Weihnachtszeit ist Lesezeit: Unsere Top 5 der Nachhaltigkeitsbücher

Weihnachtszeit ist Lesezeit: Unsere Top 5 der Nachhaltigkeitsbücher

von Martin Roos

Aus der Flut inspirierender Bücher zu Nachhaltigkeit und Wirtschaft haben wir fünf als Leseempfehlung ausgewählt.

Klimaforscher, Ökonomen, Psychologen, Soziologen, Wachstumskritiker, Grüne-Mythen-Aufdecker – die Autoren der inspirierendsten Nachhaltigkeitsbücher 2014 könnten unterschiedlicher nicht sein. Mehr oder weniger widmen sie sich aber alle einer Todsünde: der Maßlosigkeit. Allerdings so sündenvoll oder moralisch wie’s klingt, geht es in ihren Büchern nicht zu. Dafür ziemlich klug.

Für alle, die für die Weihnachtszeit noch eine Lektüre suchen, hat unser Autor Martin Roos die fünf besten Bücher zum Thema Nachhaltigkeit aus den vergangenen Monaten ausgesucht:

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Friedrich Schmidt-Bleek: Grüne Lügen – nichts für die Umwelt, alles fürs Geschäft, wie Politik und Wirtschaft die Welt zugrunde richten, Ludwig Verlag

Das ist mit Abstand das provokanteste, schlaueste und damit beste Buch in diesem Jahr. Kaum ein Beitrag hat 2014 so viel Schwung in die oft heuchlerische Debatte der Umwelt-Szene gebracht. Der Autor, ein Pionier der Ökobewegung, räumt auf mit den seiner Meinung nach (zu) vielen grünen Mythen: Mit Elektroautos oder der Dämmung von Häusern schützen wir nicht die Umwelt, meint er. Wir erzeugen wegen des in diesen Produkten enthaltenen CO2 eher mehr schädliche Treibhausgase und verändern die Umwelt stärker als nötig. Und schließlich: Plastik ist besser als Jute! Der Ur-Grüne ist gegen die Energiewende. Er fordert vielmehr eine Ressourcenwende. Sie hat zum Ziel, die Wirtschaft materiell um den Faktor 10 zu verschlanken. Eine lebenswerte Zukunft wird es für Schmidt-Bleek nur geben, wenn es gelingt, den Ressourcenverbrauch zurückzudrehen. Ein Buch ohne jeden Mainstream. Unbedingt lesen!

Sendhil Mullainathan / Eldar Sharif: Knappheit – was es mit uns macht, wenn wir zu wenig haben, Campus-Verlag

Mangel an Geld, Mangel am Essen, Mangel an Zeit oder Mangel an Intelligenz – die Knappheit ist eine Grunderfahrung, die die Welt prägt. Die Autoren erklären die Psychologie der Knappheit und wie sie sich auf das Wirtschaftswachstum auswirkt. Für Mullainathan und Sharif kommt es vor allem darauf an, wie wir Knappheit wahrnehmen und was wir aus ihr machen. „Unser Denken richtet sich automatisch und unwiderstehlich auf die unerfüllten Bedürfnisse", meinen die Forscher. Jeder beschäftigte sich fast ausschließlich mit der Sache, die er als knapp empfinde.

Das Buch zeigt, dass Ökonomie nicht immer nur eine trockene Wissenschaft von neunmalklugen Theoremen ist – sondern, dass sich der Ökonom stets in der Schnittmenge von Ökonomie und Psychologie bewegen sollte. Die Wissenschaft der Knappheit, die in diesem Buch zum ersten Mal beschrieben wird, hilft, unser Konsumverlangen besser zu begreifen und vielleicht sogar zu verändern.

Meinhard Miegel: Hybris. Die überforderte Gesellschaft, Propyläen

Stauverstopfte Städte, Fressorgien, Schulden und Billigheimer-Massenproduktionen – keiner scheint’s zu merken, aber wir fressen uns langsam selber auf. Damit das anders wird und die Welt wieder lebenswerter wirbt Miegel für die „Kunst der Beschränkung“. Mit ihr lasse sich die kollektive Hybris eines blinden Immer-weiter-so überwinden. Der Autor fordert seine Zeitgenossen vor allem aus den Industrienationen auf, sich endlich mit „Weniger“ zu begnügen. Eine gute und notwendige Idee. Aber leider wohl kaum massentauglich. Dennoch ist Miegel ein lesenswertes Buch gelungen, aus dem jeder, der bereit und willens ist, nicht nur an heute, sondern auch an die Zukunft zu denken, sinnvolle Handlungsempfehlungen ableiten kann. Miegel: „Was jetzt gefragt ist, ist ein Höchstmaß an Einfühlvermögen, Phantasie, Improvisationsfähigkeit und Anpassungsbereitschaft.“

Christine Ax / Friedrich Hinterberger: Wachstumswahn – was uns in die Krise führt – und wie wir wieder herauskommen, Ludwig Verlag

Car-Sharing, Tauschbörsen,  Fahrrad fahren, mehr Familie – die Kriterien, die für die beiden Autoren ein besseres Leben ausmachen, sind nicht neu. Von alten Ökoparolen und dem langweiligen Duktus der moralischen Überlegenheit sind die beiden Autoren dennoch weit entfernt. Nicht Verzicht, sondern Vereinfachung lautet ihre Parole. Kultureller Wandel beginnt für Ax und Hinterberger im Kleinen. Sie setzen auf Ideen, die „unsere Kreativität ankurbeln sollen bei Überlegungen, was in Zukunft alles langsamer, anders, besser gehen könnte“. Letztlich muss die Politik die Bedingungen schaffen. In ihrem Sieben-Punkte-Programm fordern sie, den Ressourcenverbrauch zu verteuern und den Faktor Arbeit von Steuern und Abgaben zu entlasten. Sie setzen auf ein bedingungsloses Grundeinkommen und wünschen eine Entschuldung der Staaten auf Kosten der Banken und des Finanzsystems. Nun ja, wird wohl alles so nicht kommen, wäre politisch auch kaum vermittelbar. Dennoch sind die Autoren überzeugt: Die Zukunft wird gar nicht so schlecht.

Reiner Klingholz: Sklaven des Wachstums – die Geschichte einer Befreiung, Campus-Verlag

Wir sind zu Sklaven des Wachstums geworden. Dennoch haben wir Chancen, der Wachstumsfalle zu entkommen, meint Klingholz. Er schlägt vor: Um den „Kollateralschaden“ des Wachstums einzugrenzen, müssen wir erstens die Wirtschaft so reformieren und durch grüne und effiziente Technologien erfolgreich machen, dass möglichst viele Negativfolgen ausbleiben. Zweitens brauchen wir Suffizienz, „also weniger Arbeiten und mehr Freizeit genießen, Rügen statt Malediven, Grünkohl aus der Heimat statt Shrimps aus Vietnam“.

Allerdings: Eine Entkopplung von Wachstum und Ressourcenverbrauch wird allein mit grüner Technik nicht gelingen. Und: Der aufstrebenden Mittelschicht in den Entwicklungsländern kaum man verbieten, zu konsumieren. Gerade deswegen wünscht sich Klingholz eine Mischlösung aus beiden. Es bleibt wohl auch nichts anderes übrig. Denn wir stehen, so ist sich der Autor sicher, „längst an der Zeitenwende zum Postwachstum“. Wer‘s nicht glaubt, soll’s lesen!

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