Weltretter: Nicht alle Ökonomen sind Narren, manche sind sogar Superhelden

Weltretter: Nicht alle Ökonomen sind Narren, manche sind sogar Superhelden

von Martin Roos

Sie kämpfen gegen die Drogenmafia oder verhindern illegale Waffentransporte: Ein anderes Bild der viel gerügten Ökonomen.

Dass viele Ökonomen den Ruf haben, nur schlau daherzureden, sich wichtig zu machen, dabei realitätsfremd und damit närrisch wirken, ist kein Wunder. Seit der Finanzkrise 2008 haben viele Ökonomen in den Medien meist nur mit falschen Prognosen und schiefen Analysen geglänzt.

Mit seinem neuen Buch "Ökonomen retten die Welt – wie Volkswirte Verbrecher jagen, den Klimawandel bekämpfen und Leben retten" will Malte Buhse ihre Reputation sanieren.

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Um die Welt zu retten, muss man Ökonom seinDarin jagen tatsächlich existierende Ökonomen – nicht selten in Manier eines Indiana Jones – über den Planeten: Sie bekämpfen den Klimawandel, beschützen Menschenleben und decken Verbrechen auf. Buhses Buch strotzt vor spannenden Geschichten. Man glaubt dem Autor gern, wenn er am Schluss behauptet: "Wer die Welt retten will, muss Ökonomik studieren."

Manch einer wird behaupten, dass die Finanzkrise nicht nur eine Wirtschafts-, sondern auch eine Ökonomen-Krise nach sich gezogen hat. Deswegen aber alle Ökonomen der Schwafelei und Unfähigkeit zu bezichtigen, wäre wohl etwas ungerecht. Das gilt nach der Lektüre von Malte Buhses Buch ganz besonders.

Da geht es beispielsweise um die Ökonomin Melissa Dell. Sie hat ein Logistikmodell entworfen, mit dem die mexikanische Polizei die schnellsten Transportrouten der Drogenmafia erkennen kann. Oder: Die Wirtschaftswissenschaftler Stefano DellaVigna und Eliana La Ferrara recherchierten den Verlauf von Bürgerkriegen in acht Ländern, um das Verhalten von Waffenlieferanten und die damit verbundene Entwicklung des Aktienkurses der jeweiligen Firmen zu entschlüsseln. Mit ihren Daten konnten Zollbeamte die Unternehmen ausfindig machen, die versuchten, ein Waffenembargo zu umgehen.

Nobelpreis für einen Helden-ÖkonomenEin anderer Held ist der US-Amerikaner Alvin Roth. Er hat ein System entwickelt, mit dem Patienten mit unheilbaren Nierenkrankheiten eine passende Spenderniere finden können. Für diese Leistung bekam er 2011 den Ökonomie-Nobelpreis.

Raymond Fisman und Edward Miguel sinnierten monatelang über die Zollstatistiken zwischen China und der Sonderwirtschaftszone Hongkong. Sie wollten herausfinden, an welchen Häfen besonders viel Ware falsch deklariert wurde.

Oder: Das Ökonomen-Team um Raghavendra Rau untersuchte, warum Korruption für viele Unternehmen ein „gutes Geschäft“ ist – ihre Daten zeigten den Polizisten auch, dass es sich für Unternehmen besonders lohnt, rangniedrige Beamte zu bestechen. Denn sie sind meistens billiger zu haben und werden nicht so genau beobachtet.

Kurzum: Buhse erzählt in seinem 200-Seiten-Buch von ziemlich ungewöhnlichen Menschen. „Ökonomen sind nicht die weltfremden Theoretiker, für die sie oft gehalten werden“, meint Buhse. Die Krise der Ökonomik ist zwar noch längst nicht vorbei, aber die Disziplin scheint dem Autor zufolge gestärkt aus dem Tal des Imageschadens herauszuklettern. Das Lager der Helden-Ökonomen wird sogar immer größer, glaubt Buhse. Auf seinem Blog www.superheroeconomics.com listet er regelmäßig neue Helden und ihre Taten auf.

Fazit: Buhse zeigt, dass der Beruf des Ökonomen durchaus realitätsnah und handfest sein kann. Wer wieder an das Gute im Ökonomen glauben will, sollte dieses Buch lesen.

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Über den Buchautor: Malte Buhse, Jahrgang 1986, hat Volkswirtschaft studiert und arbeitet als freier Wirtschaftsjournalist und Autor für verschiedene Zeitungen und Onlineportale. Als Absolvent der Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft ist er zudem Gesellschafter des Journalistenbüros "Weitwinkel Reporter" in Köln. 

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