Wilderei: Boko Haram finanziert Terror in Nigeria mit Elfenbeinhandel

Wilderei: Boko Haram finanziert Terror in Nigeria mit Elfenbeinhandel

von Thiemo Bräutigam

Mit Panzerfäusten machen Wilderer Jagd auf Dickhäuter. Das Schlachten bedroht die internationale Sicherheit.

„Mehr als 200 Mädchen von Boko-Haram-Terroristen verschleppt“, titelten dieses Frühjahr zahlreiche Medien. Und vor wenigen Tagen: „Wilderer töten 20.000 Elefanten auf der Jagd nach Elfenbein.“ Zwei Schlagzeilen - zwei scheinbar von einander unabhängige Geschichten. Doch sie gehören enger zusammen, als man meint.

Denn Terror und Wilderei sind längst eng miteinander verflochten. So finanziert die islamistische Terrorgruppe Boko Haram, die in Nigeria Schulmädchen entführt und zuletzt bei einem Bombenanschlag mehr als 20 Menschen getötet hat, ihren blutigen Feldzug mit den Erlösen aus gewildertem Elfenbein. Auch Kriegsverbrecher Joseph Kony gelang die Flucht durch Zentralafrika im vergangenen Jahr mit Hilfe des "weißen Goldes".

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In Kenia steht die Al-Shabaab-Miliz im Verdacht, in den illegalen Elfenbeinhandel verwickelt zu sein. Genau wie die Lord’s Resistance Armee in Uganda, Rebellengruppen und Terrorzellen in Simbabwe, Somalia, Mosambik, Gabun, Tansania und im Kongo – die Liste scheint endlos.

Elfenbein bringt mehr Geld als KokainGalt das Abschlachten von Elefanten und Nashörnern lange lediglich als Umweltproblem, ist heute klar, dass die Wilderei mit einem geschätzten Umsatz von bis zu 20 Milliarden US-Dollar ein wichtiges Standbein für Rebellengruppen und Terrororganisationen ist.

Der illegale Handel mit Tierprodukten rangiert auf Platz vier der lukrativsten Verbrechen der Welt. Auf den globalen Schwarzmärkten bringt ein Kilo Nashorn zwischen 20.000 und 60.000 US Dollar und liegt damit höher im Kurs als Gold oder Kokain.

Auf Mitglieder des Xaysavang-Netzwerkes, das von Laos aus operiert und mit Elfenbein lukrative Geschäfte in ganz Asien macht, hat die amerikanische Regierung vor kurzem sogar ein Kopfgeld von einer Million Euro ausgesetzt. Denn die Wilderei in Afrika berührt längst auch internationale Sicherheitsinteressen.

Mit Panzerfäusten und Granaten gegen DickhäuterWas tut man in den betroffenen Ländern? Die Behörden lassen beschlagnahmte Tierprodukte verbrennen. In Indonesien verhängten islamische Rechtsgelehrte eine Fatwa gegen Wilderei. Auch ob Regierungen den legalen Handel mit Tierprodukten etwas ausweiten sollten, um dem Schwarzmarkt das Wasser abzugraben, diskutieren Experten.

Doch die Nachfrage scheint unersättlich zu sein. Auseinandersetzungen zwischen Wildhütern und den Wilderern gleichen Kleinkriegen. Vor allem die Wilderer sind mit modernsten Waffen wie Maschinengewehren und Sprengfallen ausgerüstet und haben häufig eine militärische Ausbildung. Die Sudanesische Volksbefreiungsarmee (SPLM) soll sogar mit Panzerfäusten und Granaten Jagd auf die Dickhäuter machen.

So grausam und bedrückend der Tod zehntausender Elefanten und Nashörner sein mag. Die blutige Jagd auf bedrohte Tiere ist nur der Anfang einer Militarisierung und Professionalisierung in der Wilderei. An deren Ende steht die Finanzierung von Entführungen, Bombenanschlägen und Massakern von Menschen, wie sie derzeit in Nigeria erlebt. Das ist ein fataler Trade-Off, den besonders asiatische Kunden befördern, die auf den Status und die „heilenden Kräfte" von Elfenbein und Co. nicht verzichten wollen.

Solange die Regierungen dieser Länder nicht härter durchgreifen und es auch im Alltag geächtet ist, entsprechende Produkte zu nutzen, wird das Schlachten aber weitergehen.

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