Wunderwurzel Moringa: Was das neue Trendprodukt wirklich taugt

Wunderwurzel Moringa: Was das neue Trendprodukt wirklich taugt

von Peter Vollmer

Der Absatz von Produkten des Moringa-Baumes wächst und wächst. Die Verkäufer schreiben ihm heilende Wirkung zu.

Auf manchem Weihnachtsmarkt standen diesen Winter neben Buden mit Krippenfiguren und Glühwein auch Stände, die ein wahlweise afrikanisches oder tropisches Wundermittel anboten: Moringa. Kleine Gläschen oder Tütchen mit Kapseln, Pulver oder Tee. Hinter der Theke hatte die Verkäuferin auch ein dickes Buch mit Diagrammen und Statistiken zur gesundheitsfördernden Wirkung des Produkts griffbereit.

Hierzulande kennt man Moringa schon seit Jahrhunderten unter dem weniger exotischen Namen "Rettichbaum". Weil er schnell wächst und zahlreiche Nährstoffe enthält, traute ihm die UNESCO schon vor Jahrzehnten eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Hunger zu. In Europa wird das nässeempfindliche Gewächs allerdings kaum angebaut. Beste Voraussetzungen also, um Moringa als "Wunderbaum" zu importieren, zu vermarkten und einen neuen Food-Trend auszurufen.

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Marketing: Aus Fehlern gelerntIn den vergangenen Jahren eröffneten immer mehr Shops im Netz, die Moringa vertreiben. Hinzu kommen begeisterte Erfahrungsberichte in Ernährungs-Foren oder auf Rezepteseiten. Und nun eben die Weihnachtsmärkte. Denn ein Produkt wie Moringa muss geschickt vermarktet werden.

In den USA scheiterte dies bei einem ersten Versuch vor zehn Jahren vor allem am schlecht aufgezogenen Vertrieb. Den Nachfolgern, die ihr Produkt jetzt an den Mann bringen wollen, war das eine Lehre: Die Werbung ist heute weniger aggressiv, die Produktionskette transparenter. Das Unternehmen New Global Energy kündigte im November an, 11.000 Moringa-Bäume in Kalifornien und womöglich weitere in Costa Rica anzubauen und peilt damit einen Umsatz von 15 Millionen Dollar pro Jahr an.

Und auch in Europa wächst das Geschäft. Laut den Zahlen des britischen "Express" schnellte der Moringa-Absatz im Vereinigten Königreich allein zwischen August und Oktober um 2500 Prozent in die Höhe. Für Deutschland sind die Verkaufszahlen aufgrund der vielen kleinen Vertriebe schwierig zu schätzen. Manche Händler bieten Moringa als Nahrungsergänzung an, andere als Allheilmittel mit abenteuerlichen Wirkungen. Hier nur ein paar Beispiele: Moringa …

Moringa-Samen reinigen WasserDass der Baum auch böse Geister vertreibt und ausgefallene Zähne nachwachsen lässt – geschenkt. Doch trotz aller unbewiesenen Wunderwirkungen: Nutzlos ist der Baum keineswegs. So wächst Moringa vergleichsweise schnell. Acht Meter sind im ersten Jahr möglich. Da Blätter und Wurzeln essbar sind, der Baum tatsächlich viele Nährstoffe enthält und wenig Wasser braucht, versorgt er Menschen mit Nahrung und Baumaterial.

In manchen Gegenden noch wichtiger sind aber die Moringa-Samen. Denn diese können Wasser von verschiedenen Verschmutzungen reinigen – ein Effekt, der anders als die meisten oben genannten auch wissenschaftlich untersucht ist (siehe hier oder hier). Hinweise gibt es auch darauf, dass Moringa entzündungshemmend sein könnte.

Hierzulande, wo es sauberes Trinkwasser und eher zu viele als zu wenige Lebensmittel gibt, ist Moringa aber höchstens als Nahrungsergänzung interessant. Etwa für Menschen, die unter kombinierten Unverträglichkeiten leiden, oder für Veganer. Zu viele Nährstoffe können schließlich auch zu Problemen führen.

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