Wolkenkratzer-Boom in China: Höher, immer höher

Wolkenkratzer-Boom in China: Höher, immer höher

von Nora Marie Zaremba

In Shanghai eröffnet in Kürze Chinas höchstes Haus. Ein Vorbild für die Städte der Zukunft?

Der Shanghai Tower ist mit über 600 Metern Chinas derzeit höchster Wolkenkratzer. Die Eröffnung ist Mitte des Jahres geplant. Dann wird es auf mehr als 120 Stockwerken nicht nur Wohnungen und Büros geben, sondern auch Banken, Supermärkte, Boutiquen und Indoor-Parkanlagen. Wer hier einzieht, muss den Turm eigentlich nicht mehr verlassen.

Einer von drei geplanten Wolkenkratzern steht in Zukunft in China, so lauten die Prognosen des “Council on Tall Buildings”. Die Vereinigung sammelt Daten zu Türmen und hohen Gebäuden auf der ganzen Welt. "In China passiert im diesem Bereich derzeit das Spannendste", meint Antony Wood, Direktor der Organisation. Er hat eine Liebe der Chinesen zu dieser besonders anspruchsvollen Architektur festgestellt.

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Sicherlich ist auch etwas Größenwahnsinn dabei. Doch die Regierung und Stadtplaner scheinen sich auch aus einem anderen Grund für die Wolkenkratzer zu begeistern: Je mehr Menschen unter einem Dach wohnen, desto weniger Platz wird verbraucht. Shanghai platzt mit über 23 Millionen Einwohnern schon jetzt aus allen Nähten. Auch deshalb wird in Zukunft lieber in die Höhe, statt in die Breite gebaut.

Dahinter steckt das Konzept der "vertikalen Stadt". Als ihre Vordenker gelten die beiden Architekten Kenneth King und Kelogg Wong. “In die Höhe bauen ist die Zukunft”, schreiben sie auf ihrer Homepage. Im Hinblick auf ökologische und soziale Kriterien schneide sie weit besser ab als die konventionelle Stadt, so ist da zu lesen.

Wer in einem Turm wohnt, in dem es alles gibt, läuft vielleicht nur eine Etage hoch zur Arbeit oder in den Supermarkt. Das spart Zeit, vor allem auch die Benutzung von Auto oder Bahn.

Genau deswegen gewinnt die Idee der "vertikalen Stadt" bei Chinas Städtern immer mehr Anhänger. Viele Einwohner leiden so unter der Luftverschmutzung in den Metropolen, dass sie längere Aufenthalte im Freien ohnehin vermeiden.

Die vertikale Stadt wird auch als autarke Einheit verstanden. Bestes Beispiel dafür ist der sich in Planung befindliche Cloud Citizens Komplex in Shenzhen (Bild oben). Auf den Flachdächern soll Gemüse und Obst angebaut werden. Strom wird über riesige Solarfelder gewonnen.

Die Vorstellung, in Megatürmen und auf engem Raum zu leben, wird nicht jedem gefallen. Wer bevorzugt nicht einen echten Wald gegenüber einer künstlichen Parkanlage? Und manchmal bietet der Weg zwischen Haus und Arbeitsplatz ja auch Gelegenheit für etwas Erholung.

Außerdem bleibt die Frage, ob Wolkenkratzer die Probleme von massivem Wohndruck und Platzmangel in Megastädten wirklich lösen werden. Denn es ist zu bezweifeln, dass es im Shanghai Tower und Co. auch Wohnungen für den Ottonormalverbraucher geben wird und eben nicht nur Luxusbuden.

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