Weniger isst mehr: Fleisch-Branche stellt sich auf "Flexitarier" ein

Weniger isst mehr: Fleisch-Branche stellt sich auf "Flexitarier" ein

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Für Flexitarier heißt es auch beim Grillen: Fleisch kann, muss aber nicht.

von Daniel Anthes

Flexitarier stellen beim Fleisch Qualität vor Quantität - eine Herausforderung für die Lebensmittelbranche.

Immer mehr Menschen möchten wissen, wo und wie ihre Lebensmittel hergestellt werden – vor allem beim Fleisch. Die lange Zeit spürbare Entfremdung von dem, was wir auf unsere Teller und schließlich in unseren Mägen befördern, scheint sich allmählich umzukehren. Ein zunehmendes Bewusstsein über die Auswirkungen des eigenen Ernährungsstils, auch auf Umwelt und Gesundheit, ist Zeichen eines höchst erfreulichen Trends – Achtsamkeit bestimmt immer öfter unseren Alltag.

Laut einer Umfrage würden über 80 Prozent der Deutschen höhere Preise für Fleisch zahlen, wenn sie dadurch die Haltungsbedingungen der Tiere verbessern würden. Dies scheint in Zeiten eines ausufernden Klimawandels sowie einer sich verschärfenden Ressourcenverknappung auch zwingend erforderlich. Und letztlich trugen auch diverse Skandale in der Fleischindustrie dazu bei, dass der durchschnittliche Konsum nach jahrzehntelangem Anstieg nicht weiter zunimmt.

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Die Mehrheit der Deutschen isst an drei oder mehr Tagen der Woche kein Fleisch - weniger ist wieder mehr. Und Studien belegen eindeutig, dass eine vordergründig auf pflanzliche Kost ausgerichtete Ernährung deutliche Vorteile für die eigene Gesundheit bedeutet. Der dieser Entwicklung entstammende Begriff der "Flexitarier" meint "fleischessende Vegetarier" - was zunächst wie ein Widerspruch klingt.

Dabei geht es um einen maßvollen, auf Tierschutz bedachten und extrem qualitätsbewussten Fleischkonsum. Flexitarier wollen Genuss mit Welt- und Selbstverantwortung verbinden. Ein Anspruch, den auch die Lebensmittel-Wirtschaft erkannt hat: Sie begegnet den neuen Teilzeit-Vegetariern und Bewusst-Essern mit entsprechenden Angeboten.

Online-Metzgereien und Bio-Supermärkte werben um Kunden

Da wäre zum Beispiel die Online-Metzgerei MeinekleineFarm.org, welche unter dem Motto "Weniger Fleisch, mehr Respekt!" Fleisch ein Gesicht geben will. Dabei geht es nicht um Bärchenwurst mit Gesicht - Käufer finden auf der Verpackung die Adresse des Bauern, wie auch die des Metzgers – und selbst ein Foto des Tieres, aus dem die Wurst hergestellt wurde, ziert samt Namen das Layout.

Die Metzgerei Kumpel & Keule in der Markthalle Neun in Berlin hat sich ganz der Transparenz verschrieben. Auch hier steht die Herkunft des Fleisches, und damit das Wohl der Tiere, im Vordergrund. Die Idee: Wer sein Tier so offen vermarktet, kann mit ihm nicht schlecht umgehen. So kann der Konsument in der "gläsernen Metzgerei" den ganzen Produktionsprozess von der Schweinehälfte bis zur Wurst mitverfolgen – einzelne Kräuter und Gewürze inklusive.

Und auch der in Deutschland und Österreich ansässige Bio-Anbieter Denn’s wirbt auf seiner Webseite mit "5 guten Gründen, denn’s Flexitarier zu werden." Neben Klima- und Ressourcenschutz wird auch hier auf die Bedeutung für die Gesundheit verwiesen.

Es wird also deutlich, dass unsere Ernährungsstile, insbesondere beim Fleischkonsum, immer häufiger dem Trend der Achtsamkeit folgen – und wird weniger mehr, ist es doch ohnehin besser. Flexitarier könnten aus dem Hart-Vegetarismus einen Markt mit ähnlichen Dimensionen wie "bio" machen. Die Synthese von Konsum, Ethik und Lifestyle wird zur zentralen Triebfeder eines neuen Bewusstseins für Lebensmittel.

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