Wertvolles Abwasser: Berliner gewinnen Dünger im Klärwerk

Wertvolles Abwasser: Berliner gewinnen Dünger im Klärwerk

von Benjamin Reuter

Die Berliner Wasserbetriebe haben ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Phosphor aus Klärschlamm ziehen lässt.

Auch in diesem Jahr ist WiWo Green Medienpartner der GreenTec Awards, einem der größten Preise für grüne Technologien, Initiativen und Unternehmen in Europa. Die Awards werden am 29. Mai in Berlin verliehen. Die Gewinner in der Kategorie Recycling & Ressourcen sind in diesem Jahr die Berliner Wasserbetriebe. Was deren Innovation so besonders macht, lesen Sie hier:

Klärschlamm ist etwas, mit dem sich die meisten Menschen nicht gerne beschäftigen. Er stinkt, sieht nicht sonderlich appetitlich aus und ist teilweise sogar mit Schadstoffen belastet. Bisher wird der Klärschlamm entweder in speziellen Kraftwerken oder in Kohlemeilern verbrannt.

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Einen großen Teil und damit hunderttausende Tonnen kippen Landwirte aber immer noch als Dünger auf die Felder, obwohl einige Bundesländer diese Praxis wegen der Umweltgefahren schon stark eingeschränkt oder gar verboten haben.

Bioreinigung schafft ProblemeDie Berliner Wasserbetriebe, die in der Hauptstadt für die Wasserversorgung und die Entsorgung zuständig sind, haben nun aber einen Weg gefunden, den Klärschlamm als Düngerlieferant zu nutzen, ohne dass Schadstoffe die Felder belasten.

Das Geheimnis: Sie entziehen dem Schlamm den Phosphor, den Bauern nutzen, um Böden fruchtbarer zu machen.

Die Entwicklung des Verfahrens war dabei eine "Lösung für ein akutes Problem an anderer Stelle", wie Jörg Simon, CEO der Wasserbetriebe, erzählt. Das Unternehmen hatte schon länger Schwierigkeiten, weil hunderte Meter Rohrleitungen und Wärmetauscher in den Kläranlagen mit Algen zuwucherten – die Folge einer Umstellung auf ein biologisches Wasserreinigungsverfahren, das große Klärwerke anwenden.

Zwei Mal im Jahr mussten Arbeiter den Boden seitdem aufreißen, die Rohre auffräsen und reinigen. Das verursachte immense Kosten.

Die Lösung war naheliegend: Das Phosphor im Klärschlamm (jeder Mensch scheidet rund zwei Gramm pro Tag davon aus), das das Algenwachstum beschleunigt, musste ausgefiltert werden.

Kostenersparnis von 300.000 Euro pro JahrAlso machte sich eine Handvoll Ingenieure der Wasserbetriebe zusammen mit einem Unternehmen daran, ein Verfahren zu entwickeln, um den ungeliebten Dünger aus dem Klärschlamm zu ziehen.

Herausgekommen ist ein Reaktor, in dem unter Zugabe von Luft und Magnesiumchlorid (ein Salz, das unter anderem auch in Meerwasser vorkommt) Mikroorganismen das Phosphor aus dem Schlamm herausgelösen.

Übrig bleibt ein Gemisch aus Magnesium, Ammonium und Phosphat, das sich als Trockendünger eignet. Der übrige Schlamm wird in weiteren Schritten entwässert und später verbrannt. Ein weiterer Vorteil: Ohne das Phosphat lässt sich dem Schlamm das Wasser leichter entziehen, um ihn zu trocknen.

Das Verfahren haben sich die Berliner inzwischen patentieren lassen. Eine Million Euro hat die Anlage gekostet, die im Klärwerk Waßmannsdorf nahe des Flughafens Schönefeld in Betrieb ist.

Sie spart nach Aussage von Simon pro Jahr mehr als 300.000 Euro an Wartungskosten in dem Klärwerk. Der Verkauf des Düngers an Landwirte bringt nocheinmal 40.000 Euro pro Jahr. "Das Verfahren ist damit extrem wirtschaftlich", erklärt Simon. Rund 400 Tonnen des Düngers verkaufen die Wasserbetriebe unter dem Produktnamen "Berliner Pflanze" pro Jahr.

Dünger aus heimischer Produktion

Der Klärschlamm als Düngerlieferant könnte für die deutsche Landwirtschaft eine Alternative im großen Stil sein.

Denn Experten sehen die Phosphorvorräte der Erde zwar erst in rund 200 Jahren zur Neige gehen – da aber nur einige wenige Länder wie China über große Vorräte verfügen, könnte die Versorgung zum Beispiel durch politische Krisen künftig dennoch gefährdet sein. Immerhin rund zehn Prozent der Klärwerke in Deutschland könnten die Technik aus Berlin nutzen, schätzt Simon.

Derzeit verbrauchen Landwirte (auch diejenigen, die Biolebensmittel anbauen) in Deutschland rund 300.000 Tonnen Phosphatdünger pro Jahr.

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