Wohnen: Stuttgart baut erstes recycelbares Aktivhaus der Welt

Wohnen: Stuttgart baut erstes recycelbares Aktivhaus der Welt

von Nora Marie Zaremba

Das Aktivhaus "B 10" produziert Energie für sich und die Nachbarn. Außerdem lässt sich das Baumaterial wiederverwerten – gut so, denn es soll nur für kurze Zeit stehen.

So sieht intelligentes Wohnen aus: Die Waschmaschine beginnt zu laufen, wenn der Strom günstig ist. Die Raumtemperatur passt sich den Wetterbedingungen an. Und die Photovoltaikanlage auf dem Dach produziert so viel Energie, dass sie nicht nur die zwei Elektroautos vor der Haustür versorgt, sondern die umliegenden Häuser gleich mit.

Reine Zukunftsvision? In der Stuttgarter Weißenhofsiedlung werden Besucher bald so ein Super-Haus bestaunen können. Dort, wo Bauten weltberühmter Architekten wie Ludwig Mies van der Rohe oder Walter Gropius zu finden sind, entsteht derzeit das erste „Aktivhaus“ der Welt.

Anzeige

Das Wohngebäude mit dem Namen „B 10“ – benannt nach seinem Standort im Bruckmannweg 10 – stellt mehr Energie aus erneuerbaren Quellen her, als es selbst benötigt. Aus unbehandeltem Holz gebaut und von außen mit einem Glasfaser-Gewebe überzogen, ist es zudem zu 100 Prozent recyclebar.

Energieeffizienz, intelligente Vernetzung und neueste Technik

Hinzu kommt die intelligente Vernetzung wichtiger Hausgeräte per Software, die Energieerzeugung und -verbrauch optimal aufeinander abstimmt - etwa indem eine Wetterstation Daten an das B 10  übermittelt. Geprägt hat den Begriff Aktivhaus der deutsche Architekt Werner Sobek. Er hat das B 10 auch maßgeblich konzipiert.

„Sein wesentliches Kennzeichen ist, dass es vorausschauend reagiert“, sagt Sobek. Somit kann es viel mehr als ein Passivhaus, das aufgrund seiner optimalen Wärmedämmung keine eigene Heizung benötigt.

Im Bereich des nachhaltigen Bauens gilt Sobek als einer der wichtigsten Architekten der Gegenwart. Das B 10 ist ein auf drei Jahre angelegtes Forschungsprojekt. Zunächst steht es Besuchern offen, später bewohnen es zwei Studenten.

Während dieser Phase werden Daten zur Energieeffizienz und der intelligenten Geräte-Vernetzung erhoben. Die Universität Stuttgart wertet sie aus. Am Ende des Forschungsprojektes wird das Grundstück in seinem ursprünglichen Zustand an die Stadt Stuttgart zurückgegeben.

Die Baustoffe des B 10 werden dann entweder recycelt oder das Haus wird an einem anderen Ort wieder aufgebaut. Der erneute Aufbau ist problemlos möglich, da das Haus aus zwei größeren, container-ähnlichen Stücken zusammengesetzt ist.

Kommt die Energieautonomie?

Mit einem billigen Fertighaus aber hat das B10 nichts gemein. Denn das B 10 garantiere höchsten Wohnkomfort, betont Sobek. Zudem sei das Haus – je nach Wunsch seiner Bewohner – in seinen Maßen und der Ausstattung individualisierbar.

Der Prototyp in Stuttgart hat eine Wohnfläche von rund 80 Quadratmetern. Sollten Aktivhäuser wie das B 10 bald zu kaufen sein, wird der Quadratmeter rund 3000 Euro kosten, schätzt Sobek. Dafür muss der Besitzer nie wieder eine Stromrechnung bezahlen.

Derzeit erreichen Sobek Anfragen aus dem Ausland, Aktivhäuser auch dort zu realisieren. Für Deutschland stellt der Architekt sich vor, dass in näherer Zukunft ganze Aktivhaus-Verbünde entstehen.

Der Vorteil: Denkmalgeschützte Häuser müssten nicht erst aufwendig saniert und wärmegedämmt werden, sondern würden von ein paar Aktivhäusern mit Energie aus nachhaltigen Quellen versorgt.

Diese Verbünde könnten dann auch das Ziel einer lokalen und unabhängigen Energieversorgung verwirklichen, denn sie wären nicht mehr auf Energie von außen angewiesen. Aktivhäuser, die mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen, gibt es dabei schon länger. In Frankfurt im Stadteil Riedberg entsteht derzeit schon ein Mehrfamilienhaus mit 17 Wohnungen, das genug Energie produziert, um neben den Wohnungen auch die Elektroautos der Bewohner zu laden.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%