Wildtier-Tourismus: Artenschutz sichert Milliardenumsätze

Wildtier-Tourismus: Artenschutz sichert Milliardenumsätze

von Bradnee Chambers

Bedrohte Tiere ziehen Touristen an und bringen Milliardenumsätze. Ihr Schutz hilft deshalb nicht nur der Natur.

Von Dr. Bradnee Chambers. Der Autor leitet das “Sekretariat des Übereinkommens zur Erhaltung der wandernden wild lebenden Tierarten” (UNEP/CMS) der Vereinten Nationen in Bonn.

Können Sie sich Paris ohne den Eiffelturm, San Francisco ohne die Golden Gate Bridge oder Kairo ohne die Pyramiden vorstellen? Für einige Länder wäre der Verlust ihrer symbolträchtigen Tierwelt gleichbedeutend mit dem Verlust dieser Touristenattraktionen.

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Tiere in freier Wildbahn sind ein Publikumsmagnet. Die Safari-Industrie in Kenia hat einen Umsatz von einer Milliarde Dollar  jährlich, die Tauchindustrie in Australien kommt auf 1,5 Milliarden Dollar. Walbeobachtung hat weltweit ein Volumen von rund 2 Milliarden Dollar im Jahr.

Einer Studie des U.S. Fish and Wildlife Service zufolge, steuern Vogelbeobachter etwa 32 Milliarden Dollar jährlich zur US-Wirtschaft bei. Viele Vogelbeobachter reisen ins Ausland, um ihrer ornithologischen Leidenschaft zu frönen. Einige der ersten Auslandsfahrten galten der Vogelbeobachtung, als Flugreisen in den 1970er Jahren erschwinglich wurden. Bis heute erfreut sie sich großer Beliebtheit.

Multi-Millionen Dollar IndustrieAuch wenn die Tierwelt ist nicht der einzige Grund für die Auswahl ein Reiseziels ist, so ist Wildtierbeobachtung oft Teil der touristischen Attraktionen. Kürzlich habe ich auf den Kanarischen Inseln einen Tag mit Delfin- und Walbeobachtungen verbracht. "Whale Watching" ist dort eine Multi-Millionen Dollar Industrie, die Tausende von Menschen beschäftigt.

Die Tourismusbranche hat erkannt, dass Wildtiere viel Geld einbringen können und diese lebendig mehr wert sind als tot. So hat Indonesien soeben das größte Schutzgebiet für Mantarochen ausgewiesen. Laut Regierungs-Schätzungen kann ein Mantarochen im Laufe seines Lebens einen Wert von 1 Millionen US-Dollar erzielen, wenn Touristen die sanften Riesen in ihrer natürlichen Umgebung sehen wollen. Dagegen ist ein toter Mantarochen nur zwischen 40 - 500 Dollar wert.

Ist die Tierwelt in Gefahr, dann auch die Dollar der Touristen. Deshalb entstehen gerade in vielen Ländern neue Bündnise zwischen den Umweltministern und den Ministern für Tourismus. Alle bekommen die Gefahren, die von einem Rückgang von Wildtieren ausgehen, zu spüren. Jetzt erkennen sie, dass sie ein gemeinsames Ziel haben, und zwar der Jagd nach Elfenbein und anderen Bedrohungen für die Tierwelt entgegenzuwirken.

Auch die afrikanischen Minister für Tourismus wollen die Bekämpfung der Wilderei nun stärker vorantreiben. Die Wilderei von Elefanten bringt die Tiere an den Rand des Aussterbens. Im Jahr 1979 gab es noch 1,3 Millionen Elefanten in freier Wildbahn in Afrika, heute vielleicht 500.000, von denen durchschnittlich 100 jeden Tag von Wilderern getötet werden.

Tierwanderungen in GefahrAber nicht nur Wilderei bedroht die Tourismusindustrie, und nicht nur Elefanten sind bedroht. Einige der berühmtesten Wildtierattraktionen für Touristen auf der Welt werden durch Klimawandel, Überfischung, Beifang und Hindernisse bedroht, die sich den Tieren auf ihren natürlichen Zugwegen auf der Suche nach Rast- oder Futterplätzen entgegenstellen. Einige der bekanntesten Arten der Erde wie Wale, Löwen, Flussdelphine, weiße Haie, Meeresschildkröten, Berggorillas, Greifvögel und Eisbären sind mehr denn je in Gefahr.

Einige der größten Tierwanderungen der Welt, die teils Tausende von Touristen jedes Jahr anziehen, könnten schon zu unseren Lebzeiten der Vergangenheit angehören. In Afrika besteht die größte und vielfältigste Säugetierwanderung der Welt aus 1,3 Millionen Gnus, 600.000 Zebras und Thomson-Gazellen, die zwischen der Masai Mara und Serengeti-Ebene ziehen.

Es ist die einzige Wanderung von Mensch oder Tier, die vom Weltraum aus sichtbar ist. Dies ist der Grund, warum der Serengeti-Nationalpark in Tansania von der UNESCO als Weltnaturerbe und gemeinsames Erbe der Menschheit aufgeführt wird. Einige Umweltschützer warnen, dass dieses gemeinsame Erbe der Menschheit in 30 Jahren bloß eine weitere Legende in den Geschichtsbüchern sein wird - ebenso wie die von den einst riesigen Wanderungen der Bisons durch die Prärie der USA.

Viele dieser bedrohten Arten und viele der großen Tierwanderungen selbst sind nach dem Völkerrecht durch Konventionen wie das UN-Übereinkommen zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten geschützt. Jedoch müssen die Länder ihre Anstrengungen verdoppeln, wenn sie die zahlreichen Gefahren für die Tierwelt abwenden wollen.

Mit Abstand der wichtigste Schritt zur Rettung von Wildtieren ist ihre Anerkennung als nationaler Vermögenswert, und als solcher braucht er Schutz. Die Tourismusminister haben dies erkannt; Umweltminister wußten es schon lange, aber jetzt müssen es auch die Finanzminister tun. Sobald wir den Wert der Tiere und der Umwelt angemessen berechnen und ihn nicht als selbstverständlich betrachten, können wir sicherstellen, daß diese charismatischen Tierarten auch weiterhin die Hauptattraktionen für viele Generationen sein werden.

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