Wie Städte den Verkehrskollaps verhindern

Living: Wie Städte den Verkehrskollaps verhindern

von Benjamin Reuter

500 Milliarden Dollar an Wirtschaftsleistung kosten Staus die Industrienationen jährlich, behauptet eine neue Studie. Und denkt über Lösungen nach.

Eines der größten Probleme der kommenden Jahrzehnte ist der Drang der Menschen in die Städte. Forscher zählen heute schon mehr als 300 Millionenstädte weltweit. Laut den Experten des McKinsey Global Institute, könnte die Zahl der Großmetropolen allein in China bis 2025 bei mehr als 200 liegen. Neben mangelndem sauberen Wohnraum ist eine der größten Herausforderungen für die rapide wachsenden Städte, wie sie den Verkehrskollaps verhindern und die Luftverschmutzung auf einem erträglichen Level halten.

Die Antwort auf dieses Problem ist nicht neu: Mit dem Ausbau ihres öffentlichen Nahverkehrssystems. Wie die Beamten in den Rathäusern das am besten anstellen, ist aber alles andere als geklärt.

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Genau dieser Frage hat sich jetzt eine Expertengruppe der Technologieberatung Arthur D. Little angenommen. Genauer gesagt, hat sich die Gruppe Gedanken darüber gemacht, wie Städte den Marktanteil des ÖPNV bis 2025 verdoppeln können - und warum sie dieses Ziel unbedingt anvisieren sollten.

Schon heute, so die Experten, verbringen allein US-Amerikaner im Umkreis von Städten jährlich rund 4,8 Milliarden Stunden damit, im Stau festzustecken. Die Benzinkosten für die tuckernden Wagen, die sich nicht vom Fleck bewegen, belaufen sich dabei auf gewaltige 100 Milliarden Dollar.

Und als Zahlenschmankerl für all diejenigen, die das Auto seit jeher für das beste Transportmittel halten: Allein die Industrienationen kosten Staus jährlich 500 Milliarden Dollar an Wirtschaftsleistung, so die Studie. Verwunderlich dabei ist: Der Marktanteil, zum Beispiel der öffentlichen Verkehrsmittel in Schweden, stagniert seit 50 Jahren bei rund 20 Prozent.

Schneller zu Fuß als mit dem BusUm den Nahverkehr erfolgreich auszubauen, spielen laut der Arthur D. Little-Studie drei Faktoren eine Rolle: Städte müssen die Nachfrage nach Bahnen und Bussen erhöhen, sie müssen gleichzeitig die nötigen Fahrzeuge zur Verfügung stellen und die Kosten dafür in einem finanzierbaren Rahmen halten.

Klingt simpel? Ist es aber nicht.

Allein Schweden müsste die Steuern um 1,1 Prozent erhöhen, um den Ausbau zu finanzieren und die nötigen Kapazitäten für eine Verdoppelung des ÖPNV zu schaffen. Das erfordert politische Überzeugungskraft. Querfinanzieren könnten Städte den Nahverkehr aber auch durch City-Maut-Modelle, Einnahmen von Werbeplakaten oder Kooperationen mit der Privatwirtschaft, so die Studie.

Um für die Kunden attraktiver zu werden, müssen die Busse und Bahnen vor allem pünktlicher, schneller und bequemer werden.

Falls Städte an dieser Herausforderung scheitern, warnt die Studie vor unbequemen Konsequenzen: "Ohne funktionierenden Nahverkehr wird städtische Mobilität in Zukunft unerträglich, was den Unternehmen schadet, der Gesundheit der Menschen und Wirtschaftswachstum verhindert", so das Fazit.

Dieses Worst-Case-Szenario lässt sich auch heute schon erleben; zum Beispiel in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch. Wer dort einmal versucht hat, mit dem Auto oder dem städtischen Bus von A nach B zu kommen, merkt: Meistens ist man zu Fuß schneller unterwegs.

 

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