Individualverkehr nicht - wie andere Städte - einfach plump mit Verboten und indem sie die Autobesitzer drangsalieren, sondern sie werben mit überzeugenden Alternativen für den Umstieg auf Busse, Bahn, Fahrrad oder die eigenen Füße.

Die U-Bahnen verkehren zu Stoßzeiten im Zwei-Minuten-Takt. Die Nutzung des öffentlichen Verkehrsnetzes ist unschlagbar günstig. Eine Jahreskarte kostet 365 Euro, also ein Euro pro Tag. Wo immer es geht, werden Fahr-, Abbiege- und Parkstreifen zu großzügigen und sicheren Fahrrad- und Fußgängerwegen umgebaut. Zudem konzipieren die Planer alte und neue Quartiere oder Grätzel, wie es in Wien heißt, so, dass Wohnung, Job, Arzt, Park, Läden und Freizeitangebote möglichst um die Ecke liegen. Denn wo die Wege kurz und sicher sind, das ergaben Befragungen, gehen die Fußgänger bereitwillig doppelt so lange Distanzen wie in Vierteln, in denen der Autoverkehr dominiert.

Die Ansätze tragen Früchte. Nur mehr ein gutes Viertel der Wiener quälen sich im eigenen Pkw durch die Donaustadt – ein im europäischen Vergleich unschlagbar niedriger Wert. Und die Verantwortlichen wollen noch besser werden. Den Schlüssel sieht Reinhard Birke, Geschäftsführer der Upstream – Next Level Mobility, in einer bedarfsgerechten, zentral vernetzten Mobilität, jederzeit auf Abruf bereitgestellt.

Wie dabei eine neue Verkehrsapp hilft, lesen Sie auf der nächsten Seite

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%