Wenn Bio der Umwelt schadet: Die Lüge vom grünen Wachstum

Wenn Bio der Umwelt schadet: Die Lüge vom grünen Wachstum

von Nora Marie Zaremba

Ein neues Buch zeigt, warum wir uns von Illusionen wie „Bio gleich nachhaltig“ verabschieden müssen.

Ethisch korrekt handeln ist heutzutage einfach: Im Tiefkühlregal gibt es zertifizierte Garnelen. Wer in den Flieger steigt, kann seine Emissionen einfach in einem Aufforstungsprogramm am anderen Ende der Welt absetzen. Und dank der Solaranlage auf dem Dach ist es vertretbar, wenn Fernseher und PC den ganzen Tag laufen.

Es sind genau diese grünen Alternativen, die uns glauben machen wollen, wir müssten an unserem ausschweifenden Lebensstil nichts ändern. Was dieser allerdings für andere Menschen auf der Welt bedeuten kann, das blenden wir oft aus.

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CO2-Emissionen für Bio-PalmölDas Buch „Aus kontrolliertem Raubbau: Wie Politik und Wirtschaft das Klima anheizen, Natur vernichten und Armut produzieren“ räumt mit der Lüge auf, dass „bio“ dem westlichen Konsumenten Absolution erteilen könnten. Geschrieben hat es die Münchener Journalistin Kathrin Hartmann, bekannt durch Bücher wie „Ende der Märchenstunde: Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt“ und „Wir müssen leider draußen bleiben: Die neue Armut in der Konsumgesellschaft“.

Für ihr neues Buch reist Hartmann zu nachhaltigen Palmölplantagen nach Indonesien, verschafft sich einen Eindruck über die Herstellung von Bio-Garnelen in Bangladesch oder nimmt den Gutmenschenauftrag der Bill &Melina Gates Stiftung unter die Lupe.

Bleiben wir beim Beispiel Palmöl: Hartmann dokumentiert die riesigen abgeholzten Flächen im Regenwald, zerstört für den Anbau von Palmöl, das nahezu in allen Fertigprodukten in unseren Supermärkten und in Biodiesel steckt. Ja, auch als nachhaltig zertifizierte Plantagen sind dabei.

Aber was rechtfertigt noch die Bezeichnung „bio“? Die Wälder werden auf Torfböden abgeholzt, die eigentlich Kohlenstoff speichern. Durch den Anbau der Palmölpflanze aber entweichen gewaltige Mengen des klimaschädlichen Gases. Erst die Klimaschutzmaßnahmen des Westens also machen Indonesien zum drittgrößten Emittenten der Welt.

Engagierte Kleinbauern geben nicht aufHartmanns Recherchen zeigen zudem, dass bei weitem nicht nur die multinationalen Konzerne Schuld an der Misere haben. Genauso sind es die Regierungen westlicher wie südlicher Länder und die Vereinten Nationen, die jene „Green Growth“-Programme und -Richtlinien aushandeln, die dann in zerstörten Regenwaldflächen und versalzenen Matschböden durch Bio-Aquakultur enden.

Deprimiert ist der Leser zuweilen und auch etwas hilflos. Fast erlösend sind da Hartmanns Erzählungen über engagierte Kleinbauern und örtliche Nichtregierungsorganisationen, die jeden Tag aufs Neue für ihre Rechte kämpfen und nicht hinnehmen wollen, dass ihr Lebensraum zerstört wird.

Diese Geschichten sollen uns auch ermutigen, uns nicht auf ach-so grünen Alternativen auszuruhen, sondern unsere Lebenswirklichkeit einmal mehr zu hinterfragen.

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